LICHTENFELS

Marktplatz 10 in Lichtenfels: Auf der Suche nach Erdwärme

„Knopsberger Gut“ und Knopsberg: Zwischen Marktplatz 10 (vorne, gelbe Fassade) und dem Stadtschloss gab es früher schon eine Verbindung. Foto: Markus Drossel

Einst Wirtschaft, Tanzboden und Kino, in naher Zukunft neue Heimat der Stadtbücherei und der Tourist-Information: Der Gebäudekomplex Marktplatz 10, vis-a-vis des Rathauses, hat eine Jahrhunderte währende Geschichte. Während die Fassade sich in den vergangenen Jahren wenig verändert hat, wurde im Inneren schon fleißig entfernt, entkernt – und entdeckt.

Spezialisten eines Bohrunternehmens aus der Oberpfalz trieben U-Doppelsonden in das Erdreich der Altstadt. Foto: Markus Drossel

Was heute ein Gebäude ist, waren früher zwei“, sagt Steffen Hofmann, Leiter des Amtes für Wirtschaft, Tourismus und Kultur der Stadt Lichtenfels. Das ehemalige Hotel Krone (früher Kronenwirtshaus, Gasthaus „Zur Krone“ oder „Zur goldenen Krone“) war ursprünglich das Anwesen um das Gebäude mit der alten Hausnummer 16: Vom Marktplatz aus gesehen, der linke Gebäudeteil.

Das hölzerne Gerippe im Innern des Komplexes. Foto: Markus Drossel

Die Geschichte lässt sich für beide Häuser bis in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts zurückverfolgen. Das Anwesen mit der einstigen Hausnummer 16 stammt nachweislich aus den „Knopsberger Gütern“. Seit 1628 bestand an dieser Stelle ein Wirts- beziehungsweise Gasthaus.

Mit diesem Bohrgestänge ging es in das Erdreich. Foto: Markus Drossel

Doch das verwendete Baumaterial ist älter. Das haben Experten bei der denkmalpflegerischen Untersuchung überraschend herausgefunden: „Der östliche Gebäudeteil, ehemals Hausnummer 16 der damaligen zwei Häuser, ist gemäß dendrochronologischer Untersuchung der Deckenbalken älter als bisher bekannt“, antwortet Steffen Hofmann auf Nachfrage. „Das Bauholz wurde auf das Fälljahr Winter 1572/73 datiert.“

In der Altstadt wird gebohrt – von vielen fast unbemerkt

Sorgsam verpackt: die Probebohrungen. Foto: Markus Drossel

Diese und vorige Woche fanden, von vielen wohl unbemerkt, ganz besondere Bohrungen ihren Abschluss: 80 Meter trieb eine Spezialfirma aus Mühlhausen in der Oberpfalz ihr Werkzeug vertikal in die Tiefe unter Lichtenfels. „Das waren Geothermie-Bohrungen und ein sogenannter Geothermal Response Test. Dieser Test gibt Aufschluss über die Leistungsfähigkeit der Wärmeabgabe“, erklärt Steffen Hofmann bei einer Baustellenbegehung.

Blick in das Obergeschoss. Foto: Markus Drossel

Zwei Doppel-U-Sonden kamen dabei in jedem der acht Bohrlöcher zum Einsatz. „Wir wollen das Gebäude nach Möglichkeit mit Erdwärme beheizen“, so Hofmann. Erste Ergebnisse seien vielversprechend.

Einmal quer unter dem Marktplatz durch

Und es geht noch weiter mit den Bohrungen: „In den nächsten Tagen wird eine Spülbohrung unter dem Marktplatz, vom Marktplatz 10 bis zum Marktplatz 5, also Rathaus II, für die EDV-Anbindung ausgeführt.“

Die stützenden Stahlträger stammen aus den 1970-ern. Foto: Markus Drossel

Im Zuge der Neugestaltung (Hofmann: „Aktuell laufen die Ausschreibungen für die Rohbauarbeiten, die im Sommer beginnen sollen“) hat die Stadt die Geschichte des Gebäudekomplexes erforschen lassen. Heraus kam, dass schon im Jahre 1640 eine Gasse erwähnt wurde, „da die Pferde auf und abgehen“. Es gab also eine Verbindung zwischen dem „Schlossberg“ und dem tiefer liegenden Stadtzentrum. Wie sie auch in naher Zukunft wieder geschaffen werden soll. Auch einen Brunnen beziehungsweise eine Brunnenleitung soll das Haus mit der früheren Nummer 16 gehabt haben. Das ist im Urbar vor 1769 notiert worden. „Einen Brunnen soll es auch in Zunft wieder geben“, sagt Hofmann.

Vom Stadtschloss in den Innenhof des Anwesens Marktplatz 10 geschaut. Foto: Markus Drossel

Das alte Haus Nummer 17, der vom Marktplatz aus gesehen rechte Gebäudeteil, wurde in den 1820-er-Jahren mit dem Grundstück Nummer 16 vereint: Gastwirt Heinrich Krappmann, so belegen es alte Aufzeichnungen, hatte im September 1817 erst das linke und drei Jahre später im November das rechte Gebäude erworben. Unter einem Dach vereint wurden die beiden Anwesen von dem wohlhabenden Böttcher und Gastwirt Johann Georg Fischer, der sie 1839/40 kaufte. Damals entstand eine zwölfachsige Fassade. Unter Fischer gab es auch bereits einen (ersten) Tanzsaal.

Im Innenhof des Anwesens Marktplatz 10. Foto: Markus Drossel

„Die heutige Torzufahrt ist übrigens nicht, wie man meinen könnte, aus jener Zeit. Sie entstand, kurz bevor dort eine Aldi-Filiale einzog“, so Hofmann. Das war in den 1970-er-Jahren. Das Tor wurde nach links verrückt und mit Stahlträgern unterfangen. „Das machen wir wieder rückgängig: Der Durchgang kommt wieder an seine ursprüngliche Stelle.“ In die Mitte.

Das hölzerne Gerippe im Innern des Gebäudetrakts Marktplatz 10. Foto: Markus Drossel

Ab 1929 wurde das Hauptgebäude renoviert und zum Hotel umgebaut. 1972 wurde der Hotel- und Gaststättenbetrieb eingestellt. Selbst ein Kino gab es hier mal, unter Hans Appel – bis 1972.

Das Anwesen Marktplatz 10 in Lichtenfels. Foto: Markus Drossel

Zurück zum Umbau. „Das Projekt befindet sich bis dato im Zeitplan. Die Fertigstellung und der Einzug sind nach aktuellem Zeitplan für Ende 2024 anvisiert“, führt Hofmann aus. „Allerdings ergeben sich durch den Krieg in der Ukraine aktuell neue, nicht planbare Risiken hinsichtlich Materialbeschaffung und Lieferschwierigkeiten, die zu Verzögerungen führen können.“

Modernes Mauerwerk trifft historisches Gefache. Foto: Markus Drossel
Die stützenden Stahlträger stammen aus den 1970-ern. Foto: Markus Drossel

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