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Medienscouts helfen Mitschülern am Meranier-Gymnasium

Medienscouts helfen Mitschülern am Meranier-Gymnasium
An maßgeblichen Unterstützern mangelt es dem Projekt Medienscouts nicht. Von Schülern über Initiatoren oder Lehrkräften geht man Hand in Hand vor. Oder wie hier (v. li.) mit Liam Machalke, Susanne Werner, Anni und Lucy Becker, Alfons Hrubesch, Mirjam Eichenberg und Marcel Spath. Foto: Markus Häggberg

Einen großen Bahnhof gab's im Meranier-Gymnasiums für 62 Schüler. Denn sie haben eine Berufung: Medienscout. Sie sind also Helfer für Schüler im Umgang mit dem Internet. Denn dort lauern Gefahren.

Anni und Lucy Becker sind Geschwister, die eine ist 14, die andere ist 16 Jahre alt. Eine von ihnen hatte im Internet schon ein verstörendes Erlebnis, als sie in eine Abo-Falle tappte. Sie sei da wohl auf einen fatalen Knopf oder Button gekommen, doch so etwas fällt noch in die Kategorie Missgeschick.

Ein Mausklick und schon ist man in eine Abo-Falle getappt

Medienscouts helfen Mitschülern am Meranier-Gymnasium
Am Stand von der ins Projekt eingebundenen Susanne Werner (re.) herrschte Andrang. 62 Schüler holten sich ihre jeweilige... Foto: Markus Häggberg

Ganz anders verhält es sich da mit Dingen wie Cybermobbing, also dem gezielten und bewussten Beleidigen, Bedrohen oder Bloßstellen eines Menschen via Smartphones, E-Mails, Websites, Foren, Chats und Communities. Dazu gibt es zwar Statistiken, aber auch eine hohe Dunkelziffer. „Der Deutsche Richterbund und das Bundeskriminalamt schätzen für das Jahr 2022 rund 150 000 Strafverfahren hierzu und die Dunkelziffer liegt wohl zehnmal höher“, erklärte Alfons Hrubesch den Schülern. Er begrüßt die Medienscouts ebenso wie Erich Günther, der Leiter der Polizeiinspektion Lichtenfels und Amtsgerichtsdirektor Matthias Huber.

Der einstige Polizeikommissar Hrubesch befasst sich schon lange mit dem Phänomen Cybermobbing. Einst Gründer der Verkehrskadetten, zudem Leiter einer Sektion des Weißen Rings in Oberfranken, gründete er mit OHO (Opferhilfe Oberfranken) sogar eine eigene Opferschutzeinrichtung. Er kennt sich nicht nur mit Statistiken aus, sondern auch mit dem, was es für Menschen bedeutet, zum Opfer zu werden. Es gibt Fälle, „da leiden Opfer ein Leben lang“, so der ehrenamtlich tätige Pensionist.

„Computerführerschein“ und Workshops für Mitschüler

Medienscouts helfen Mitschülern am Meranier-Gymnasium
Die neuen Medienscouts durften in einer kleinen Veranstaltung erfahren, dass ihr Tun auch an höherer Stelle, so wie hier... Foto: Markus Häggberg

Und um das Ehrenamt ging es auch. Die 62 Schülerinnen und Schüler, die Jacken mit der Rückenaufschrift „Medienscouts Oberfranken“ erhielten, leisten auch ehrenamtliche Hilfen an ihrer Schule. Sie bieten in den 9. bis 12. Jahrgangsstufen praxisnahe Workshops zum besseren Verständnis moderner Medien an und dabei können die Jugendlichen auch ihren „Computerführerschein“ machen. Sie sind Ansprechpartner für die Schüler, die Hilfe im Umgang mit sozialen Netzwerken, Cybermobbing, Datenschutzeinstellungen, Smartphones Apps oder eben auch in Bezug auf Kostenfallen benötigen. Oder schon Probleme haben und gar gemobbt werden.

So befassen sich die Medienscouts auch mit Medienkunde und dem trügerichen Feld zwischen Filterblasen und Fakenews. Ein gewichtiges Thema derzeit haben sie für die 7. Jahrgangsstufe erarbeitet: Es behandelt sexuelle Grenzverletzungen mittels digitaler Medien. Doch auch sie benötigen eine leitende Instanz, eine Koordinatorin.

Medienscouts helfen Mitschülern am Meranier-Gymnasium
62 Jacken und ein Bekenntnis: Medienscouts Oberfranken. Foto: Markus Häggberg

Die Mathematiklehrerin Mirjam Eichenberg kennt das Projekt Medienscouts wie wohl niemand sonst an der Schule. Begonnen habe man mit dem Aufbau der Scouts vor rund eineinhalb Jahren und damals ließen sich auch durch ihr Mittun 15 Schüler gewinnen. Jetzt ist die Zahl der Teilnehmer um 400 Prozent gestiegen. „Unterstützen, Planen, Organisieren oder neue Ideen für neue Projekte“, umschreibt die schlanke blonde Frau dabei ihre Rolle. Ihr ist die Vernetzung wichtig. Daher knüpfte sie für ihre Medienscouts auch den Kontakt zur Opferhilfe Oberfranken (OHO) und zur Steigerung der Bekanntheit zum Bayerischen Rundfunk. „Es soll nicht erst Opfer geben“, betont sie.

Unerfreuliche Vorkommnisse in WhatsApp-Gruppen

Fortbildungen und Schulungen für die Medienscouts gab es auch schon. Den Schülern des Meranier-Gymnasiums stellt Mirjam Eichenberg in Bezug auf Engagement ein gutes Zeugnis aus. Sie übernähmen auch Aufgaben zwischen Tutorentum und Streitschlichtung.

Die Mathematiklehrerin weiß auch von unerfreulichen Vorkommnissen. „Wir hatten einen Fall in der Schule, dass ein Lehrer im Unterricht mit dem Smartphone aufgenommen wurde und Sticker von dem Kollegen herumgeschickt wurden“, berichtet sie. „In einer Klassen-WhatsApp-Gruppe wurden rassistische Bilder gegen Schwarze mit Hakenkreuz hochgeladen.“ Die Reaktion kam prompt, denn dazu haben die Medienscouts ein Online-Präventionsprojekt entwickelt, das auch Themen wie Recht am eigenen Bild und Ton, verbotene Bilder, Datenschutz oder Chat-Netiquette behandelt.

„Ein Bild, das verschickt ist, ist viral – nicht mehr zu stoppen. Darum ist es wichtig, den Umgang mit den Gefahren des Internets zu lernen.“
Thomas Carl, Schulleiter

„Das Internet ist kein rechtsfreier Raum“, betonte denn auch Amtsgerichtsdirektor Huber eingangs in seiner Rede. Auch Schulleiter Thomas Carl rief den Schülern etwas ins Gewissen: „Ein Bild, das verschickt ist, ist viral – nicht mehr zu stoppen. Darum ist es wichtig, den Umgang mit den Gefahren des Internets zu lernen.“ Er ist davon überzeugt, dass die Medienscouts genu an der Schule zu tun haben. Und ihre einheitlichen Jacken sollen Identifikation stiften und „gemeinschaftsbildend“ wirken, wie Hrubesch sagte. Sie sollen gesehen und angesprochen werden. Und stolz auf ihre Arbeit sein.

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