MISTELFELD

Mistelfelder „kicken, um Antonia zu helfen“

Bei der Scheckübergabe (v. li.): der Vorsitzende des FV Mistelfeld, Thomas Hagel, der ehemaligen Fußballprofi Jörg Dittwar und der Trainer des FV Mistelfeld, Daniel Ritzel Foto: Roland Dietz

Es muss schon einen besonderen Grund haben, wenn bei einem Training einer heimischen Amateurfußballmannschaft unter der Woche fast mehr Gäste anwesend sind als bei einem normalen Heimspiel, bei dem es um Punkte geht. So geschehen vor Kurzem beim FV Mistelfeld: Der Verein hatte für einen Trainingsabend den ehemaligen Fußballprofi Jörg Dittwar gewinnen können. Den Kontakt hatte Trainer Daniel Ritzel hergestellt. Die Aktion fand zugunsten eines guten Zwecks statt.

Seit April 2009 ist Dittwar Bundestrainer der Fußballer mit intellektueller Beeinträchtigung. In dieser Eigenschaft hat er vor nicht allzu langer Zeit von einem kleinen Mädchen erfahren, das alles andere als auf der Sonnenseite des Lebens steht: Antonia Braun aus Weißenstadt leidet an dem weitgehend unbekannten Gendefekt „CDKL5“. Dabei handelt es sich um eine sehr seltene genetische Erkrankung des X-Chromosoms, die in den ersten Lebensmonaten eine schwer einstellbare Epilepsie und schwere Entwicklungsverzögerungen hervorruft. Sie ist erst seit 2012 bekannt.

Antonia wird ihr Leben lang auf Hilfe angewiesen sein

Aufgrund dieser Erkrankung ist die elfjährige Antonia nicht in der Lage, die einfachsten Dinge selbstständig auszuführen. Angefangen von der Nahrungsaufnahme bis zur Körperhygiene wird das Mädchen immer auf die Hilfe ihrer Eltern oder der Betreuung in der Lebenshilfeschule oder einer anderen Einrichtung angewiesen sein.

Es war unumgänglich, Antonias Umfeld nach und nach behindertengerecht zu gestalten. Die Familie hat bereits den Umbau eines Fahrzeugs zur Beförderung des Mädchens und verschiedene Erleichterungen im Wohnhaus zu einem beträchtlichen Teil ohne fremde Hilfe realisiert. Jetzt kommt mit dem behindertengerechten Umbau des Badezimmers das nächste kostenintensive Projekt auf die Familie zu.

Jörg Dittwar mit Spielern des FV Mistelfeld beim Sondertraining. Foto: Roland Dietz

Hilfsaktion zur Finanzierung des behindertengerechten Umbaus

Mit einigen Mitstreitern hat der ehemalige Fußballprofi und ehrenamtliche Fußballtrainer für Menschen mit Behinderung eine Hilfsaktion ins Leben gerufen. „Kicken, um Antonia zu helfen” heißt sie und hatte bisher sehr viel Erfolg. So konnte Jörg Dittwar zu einem Benefizspiel in Weißenstadt etliche Prominente begrüßen. Da waren die Fußballweltmeister von 1990, Pierre Littbarski, Klaus Augenthaler und Hansi Pflügler, Paraolympiasieger Gerhard Schönfelder, Sport-Moderator Markus Othmer oder die Club-Legenden Thomas Brunner und Dieter Eckstein. Es wurde ein voller Erfolg, alle Beteiligten hatten großen Spaß, und es kam mächtig Geld für den guten Zweck zusammen, erzählt der ehemalige Profi.

„Wenn man mit sich mit Menschen, die sehr schwere Behinderungen haben, beschäftigt, kriegt man viel mit, was da abgeht“, hat der Ex-Profi erlebt. Für ihn sei beim Umgang mit Menschen mit Behinderung eines wichtig: „Man muss ein Gefühl dafür entwickeln und haben, aber kein Mitleid.“

Große Resonanz bei den Mistelfelder Vereinen

Die mit dem Gendefekt erkrankte Antonia Braun im Rollstuhl, auf den sie zeit ihres Lebens angewiesen sein wird. Foto: red

Als der Mistelfelder Trainer Daniel Ritzel, der Jörg Dittwar gut kennt, davon erfuhr, regte er an, sich mit einem Sondertraining an der Aktion zu beteiligen. Der Vorsitzende des FV Mistelfeld, Thomas Hagel, und die Mistelfelder Vereine waren gleich sehr offen der Idee gegenüber. „Jedem, der gefragt wurde, war klar, dass nur, wenn alle mitmachen, etwas möglich ist“, erklärte der Vorsitzende. Daran sehe man wieder, dass die gesamte Gesellschaft etwas tun könne, wenn Hilfe benötigt wird, freute er sich.

Dafür wurde in Mistelfeld natürlich die Werbetrommel gerührt. Die Einnahmen aus dem Essens- und Getränkeverkauf sowie eine größere Spende des Vereins wanderten auf das Sonderkonto „Kicken für Antonia“. Doch es kam noch wesentlich mehr zusammen. Die Mistelfelder Fußballer spendeten aus ihrer Mannschaftskasse. Außerdem unterstützten die Mistelfelder Ortsvereine, der Mistelfelder Stammtisch „die Unverbesserlichen“, die VR-Bank, die „Bayernbomber 95“, die Pfarrgemeinde Mistelfeld und neben vielen großen und kleinen Spenderinnen und Spendern auch Bürgermeister Andreas Hügerich, der Mistelfelder ist, für die gute Sache.

Über 1500 Euro dicker Spendenscheck für Antonia

Insgesamt konnte Vorsitzender Thomas Hagel freudestrahlend einen Scheck über 1500 Euro an Jörg Dittwar übergeben. Dieser war sichtlich gerührt von dem großen Engagement, das in kürzester Zeit entstanden ist. Das Geld geht komplett an die Familie der kleinen Antonia aus Meierhof/Weißenstadt.

Ach ja, gekickt beziehungsweise trainiert wurde auch. Dies war natürlich für alle Trainingsbeteiligten eine großartige Sache, unter der Anleitung eines ehemaligen Profis zu dribbeln, zu passen, bei Torschüssen in verschiedenster Form zu treffen. Der junge Fußballer Dominik Weidner meinte, dass die Trainingseinheit schon intensiver war. Allen hat es richtig

Fußballer, die sich auch über das Spiel hinaus verstehen: der ehemalige Fußballprofi Jörg Dittwar (li.) und der Trainer ... Foto: Roland Dietz

Spaß gemacht. Der Initiator, Trainer Daniel Ritzel, bemerkte, dass er sich doch noch einiges abschauen konnte.

Nach dem Training zeigte sich Jörg Dittwar leutselig und sehr den Fans zu getan. So beantwortete er gerne Fragen zur Vergangenheit und auch zur Zukunft des FC Nürnberg. Gerne erfüllte er Autogrammwünsche. Insgesamt eine mehr als tolle Aktion. Einen Verlierer wie sonst beim Fußball gab es diesmal nicht.

 

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