LICHTENFELS

Markus Häggberg und der Bund für das Leben

Markus Häggberg Foto: T. Mayer

Markus Häggberg schreibt für OTverbindet augenzwinkernd ein Corona-Tagebuch. Heute geht es um.

„Liebes Corona-Tagebuch, neulich, ich stand im Supermarkt so vor dem Reisregal, da durchfuhr mich ein Schauer. Die Ladendecke öffnete sich, der Himmel tat sich auf, Chorgesang erscholl und eine gebieterische Stimme in Basslage rief: ,Du!'

Irgendwie fühlte ich mich persönlich angesprochen, obwohl ich in meinem Leben schon auf eindeutigere Anreden nicht reagierte. Jedenfalls sagte die Stimme eben jenes ,Du'. Wie das in gewichtigen Momenten oft so ist, weiß man dann ja auch, was genau Sache ist. So tauchten vor meinem geistigen Auge all die Ehepaare auf, zu deren Hochzeiten ich einst eingeladen war.

Niemals zuvor hatte ich darüber nachgedacht. Aber nun, und in diesem Moment, wurde mir offenbar, dass keine dieser Ehen noch Bestand hatte. De jure oder de facto. Ich kam mit mir überein, dass etwas Unheilvolles von mir ausgehen muss. Natürlich habe ich damals bei der Hochzeit von Dietmar und Hilde nicht ahnen können, dass Hilde mal mit einer Zirkusreiterin durchbrennen wird. Denn es war meine erste Hochzeit – ich war naiv.

Später dann, bei der Hochzeit von Renate und Peter, da war es anders. Da setzte nämlich Renate aufs sichere Pferd und folgte vier Jahre nach Eheschließung dem Lockruf eines Klempners. Das war etwas solides. Als ich dann vor Jahren der Eheschließung zwischen Harald und Steffi beiwohnte, hatte ich schon so ein ungutes Gefühl. In gewisser Weise überreichte ich mein Hochzeitsgeschenk ohne rechten Glauben an das Gelingen dieser Ehe.

Fünf Jahre später bekamen Harry und Steffi die Quittung dafür: Harry geriet an Rosi und Steffi an den Alkohol. Ihr Rosenkrieg dauert noch an. Das kann man bei Claudia und Alex nicht behaupten. Zwar hat auch ihre Ehe keinen Bestand mehr, aber das liegt nur daran, dass Alex verstorben ist.

Gute Nachrichten, die nachdenklich stimmen

Allerdings gibt es auch gute Nachrichten, die mich aber dennoch nachdenklich stimmen. Denn die Ehe zwischen Silvia und Martin hält noch sehr gut und gilt gemeinhin als glücklich. Auch zu ihrer Hochzeit war ich eingeladen, aber sie hatten Glück, weil mein Intercity verspätete, und ich nicht mal mehr rechtzeitig zu den Häppchen da war.

Bei netten Menschen eingeladen

So erfreulich das für die beiden auch sein mag, so sehr passt es doch in meine Beweisführung. Und jetzt bin ich wieder eingeladen, im März und bei wirklich netten Menschen. Sie sind so voller Vorfreude und dem Leben gegenüber so aufgeschlossen, so mutig und erwartungsvoll.

Ich mag das Paar wirklich gerne. Ich denke, ich werde auf ihre Hochzeit gehen. Ich habe ja nichts zu verlieren.“

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