Meinung: 86 Tote sind Panikmache?

Da schildern die zwei Chefs von Regiomed die dramatische Situation in den Krankenhäusern, beschreiben den fürchterlichen mentalen Zustand der Krankenschwestern und -pfleger, der Ärztinnen und Ärzte angesichts der Pandemie. Kündigen die Schließung von Operationssälen an und die Verschiebung von lindernden, aber nicht lebensnotwendigen Operationen. Der Zuhörer ahnt, dass es bis zur Triage nicht mehr weit ist. Der Landrat gibt dazu das 86. Todesopfer der Pandemie bekannt, drei Tage zuvor zählte die Statistik noch 81 Verstorbene.

All das hört sich der Fraktionsvorsitzende der Alternative für Deutschland an. Doch anstatt einen Tick Empathie zu zeigen angesichts der 86 Toten im Landkreis, Empathie gegenüber den erschöpften Krankenschwestern und Krankenpflegern, Ärztinnen und Ärzten, schwadroniert der Mann etwas von Panikmache. Mutmaßt die Stilllegung von Intensivbetten, weil Regiomed dafür Geld bekommen würde – was übrigens widerlegt ist.

86 Tote – das sind Omas und Opas, Väter und Mütter, Töchter und Söhne von jemandem. Hinter jedem dieser 86 Toten steckt eine persönliche Geschichte, stecken trauernde Hinterbliebene. Den AfD-Mann scheint's nicht zu kümmern, Panikmache halt.

Genau wie all die Regelungen, die – so lästig sie auch sein mögen – doch vielen Menschen das Leben gerettet haben. Auch das sei aber nur Panikmache und spalte die Gesellschaft. Spaltet vor allem in Geimpfte und Ungeimpfte.

Mit seiner Meinung zum Thema Impfung hält der AfD-Mann auch nicht nicht hinterm Berg. Auf Demonstrationen von Querdenkern hat er seine Ablehnung oft genug kundgetan. Sogar an einer „Stürmung“ des Lichtenfelser Stadtrats hat sich der Kreisrat aus einem Weismainer Ortsteil schon beteiligt – angeblich um der Menschenrechte willen.

Den Höhepunkt der Geschmacklosigkeit sparte sich der AfD-Mann aber für seine Ansprache in der letzten Kreistagssitzung des Jahres auf. Da zeigte er sein „Geschichtsbewusstsein“ und verglich Hinweiszettel in Schaufenstern auf Beachtung der 3G- oder 2G-Regeln mit Hetzplakaten aus der düstersten Epoche der deutschen Geschichte, oder dem „Fliegenschiss“, wie sie sein Ehrenvorsitzender genauso geschmacklos bezeichnet hat. Um es mit den Worten eines seiner anderen Parteifreunde zu sagen: Diese Rede ist ein „Denkmal der Schande“, Herr Taubmann!

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