LICHTENFELS

Misst das Lichtenfelser Bauamt mit zweierlei Maß?

Auf dem rot markierten Grundstück in Klosterlangheim will Bürgermeister Andreas Hügerich bauen. Nach Aussage des Stadtbauamtes liegt der obere Teil des Grundstücks bereits in einem Mischgebiet, darf also sowieso bebaut werden. Außerdem stellt der Bau einen Lückenschluss zwischen ... Foto: Geoportal Bayern

Misst das Lichtenfelser Stadtbauamt mit zweierlei Maß? Diesen Verdacht hegen Dr. Max Höngesberg und sein Schwiegervater Jakob Scherer. Dr. Höngesberg will in Trieb hinter dem Ortsausgang in Richtung Anger für seine Familie ein Haus bauen. Obwohl am Hang oberhalb der Bundesstraße mit Blick aufs Maintal kein Baugebiet ausgewiesen ist, stellt er im September 2018 eine Bauvoranfrage. Er hofft auf grünes Licht im Bauausschuss mitsamt der folgenden Aufstellung einer Einbeziehungssatzung, die den Hausbau rechtlich ermöglichen würde. Der Bauausschuss lehnt ab, der Arzt sucht sich enttäuscht ein Haus in einem Nachbarlandkreis.

Was Dr. Höngesberg und seinem Schwiegervater besonders übel aufstößt: Der Stadtrat gibt im Dezember 2020 seinen Segen für die Aufstellung einer Einbeziehungssatzung in Klosterlangheim, weil hier ein Bauherr ebenfalls ein Haus außerhalb eines Baugebiets bauen will; der Bauherr heißt Andreas Hügerich.

Dr. Max Höngesberg: wurde mit fadenscheinigen Gründen abgelehnt

„Beim Lichtenfelser Bürgermeister wird es genehmigt, unsere Voranfrage mit fadenscheinigen Gründen abgelehnt“, moniert Dr. Höngesberg und betont, dass er alle Erschließungskosten selbst getragen und keine Lärmschutzmaßnahmen gefordert hätte.

„Die Fälle sind überhaupt nicht zu vergleichen“, sagt Stadtbaumeister Gerhard Pülz. Er erläutert: „Die Ausweisung des gewünschten Grundstücks in Trieb als Bauland hätte auch gegen viele Planungsgrundsätze von Bund und Land verstoßen. Die Ablehnung war auch mit dem Landratsamt abgestimmt. Auch vom Stadtrat, der ja schließlich das letzte Wort, wurde das Bauvorhaben einstimmig abgelehnt.“

Der Bauamtschef: „Das Grundstück liegt komplett außerhalb des gültigen Flächennutzungsplanes, es fördert eine unschöne bandartige Siedlungsentwicklung entlang der Obersdorfer Straße.“ Des Weiteren sorge es für eine dauerhaft einseitige Ortsrandbebauung, weil die gegenüberliegende Straßenseite wegen der B 173 niemals bebaut werden kann.

„Bauland muss von Gesetzes wegen definierte Richtwerte einhalten.“
Gerhard Pülz, Stadtbaumeister

Und schließlich erwartet Pülz durch den vierspurigen B 173-Neubau Probleme wegen des Lärmschutzes. Da nütze selbst die Aussage des Bauherren nichts, auf diesen verzichten zu wollen. Pülz: „Bauland muss von Gesetzeswegen definierte Richtwerte einhalten. Wir schaffen das Bauland ja nicht für den aktuellen Bauherren, sondern auch für künftige Generationen, die im Nachhinein ihr Recht auf Lärmschutz geltend machen können.“

Dr. Höngesberg glaubt nicht, dass das Landratsamt ein Veto eingelegt hätte. Er habe vielmehr eine schriftliche Aussage der Behörde, dass eine Baugenehmigung sehr wohl erteilt werden könne, wenn die Stadt durch eine Einbeziehungssatzung das Bauland ausweist. „Ich vermute einfach, dass Pülz generell keine Einbeziehungssatzungen befürwortet.“ Der Stadtbaumeister wolle Baulücken schließen und den Flächenverbrauch stoppen.

Ein Platz auf der Warteliste war für den Bauwerber keine Alternative

Von der Stadt vorgeschlagene Baulücken oder der 30. Platz auf der Warteliste für ein Grundstück im Reundorfer Neubaugebiet seien keine Alternative gewesen. „Wir wollten nicht irgendwo bauen, sondern in Trieb, weil hier die Großeltern wohnen, die auch einmal auf unsere Kinder hätten aufpassen können“, sagt der Arzt und kritisiert, dass Pülz mit zweierlei Maß messe, wenn er Hügerichs Bauvorhaben befürworte: „Hügerich kann doch auch in einer Baulücke bauen.“

Der Bauausschuss lehnte eine Bebauung des Grundstücks (Markierung) am Ortsausgang von Trieb ab. Ein Grund ist der wegen ... Foto: Geoportal Bayern

Prinzipiell tut der Bürgermeister dies auch, den laut dem Stadtbaumeister sorgt das künftige Haus des Rathauschefs für einen optischen Lückenschluss zwischen den Anwesen Ziegelrangen 6 und Lahmer Weg 12. Anders als in Trieb sei der vordere Teil des Hügerich-Grundstücks in Klosterlangheim bereits seit 30 Jahren im Flächennutzungsplan als Mischgebiet ausgewiesen. Und schließlich bestehe die Möglichkeit, die zwischen dem Baugebiet am Schafsrangen und Ziegelrangen vorhandenen Baulücken zu schließen.

Pülz erklärt: „Grundsätzlich ist die Reduzierung des Flächenverbrauchs und die Innenentwicklung auch die konkrete Planungsvorgabe an die Kommunen durch Bund und Länder erteilt wird. Die Kommunen stehen in der Verantwortung Bauland nur dort auszuweisen wo dies für die künftige Entwicklung des Ortes langfristig auch sinnvoll ist.“ Eine gute Bauleitplanung sei langfristig ausgelegt und lege den Fokus auf das Gemeinwohl und den Erhalt der Kulturlandschaft.

Und was sagt Andreas Hügerich? „Ich gehe den gleichen Verwaltungsweg wie jeder andere Bürger auch.“ Ursprünglich hatten er und seine Lebensgefährtin ein Grundstück in seinem Heimatdorf Mistelfeld ins Auge gefasst gehabt. „Ich habe dann beim Stadtbaumeister nachgefragt, ob ich dafür Baurecht erhalten würde, doch leider hat Gerhard Pülz mit dem Kopf geschüttelt. Also habe ich woanders gesucht“, berichtet Hügerich.

Ein Bürgermeister muss sich die gleichen Genehmigungen einholen

Für den Bauplatz in Klosterlangheim zahle er selbstverständlich sowohl die Erschließung als auch die bei der Erstellung der Einbeziehungssatzung entstehenden Verwaltungskosten. Beides sei bei der Bauvoranfrage im Oktober im Bauausschuss wie auch bei der Einleitung der Bauleitplanung im Stadtrat im Dezember offen kommuniziert worden, betont Hügerich. Bauvoranfrage und Einbeziehungssatzung wurden jeweils einstimmig von Bauausschuss und Stadtrat gebilligt.

Zur endgültigen Genehmigung der Einbeziehungsatzung müssen im Übrigen nun die Träger öffentlicher Belange wie Landratsamt, Wasserwirtschaftsamt, die Nachbarkommunen oder aber der Bund Naturschutz gehört werden. Auch die Nachbarn haben noch ein Wort mitzureden, bis Hügerich schließlich bauen kann.

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