Michael Göbel führt ein Leben für das Leben anderer

LICHTENFELS/OBERLEITERBACH

Michael Göbel führt ein Leben für das Leben anderer

Es war wohl sein Vater, der in Michael Göbel das Helfersyndrom weckte: Wenn sein Papa von seinem Beruf als Krankenpfleger erzählte, hörte der Sohnemann stets aufmerksam zu. Heute ist der in Schönbrunn und Bad Staffelstein aufgewachsene 36-Jährige hauptberuflich wie ehrenamtlich gleichermaßen in Rettungs- und Sanitätsdienst tätig. Er führt ein Leben für das Leben anderer.

Großfeuer, Hochwasser, Großveranstaltungen, Notfalleinsätze, Katastrophensituationen: Michael Göbel hat in seinem Leben als Menschenretter schon so vieles erlebt. Kein Wunder, ist er doch in vielen Bereichen aktiv. Als hauptberuflicher Rettungssanitäter sind lebensdrohliche Situationen Alltag. Als Leiter der BRK-Schnelleinsatzgruppe (SEG) Betreuung/Verpflegung werden seine 25 Mann starke Truppe und er gerufen, wenn es im wahrsten Sinne des Wortes ordentlich brennt. Seit Jahresende ist er zudem OrgL, Organisatorischer Leiter Rettungsdienst, und damit Koordinator für Verletztenbetreuung bei größeren Ereignissen. Einer von nur fünf im Landkreis Lichtenfels.

Krankenpfleger oder Rettungsassistent: Das wollte er schon als kleiner Steppke werden. „Es ist heuer genau 25 Jahre her, als ich ins Jugendrotkreuz in Bad Staffelstein eintrat“, sagt er. Ein Klassenkamerad hatte ihm davon erzählt. Als er dann Juniorhelfer wurde, also erste Ausbildungen in Unfallverhütung und Erste Hilfe absolviert hatte, war er superstolz. Den zugehörigen Ausweis zeigte er gerne. Tatsächlich trat er nach der Schule in die Fußstapfen des Vaters: Er lernte erst Krankenpfleger, war dann in verschiedenen Kliniken und Pflegeeinrichtungen, bis er 2011 hauptamtlich zum Kreisverband Lichtenfels des Bayerischen Roten Kreuzes kam, zunächst zur Sozialstation.

Ehrenamtlich und nebenberuflich zum Rettungssanitäter ausgebildet

Zum Rettungssanitäter ließ er sich 2011 ausbilden – ehrenamtlich und nebenberuflich. Schon damals hegte er das Ziel, Organisatorischer Leiter Rettungsdienst zu werden, der „Sani“ war Grundvoraussetzung. Knapp ein Jahrzehnt wartete er auf die begehrte Ausbildung an der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried.

Die SEG Betreuung/Verpflegung mit Sitz im Katastrophenschutzzentrum Bad Staffelstein ist dem leidenschaftlichen BRKler seit 2013 unterstellt. Zum Einsatz kommt die Truppe, wenn beispielsweise ein Haus brennt und die Bewohner dringend eine Notunterkunft brauchen. Betroffene sammeln, betreuen, verpflegen: Das ist die Kernaufgabe. Aber auch, wenn es gilt, die Einsatzkräfte bei mehrstündigen Einsätzen zu verpflegen, werden die SEGler gerufen. So auch, als es vor einigen Jahren mitten im Altstadtensemble in Weismain brannte. Oder als ein Feuer bei Metob in Michelau ausbrach. Vor allem die Atemschutzgeräteträger der Feuerwehren waren überaus dankbar, zwischen den schweißtreibenden Einsätzen mit Essen und Getränken versorgt zu werden.

„Es macht mir Spaß, ehrenamtlich Leute zu führen“, sagt Michael Göbel über sich selbst. „Ich freue mich, durch meine Tätigkeit ihnen Sicherheit geben zu können bei dem, was sie tun. Ich bin Koordinator, aber auch eine Art Motivator.“ Die schönste Entlohnung sei ein Dankeschön, sagt er. „Einmal brachte eine Frau einen Blumenstrauß in die Rettungswache, weil die Kollegen zwei Tage zuvor ihren Mann retteten.“ Das zauberte den verdutzten BRKlern ein Lächeln aufs Gesicht. Ab und an kommen auch Dankesschreiben von Betroffenen und Verwandten. Michael Göbel hebt sie für sich alle auf.

Der Disponent fragt im Vorfeld ab, ob es Corona-Symptome gibt

Gerade in Corona-Zeiten muss man in Rettungs- und Sanitätsdienst besonders vorsichtig sein. Berührungspunkte mit dem hochgefährlichen Covid-19-Virus hatte der 36-Jährige schon viele. „Ich bin aber der festen Überzeugung, dass wir hauptamtlich im Rettungsdienst tätigen mit am besten gegen Corona geschützt sind“, betont er. „Der Disponent fragt schon im Vorfeld ab, ob es Symptome gibt. Dann gehen wir in unseren weißen Schutzanzügen, Handschuhen und mit Schutzbrille vor.“ Und natürlich mit FFP2-Maske. Seit nunmehr fast einem Jahr.

„Irgendwie bin ich immer auf Stand-by. Weil mir das Engagieren für andere große Freude bereitet.“
Michael Göbel, Lebensretter

Dass es im Rotkreuzdienst stets genügend Schutzausrüstung gibt, ist ebenfalls Michael Göbels „Baustelle“. Als Mitglied des BRK-Krisenstabs und als Sachgebietsleiter Material war er zeitweise sogar hauptberuflich damit befasst, die Versorgung mit Schutzgütern zu koordinieren. Ferner ist er fest im Team des Testzentrums Burgkunstadt, für das der Landkreis Lichtenfels verantwortlich zeichnet. Und ehrenamtlich im Testzentrum Lichtenfels, das das BRK stemmt. Die Corona-Pandemie erlebt er also hautnah mit.

„Klar war das anfangs ein mulmiges Gefühl, zu Corona-Patienten zu fahren“, sagt er. „Längst aber ist das Normalität geworden.“ Göbel hat gelernt, mit dem Virus umzugehen. Den Respekt davor hat er nie verloren. „Für mich war von Anfang an klar, dass ich mich impfen lassen würde!“, stellt er heraus. Mittlerweile ist das zweimal geschehen. „Das Impfen ist für mich der einzig Weg heraus auf dem Lockdown.“ Und es sei zugleich ein wichtiger Baustein zur Bekämpfung der Pandemie.

Aufgrund von Corona sein Engagement in Rettungs-, Sanitäts- und Betreuungsdienst ruhen lassen zu wollen, kam ihm nie in den Sinn. Ganz im Gegenteil: Er hat es in Corona-Zeiten sogar noch intensiviert. Jüngstes Beispiel: eingangs genannter OrgL-Lehrgang. Er ist damit bei besonders intensiven Einsätzen derjenige, der als Organisatorischer Leiter Rettungsdienst den Überblick behalten muss. Und vor allem die Nerven.

„Noch gab es meinen ersten OrgL-Einsatz nicht“, sagt Göbel. Was es heißt, in großen Dimensionen zu denken, weiß er aber bereits: Bei der Hochwasserkatastrophe 2013 kämpfte er für das BRK an der Donau in vorderster Front. Und beim Großfeuer im September 2020 in Reuthlos (Markt Zapfendorf) auch, allerdings als Feuerwehrler. Denn auch in der Wehr in seinem heutigen Heimatort Oberleiterbach ist er seit Jahren aktiv.

„Ja, irgendwie bin ich immer auf Stand-by. Weil mir das Engagieren für andere große Freude bereitet“, sagt der 36-Jährige. Wie gut, dass ihn seine Familie dabei unterstützt. Seine Frau Sonja hat ebenfalls einen Gesundheitsberuf gelernt, engagiert sich ebenfalls im roten Kreuz – und sein vierjähriger Sohn Nico, der mittlere von drei Kindern, kann es kaum erwarten, selbst in die Feuerwehr einzutreten.