LICHTENFELS

Mit Glas Schnittwunde zugefügt: halbjährige Haftstrafe

Burgkunstadt: Marihuana in der Wohnung gefunden

Es würde eng werden, und der Angeklagte schien das zu wissen. Immer wieder fasste er sich im Saal 14 des Amtsgerichts an den Kopf und schloss dabei die Augen. Am Ende hatte er wegen gefährlicher Körperverletzung eine Haftstrafe anzutreten. Über seine vielen Vorstrafen „kann man einfach nicht mehr hinwegsehen“, so die richterliche Begründung.

Sechs Monate Haft ohne Bewährung verhängte Richterin Daniela Jensch gegen einen 28-jährigen Sonnefelder. Das hätte nicht sein müssen, wenn der Mann sich in den frühen Morgenstunden des 15. Februar 2019 in einer Altenkunstadter Kneipe besser unter Kontrolle gehabt hätte. Doch wie er selbst sagte, habe es bei ihm „Klick“ gemacht und so landete ein Glas aus seiner Hand im Gesicht eines anderen Mannes.

Eine mehrere Zentimeter lange Schnittwunde

Das Ergebnis war eine mehrere Zentimeter lange Schnittwunde, die genäht werden musste sowie massive Kopfschmerzen. Aber wie und weshalb das 0,3-Liter-Glas seinen Weg genau ins Antlitz des 20-jährigen Zapfendorfers fand, konnte nicht widerspruchsfrei geklärt werden.

„Ich war mit einem Freund feiern und wollte eine rauchen gehen“, erinnerte sich der Angeklagte an Moment, als er gegen 1.30 Uhr vor die Tür der Kneipe trat. Bald sei er umringt gewesen, dann sei das Wort „Hurensohn“ gefallen und „dann hat‘s Klick gemacht“.

Angeklagter: Habe selbst einen Schlag abbekommen

Doch auch er selbst, so der Mann, habe einen Schlag auf den Kopf bekommen und sei direkt zu Boden gegangen. „Ab da weiß ich nichts mehr.“ Richterin Daniela Jensch erkundigte sich bei dem von Rechtsanwalt Manfred Glöckner vertretenen Mann danach, ob bei ihm damals von der Polizei ein Alkoholtest gemacht wurde. Die Antwort dazu schlug sie in den Akten aber selbst nach und stieß auf 1,5 Promille.

An dieser Stelle fand das Verfahren eine ungewollte zeitliche Verschleppung, denn ein geladener Zeuge tauchte nicht auf. Zeit also, sich wenigstens schon mal mit dem Bundeszentralregister des Mannes zu beschäftigen. Das Register aber ließ aufhorchen, wies es den Angeklagten doch als Mehrfachtäter bei Körperverletzungen aus. Zudem noch als jemanden, gegen den auch schon Urteile wegen Diebstahl und Computerbetrug ergangen sind.

Die Freundin des Opfers berichtet von weiterer Auseinandersetzung

Ganz ohne Hafterfahrung war der 28-Jährige überdies auch nicht. Nach kurzer Wartezeit war aber die gefragte Zeugin anwesend und das Verfahren ging weiter. Wie sich zeigte, sollte die 19-jährige Zeugin aus Marktgraitz noch eine kuriose Facette zum Geschehen des Abends benennen. Sie ist die Freundin des damals Geschädigten, und der habe sich damals um 1.30 Uhr vor der Tür der besagten Kneipe mit jemand ganz anderem in der Wolle gehabt. „Der und mein Freund konnten sich nie so richtig riechen“, so die Frau zu diesem Geschehen.

Offenbar waren diese beiden jungen Männer mit ihrem Streit aber nicht alleine, sondern umgeben von Begleitern oder Schaulustigen. Denn auf den Angeklagten blickend, fuhr die Zeugin fort: „Dann kam er von der Seite und hat in die Menschenmenge ein Glas geschmissen.“

An dieser Formulierung entzündete sich weiteres Nachfragen, denn wurde das Glas nun geworfen oder behielt es der Angeklagte beim Zuschlagen in der Hand? Was allerdings verwunderte, war die Angabe, welche die Frau zu der Distanz machte, aus welcher das Glas „geschmissen“ worden sein soll: eineinhalb Meter.

Fünf Stiche waren nötig, um die Wunde zu versorgen

Der Geschädigte selbst kam auch zu Wort. Allerdings zeigte er sich nicht sonderlich eifrig darin, den acht Jahre älteren Angeklagten zu belasten. Er sprach davon, dass er sich mit jemand anderem angelegt habe und „dann hatte ich schon meine Schnittwunde im Gesicht – mehr weiß ich nicht“. Dass es eine Schnittwunde sei, habe er später nach dem Aufwachen durch einen Arzt erfahren. Was er mit Sicherheit sagen könne, ist, dass derjenige, mit dem er sich vor der Tür kabbelte, kein Glas in der Hand gehalten habe. Fünf Stiche, starke Schmerzmittel und eine Woche Kopfweh habe der Glasvorfall für ihn mit sich gebracht.

Auch die Schwester des Opfers sollte zu Wort kommen und auch sie bestätigte einen Streit zwischen ihrem Bruder und dessen wohl schon traditionellen Gegner. „Das machen die immer“, so die 22-Jährige. Doch was der Angeklagte eigentlich im engeren Sinne mit ihrem Bruder zu schaffen gehabt habe, außer dass er ihm zu einem K.o. verhalf, konnte auch sie nicht erhellen. Dass er es aber tat, war schon darum unstrittig, weil er es selbst einräumte.

Staatsanwaltschaft: so oder so gefährliche Körperverletzung

Für Staatsanwältin Dominique Amend war der Fall klar und wegen gefährlicher Körperverletzung sei der Angeklagte so oder so zu verurteilen. Da mache es keinen Unterschied, ob das Glas geworfen oder mittels ihm geschlagen wurde. Allein seine Verwendung erfülle den Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung.

Dann aber wartete Amend mit einem wissenswerten Detail auf, ergab sich aus ihren Akten doch, dass der Angeklagte einen Tag vor dem Vorfall in Altenkunstadt eine Verurteilung auf einem Gericht erlebte. „Da scheint ja überhaupt nix gefruchtet zu haben“, bemerkte sie zu diesem Umstand und plädierte für eine sechsmonatige Haftstrafe ohne Bewährung. Auch darum, weil sich der Mann jetzt nicht etwa in anderen Lebensumständen befände als zum Zeitpunkt des Geschehens. Er ist nach wie vor arbeitslos und mit gleich viel Struktur wie einst.

„Sie sind ein Bewährungsversager“, erklärte ihm Amend und hielt auch die Schwangerschaft seiner Freundin nicht für etwas, worauf es in seinem Sinne Rücksicht zu nehmen gelte. Da sie erst in der sechsten Woche sei, „dauert es ja noch, bis das Kind auf die Welt kommt“. Bis dahin könne er seine Haft ja abgesessen haben.

Anders aber bewertete Rechtsanwalt Manfred Glöckner die Sachlage. „Er habe eher mit der Faust schlagen wollen, aber wohl vergessen, dass er noch ein Glas in Händen hielt“, deutete der Advokat für seinen Mandanten das Gewesene aus. Zudem plädierte er darum für Bewährung, weil die die kommende Vaterschaft sicher ein Umdenken bei seinem Mandanten mit sich bringen würde. Die Höhe der Strafe stellte Glöckner ins Ermessen des Gerichts, das Urteil aber möge zur Bewährung ausfallen.

Der Angeklagte selbst sparte sich die ihm zustehenden letzten Worte vor der Urteilsverkündung, er hatte nichts zu sagen. Als er sechs Monate Haft erhielt, schien er das gefasst hinzunehmen. Dabei durfte er sich von Jensch anhören, dass ihm alle Chancen gegeben worden seien „und irgendwann ist der Punkt erreicht, da kann man es der Bevölkerung nicht mehr vermitteln“, wenn es zur Bewährung komme. „Und 2019 hatten Sie auch schon eine schwangere Freundin.“

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