UNTERBRUNN

Mainschleife Unterbrunn: Tiervielfalt statt Wasserautobahn

Mainschleife Unterbrunn: Tiervielfalt statt Wasserautobahn
Auch die uralte Schwarzpappel nahe des Mains bei Unterbrunn durfte als Station nicht fehlen. Foto: Deller

„Macht euch die Erde untertan“: Diesen Satz hat der Mensch hierzulande über Jahrzehnte völlig falsch interpretiert. Oft wurden Natur und Umwelt für eigene Zwecke missbraucht. Doch hier und da setzt ein Umdenken ein. Als sehr positives Beispiel für ein gelebtes Stück Naturschutz darf die Main-Renaturierung bei Unterbrunn genannt werden. Wie gut diese Maßnahme von Fauna und Flora angenommen werden, erfuhren 20 Teilnehmer bei einer Exkursion der Kreisgruppe des Bund Naturschutz.

Mainschleife Unterbrunn: Tiervielfalt statt Wasserautobahn
Am Main bei Unterbrunn ist mittlerweile eine wahre Gehölzvielfalt entstanden. Walter Näher weist die Exkursionsteilnehm... Foto: Deller

Für die Flößerei um 1900 war der Main stark begradigt worden. Man konnte von einer Wasserautobahn sprechen, wie es Walter Näher, ehemaliger Sachgebietsleiter Gewässerentwicklung und Landschaftsplanung am Wasserwirtschaftsamt Kronach, formulierte. Der Fachmann erläuterte bei der naturkundlichen Begehung aufschlussreich die Maßnahmen, die am Main in Unterbrunn wieder neue Lebensräume für die Tier- und Pflanzenwelt schufen.

Bereits in den 1990-ern gab es erste zaghafte Versuche

So ging die Wasserwirtschaft bereits in den 1990-er-Jahren erste Schritte, um den Main dort wieder natürlicher zu gestalten. Immer größere Strecken des steinernen Längsverbaus wurden beseitigt und naturnahe Zonen angelegt. Das war allerdings nur „Kleinkram“ verglichen mit dem großen Schritt, im Rahmen des Life-Natur-Projekts Oberes Maintal folgte: Das Wasserwirtschaftsamt Kronach schuf in Kooperation mit den örtlichen Kiesunternehmern eine neue, 1,8 Kilometer lange Mainschleife in Anlehnung an den ursprünglichen Verlauf des Flusses. „Damit wurde dem Main wieder ein naturnahes Gewässerbett und eine naturnahe Flussaue zurückgegeben“, sagte Näher.

„Wir müssen dem Fluss die Chance geben, mal schnell und mal langsam zu fließen.“
Walter Näher, Naturexperte

Artenvielfalt braucht abwechslungsreiche Landschaft, die bei möglichst geringer Regulierung durch den Menschen „wachsen“ und sich entwickelt kann, so wie das bei Unterbrunn am Main seit der Renaturierung geschehen konnte. „Wir müssen, wie das hier nun wieder möglich ist, dem Fluss die Chance geben, mal schnell und mal langsam zu fließen“. Der Fluss und die Auenlandschaften sind bei Unterbrunn inzwischen wieder vernetzt.

Weil die Natur ihre Ruhe braucht

Mainschleife Unterbrunn: Tiervielfalt statt Wasserautobahn
Waldwasserläufer, Silberreiher, Rostgänse und sogar zwei Störche waren auf dem Aussichtsturm gut zu beobachten mittels t... Foto: Deller

Bewusst werden Büsche in Flussnähe hier stehen gelassen – nicht nur als Lebensraum an sich, sondern weil beispielsweise so manche dahinter brütende Vogelart ungestört bleiben kann. „Die Natur braucht halt Ruhe“, bringt es Näher auf den Punkt.

Im Verlauf der Exkursion wanderten die Teilnehmer mit Näher auf einem Feldweg entlang des Flusses. Auch die Uferlandschaften habe das Wasserwirtschaftsamt im Blick, sagte Näher. Durch die Renaturierungsmaßnahme bei Unterbrunn konnte sich in den vergangenen zehn Jahren eine Gehölzvielfalt entwickelt, von Wilder Birne über Holunder bis zur Wildrose. Der Experte erläuterte anhand eines Exemplars die Namensgebung der Knackweide. „Diese vermehrt sich dadurch, dass die dünnen Äste abbrechen und, wenn sie andernorts ans Ufer geschwemmt werden, wieder wurzeln.“

Mit einem Stammdurchmesser von rund 1,30 Meter

Der erste Teil der Exkursion endete an einer mächtigen, mehrere hundert Jahre alte Schwarzpappel, die einen Stammdurchmesser von rund 1,30 Metern aufweist. Im Schatten dieses beeindruckenden Naturdenkmals dankte BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhard Näher für die sehr interessante Führung. Der Staffelstab der Exkursionsleitung wurde nun weiter gereicht an Bernd Flieger und Jan Ebert von der Lichtenfelser Kreisgruppe des Landesbunds für Vogelschutz (LBV).

Auch wenn die Brutzeit nun vorbei ist und viele Zugvögel sich nun nach und nach auf den Weg in den Süd machen, lohne es sich auch jetzt im Spätsommer noch, die Augen offen zu halten, wie Bernd Flieger betonte. „Erst heute morgen habe ich bei Trieb einen Fischadler gesehen, und vorige Woche auch einen hier an der Unterbrunner Mainschleife“, teilte er seine Beobachtungen mit der Teilnehmergruppe.

Wo Rostgans, Silberreiher und Fischadler wohnen

Mainschleife Unterbrunn: Tiervielfalt statt Wasserautobahn
Am kleinen Aussichtshügel geht Walter Näher (rechts) hier ein auf die Schaffung von Lebensräumen durch die Renaturierung... Foto: Deller

Vom Beobachtungsturm aus hatten die Teilnehmer einen grandiosen Blick auf einen Teil der Mainschleife – inklusive der dort weilenden Vogelwelt. Auf einer Insel inmitten der Mainschleife tummelten sich Silberreiher, Rostgänse, ein Waldwasserläufer, Stelzen. Ein stückweit entfernt davon hielten zwei Störche entweder Ausschau nach Futter oder genossen die warme Spätsommersonne. Vermutlich handelte es sich hierbei um das in Ebensfeld wohnende Storchenpaar. Gut, dass die beiden LBV-Vertreter hilfreiches Equipment dabei hatten, so etwa ein Beobachtungsspektiv mit bis zu 60-facher Vergrößerung.

Die Teilnehmer konnten sich gar nicht satt sehen. Beim Beobachten der verschiedenen Vögel und auf dem Rückweg per Fuß zum Ausgangspunkt am kleinen Aussichtshügel nahe de Staatsstraße kam die Naturliebhaber angeregt miteinander ins Gespräch.

Einem der Teilnehmer fiel auch eine Zauneidechse auf, die offenbar ein Sonnenbad auf einem Stein genoss. Die Tierwelt fühlt sich hier an der renaturierten Mainschleife offenbar wohl.

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