BAD STAFFELSTEIN

Lukas Pflaum über seine Erfahrungen als Azubi bei Rösler

Lukas Pflaum ist der Meinung, dass junge Erwachsene die größten Verlierer dieser Zeit sein werden. Foto: red

Wie ist es eigentlich, während der Corona-Pandemie seine Ausbildung zu machen? Einige Schüler der Lichtenfelser Berufsschule erzählen in loser Folge von ihren Erfahrungen. Lukas Pflaum, Auszubildender zum Industriekaufmann im zweiten Lehrjahr bei Rösler in Bad Staffelstein, macht den Anfang.

„Maskenpflicht am Arbeitsplatz? Distanzunterricht? Soziale Isolation? Wer wäre vor einem Jahr schon auf solche Gedanken gekommen! Ich, zwanzigjähriger Auszubildender eines Industriebetriebes, durfte in der nervenaufreibenden Coronakrise schon einige Erfahrungen sammeln.

Die Einschränkungen werden ihre Spuren hinterlassen

Ohne Zweifel belastet das Virus nicht nur die jungen Menschen – jeder muss damit klarkommen. Trotzdem vertrete ich die Meinung, dass die jungen Erwachsenen als größte Verlierer dieser Zeit hervorgehen. In der Blütephase unseres Lebens dermaßen eingeschränkt zu werden, ist nicht nur unschön, sondern wird auch Spuren hinterlassen.

8 September 2020 – das neue Schuljahr und somit auch mein zweites Ausbildungsjahr wird eingeläutet. Von Vorfreude konnte jedoch nie die Rede sein, da alles ganz anders lief: Ich befand mich infiziert mit dem Coronavirus in häuslicher Quarantäne. Nach meinem Sommerurlaub in den Niederlanden musste ich mich nach Anordnung meines Betriebes auf das Virus testen lassen – zum Glück. Der Abstrich fiel ohne Symptome positiv aus und beförderte mich und einige Kontaktpersonen in Quarantäne.

Das neue Ausbildungsjahr beginnt mit Quarantäne

Somit startete das neue Schuljahr ohne mich. Zu dieser Zeit waren Modelle wie das Homeschooling noch lange nicht an der Tagesordnung – was folgte, war die eigenständige Erarbeitung von Schulstoff. Meine Ausbildungsinhalte mussten warten und nach hinten verschoben werden – definitiv ein Rückschlag im doch immens wichtigen zweiten Lehrjahr einer industriekaufmännischen Ausbildung.

Doch auch nach meiner Quarantäne kehrte keine Normalität ein: Aus dem üblichen Präsenzunterricht entstand ein Mix aus Unterricht vor Ort und Homeschooling. Seit dem Lockdown Light waren wir sogar gezwungen, den Schulstoff fortan von Zuhause aus zu studieren. Trotz anfangs technischer Komplikationen machten die Lehrer das Beste aus der Situation und passten den Unterricht Stück für Stück an die Gegebenheiten an.

Kein Kontakt mit Schulkameraden, aber mit Arbeitskollegen

Durch wiederholtes Einholen von Feedback verbesserten sich die Lehrkräfte stetig in ihrem Schaffen. Dennoch entlarvt sich die magere Fortschreitung der Digitalisierung an deutschen Schulen als großes Problem.

Ich hatte so meine Zweifel über die Herangehensweise des Freistaates Bayern: Wie kann es sein, dass ich den Unterricht mit meinen 20 Schulkameraden nicht besuchen darf, jedoch an den anderen Tagen auf Arbeit gehe und dort in Kontakt mit weitaus mehr Menschen komme? Ein Widerspruch, der in meinem Kopf auf wenig Verständnis gestoßen ist.

„Letztendlich bleibt nur Hoffnung auf Besserung – wenn wir alle an einem Strang ziehen und uns an die Regeln halten.“
Lukas Pflaum, Auszubildender

Man darf jedoch nicht unterschlagen, dass die Kontaktbeschränkung im Betrieb oberste Priorität besitzt. Durch Homeoffice und Kurzarbeit wird das Begegnungsrisiko minimiert. Und die Azubis? Sie haben gar nicht die Chance, all die wichtigen Erfahrungen aus dem Tagesgeschäft mitzunehmen. Ausbildungsinhalte müssen oftmals oberflächlich behandelt werden und geben kaum Intensivierungsspielraum. Die Praxis, das Herzstück einer dualen Ausbildung, rückt in den Hintergrund.

Was sich als das Schwierigste für mich entpuppte, hat tatsächlich nichts mit Arbeit oder Ausbildung zu tun. Als leidenschaftlicher Fußballer genügt es mir nicht, am Samstagnachmittag die Bundesliga zu verfolgen: Ich möchte selbst wieder Teil dieses Spiels sein und zusammen mit meinen Freunden trainieren. Stattdessen existiert dieser wichtige Ausgleich zum alltäglichen Arbeitsleben nicht mehr, und soziale Kontakte bleiben auf der Strecke.

Letztendlich bleibt nur Hoffnung auf Besserung – wenn wir alle an einem Strang ziehen und uns an die Regeln halten, werden wir stärker aus dieser Krise hervorgehen und die Normalität besser zu schätzen wissen.“

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