LICHTENFELS

Mainblick: Wer sich in Gefahr begibt

Mainblick: Alternative Fakten für Deutschland

Eine der Demonstranten, die mit ihrem Protest gegen die 3G-Regelung für einen Eklat im Lichtenfelser Stadtrat gesorgt haben, spricht mich nach der Sitzung an. „Könnten Sie mir den Gefallen tun, mein Bild nicht zu veröffentlichen?“, bittet die junge Frau. Ich weise sie freundlich darauf hin, dass sie bei einer öffentlichen Veranstaltung und gerade bei einem solchen Auftritt damit rechnen müsse, fotografiert zu werden.

Andere der Demonstranten sind weniger höflich als die junge Frau, bedrängen mich aggressiv, sie nicht zu fotografieren oder die gerade gemachte Aufnahme zu löschen. Als einer der Protestierer mich mit den Worten „Ich finde raus, wo du wohnst“ bedroht, wird es mir zu bunt. Ich bitte die Polizeibeamten dafür zu sorgen, dass ich ungestört meine Arbeit machen kann.

Warum wollen ausgerechnet die Menschen anonym bleiben, die sich nicht nur einer Corona-Impfung oder Testung verweigern, mit der sie sich und andere schützen könnten, sondern auch noch öffentlich gegen die Konsequenzen dieser Verweigerung protestieren? Um glaubwürdig für ein Anliegen einzutreten, muss man auch bereit sein, dafür Gesicht zu zeigen.

Demonstranten bei einer Stadtratssitzung und Störer, die ohne Beachtung der Regeln in den Saal eindringen, müssen auch damit rechnen, fotografiert zu werden. „Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um“, meinte in meiner Ausbildung ein Presserechtler dazu. Davor schützt ihn auch nicht das Recht am eigenen Bild, auf das sich die Störer berufen, obwohl sie gleichzeitig das Hausrecht des Stadtrats missachten. Denn durch ihren Auftritt werden sie Teil einer öffentlichen Veranstaltung oder in diesem Fall sogar eines Ereignisses der Zeitgeschichte.

Doch wie soll ich das jemandem erklären, der noch nicht einmal bereit ist, den von der Stadtverwaltung angebotenen Schnelltest zu machen, bevor er eine Stadtratssitzung besucht? Millionen Kinder machen diese Tests mehrmals in der Woche, damit sie die Schule besuchen können. Damit beweisen sie Vernunft und Empathie, die beiden wichtigsten Voraussetzungen, um die Pandemie zu überwinden.

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