LICHTENFELS

Mit Lego zu mehr Barrierefreiheit - auch am Obermain?

Mit Lego zu mehr Barrierefreiheit - auch am Obermain?
Uschi Sünkel und Alexandra Stammberger freuen sich über die Aussicht, mit einem Lego-Projekt etwas bewegen zu können. Doch das Wie und Ob ist derzeit noch im Schwange. Foto: Markus Häggberg

„Man kann das gut auf die Spitze treiben“, sagt Uschi Sünkel am Vormittag des 14. Mai mit einem Anflug von Lächeln. Worauf die Verwaltungsangestellte des Kreisjugendrings (KJR) anspielt, ist eine Sache, die ihr vor Monaten im Mantelteil der Zeitung entgegenkam. Es ging dabei um die weltberühmte dänische Firma Lego und darum, dass sich mittels ihrer Steine doch Barrierefreiheit vor Läden ermöglichen ließe.

Es geht um Rampen für Rollstuhlfahrer. Ein Thema auch für Lichtenfels. Doch wie weit ist es noch bis zur Spitze?

Der 14. Mai ist im Grunde ein Apriltag. Das Wetter ist wechselhaft und launig. Sünkel sitzt um 9 Uhr in dem hellen Büro der Kreisjugendrings in der Köstener Straße 6. Ihr gegenüber hat Geschäftsführerin Alexandra Stammberger ihren Platz – eine Eingeweihte, eine Befürworterin der Lego-Idee. Stammberger fragt sich gerade selbst, wann sie erstmalig davon Wind bekam, öffnet ihr E-Mail-Fach, kramt dort bis in den vergangenen Herbst hinein und stößt auf eine Nachricht Sünkels vom 4. November: „Was hältst du von dieser Aktion? Das wäre doch mal eine Aktion in der Corona-Zeit für uns.“

Wer bestellt die Steine, wer baut die Rampen und wie?

Ab diesem Zeitpunkt also hat sich etwas geformt, ab da hat man sich Gedanken gemacht und den KJR-Vorstand eingeweiht. „Wir haben es in einer Online-Sitzung vorgeschlagen“, so Sünkel. Die Antwort: „Super Idee!“ Die KJR-Vorsitzenden Georg Krauß und Linda Krippner signalisierten absolutes Interesse. Auch mit dem Behindertenbeauftragten des Landkreises habe man Kontakt aufgenommen. Denn immerhin: In Würzburg und einigen anderen Städten soll es das Projekt schon in verwirklichter Form geben.

Doch wer bestellt die Steine und wer baut die Rampen? Und vor allem wie? Tatsächlich weiß man schon etwas zu Fragen wie Bauweise und Steigungswinkel. „Die Höhe der Stufe (in Zentimetern) mal 4,5“, erklärt Stammberger ein Rechenmodell für die jeweilige Länge der aus Lego zu bauenden Rampe, welche vom Trottoir in den Laden führen soll.

Eindrücke von der „Lego-Oma“ aus Hanau

Alles ist noch im Schwange und somit auch die Frage der Finanzierung. Wer bezahlt die bunten Steine, und wäre Lego womöglich für eine Bausteinspende zu gewinnen? In all das hinein fällt ein Name: „Lego-Oma.“ Unter diesem Namen ist eine Frau aus Hanau bekannt geworden. Es handelt sich um Rita Ebel, eine 64-jährige Rollstuhlfahrerin mit reichlich Lego-Erfahrung. Dem Reporter liegt bald ihre Telefonnummer vor. Doch erste Anrufe blieben erfolglos. Ob es etwas im Internet über sie zu erfahren gibt?

Wer Rita Ebel in Ton und Bewegtbild sehen will, der ist auf der Internet-Plattform YouTube bestens aufgehoben. In einem Video, eingestellt am 30. Juli 2020, ist die fröhlich-patent wirkende Rollstuhlfahrerin zu sehen. Die 64-Jährige, die offensiv mit ihrer Querschnittslähmung umgeht, erzählt davon, wie sie einst selbst in einer Fachzeitschrift für Querschnittsgelähmte einen Bericht gelesen habe, der von Rampen aus Lego-Steinen handelte. „Da war ein Bild abgebildet, wo ein Elektro-Rollstuhl drauf war, und da habe ich gesagt: „Was'n Hammer – Elektro-Rollstuhl und über Legos fahren!“

Die Firma Lego findet die Idee „total cool“

Was Ebel sagt, wird von Bildern begleitet. Man sieht, wie die Frau Steinchen setzt, Rampen baut und wie diese für mehr Solidität miteinander verklebt werden. Sie selbst, so erzählt die Frau, habe von einer Dame aus Bielefeld die Bauanleitung erfahren. Seitdem sei diese noch umfangreicher geworden, schon darum, weil es die Rampen nicht mehr nur zweispurig gibt. Sie selbst, so Ebel in dem Video, habe die Idee unbedingt an ihren Wohnort nach Hanau bringen wollen. Das Video endet damit, dass Ebel fröhlich lachend im Rollstuhl eine Straße entlangfährt.

14. Mai, 11.52 Uhr. Uschi Sünkel hinterlässt für die Zeitung eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter. Eine Nachricht, die verblüfft: „Ich habe jetzt noch mal bei Lego angerufen und habe mich erkundigt. Die haben von dieser Aktion bisher nichts gehört.“ Weiter heißt es: „Die haben sich aber während des Gesprächs schon im Internet schlau gemacht ein bisschen und fanden die Idee total cool. Die Dame, die am Telefon war, wollte sich eben drum kümmern und noch überlegen und so weiter und so fort, und ob wir dazu bezahlen oder wir wegen einer Spende anrufen. Ich habe das natürlich verneint, aber gesagt, dass wir für Spenden offen sind.“

Alle elf Kommunen im Landkreis sollen profitieren

In der kommenden Woche, so Uschi Sünkel, wüsste sie mehr, denn man bleibe mit Lego in Kontakt. Wenn die dänische Firma ein Kontingent an Steinchen bereitstellte, würde man sich nicht sträuben. Doch ein Budget für den Erwerb solcher Steine müsste es geben. Eben darum, weil 2020 wegen Corona eine Reihe von geplanten Aktionen nicht stattfanden und nicht zu Buche schlugen.

Allerdings, auch das sagt Sünkel, sei das Budget zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch einigermaßen unbekannt. Von der Idee profitieren sollen im Landkreis alle elf Städte und Gemeinden, denn tatsächlich möchte man seitens des KJR in jeder Stadt beziehungsweise Gemeinde einen Verein oder eine Familie als Rampenbauer für ein dortiges Geschäft gewinnen. Eine Familie aus dem Bad Staffelsteiner Raum habe schon Interesse signalisiert.

Uschi Sünkel und Alexandra Stammberger wollen an dem Projekt dranbleiben. Auch Rita Ebel meldete sich nun. Für Fragen, Antworten oder Tipps stünde sie nach Pfingsten zur Verfügung. Wie und auf welche Spitzen sich das Projekt um Barrierefreiheit in Lichtenfels entwickelt, das interessiert jetzt auch sie. Vor allem auch die Antwort auf die Frage, ob sich dafür Mitmacher und Hobby-Rampenbauer finden werden. Als Aufruf zum Mittun versteht der KJR das Ganze jedenfalls und zeigt sich für Kontaktaufnahmen offen.

Kontakt: Kreisjugendring, Tel. (09571) 940603, service@kjr-lichtenfels.de.

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