LICHTENFELS

Lisa Canny begeistert im Lichtenfelser Stadtschloss

Lisa Canny begeistert im Lichtenfelser Stadtschloss
Trieben sich gegenseitig zu Höchstleistungen an ihren Instrumenten: Niall Hughes und Lisa Canny in Aktion. Foto: Werner Diefenthal

Rückblick, Oktober 2019. Es war ihr allererstes Konzert in Deutschland. Doch nur knapp 30 Besucherinnen und Besucher hatten sich im Stadtschloss eingefunden, um eine mehr als nur angenehme Überraschung zu erleben. Lisa Canny sang und spielte sich in die Herzen der Anwesenden und am Ende versprach sie, wieder zurück nach Lichtenfels zu kommen. Und man versprach ihr, dann würde der Saal voll sein.

Nach zwei Jahren war es endlich so weit. Geplant bereits für 2020, musste sie ihre „Disgrace“-Tour Corona-bedingt verschieben. Umso größer war ihre Freude, als sie von der Bühne herab auf das Publikum sah und fröhlich feststellte: „Beim ersten Mal war es ziemlich leer, heute ist es wirklich deutlich voller.“ In der Tat waren es circa 80 Personen, die unter Einhaltung der geltenden Abstandsregeln gespannt warteten. Und darunter sehr viele, die vor zwei Jahren schon dabei waren. „Sie ist fantastisch“; so ein Ehepaar aus Lichtenfels. „Sie hat uns damals schon begeistert, da mussten wir einfach sehen, wie sie sich entwickelt hat.“

Lisa Canny begeistert im Lichtenfelser Stadtschloss
Verträumt an der Harfe: Lisa Canny. Foto: Werner Diefenthal

Mit Harfe, Banjo und natürlich „Danny Boy“

Und sie hat sich entwickelt. Die siebenfache Gewinnerin des „All-Ireland-Championship“ mit Harfe und Banjo stellte eindrucksvoll unter Beweis, warum sie zu Recht diese Titel gewonnen hat. Beginnend mit einer instrumentalen Version des alten irischen Liedes „Danny Boy“ auf der Harfe, zeigte sie mit Temperament und dann wieder gefühlvoll ihre Virtuosität, unterstützt von Sean O?Mara (Gitarre und Keyboard), Todd Doyle (Schlagzeug) und Niall Hughes am Bass. Man spürte die Spielfreude und dass die Chemie auf der Bühne einfach stimmt.

Stücke aus ihrer neuen CD „Disgrace“ wechselten mit bekannten Liedern ihrer ersten CD „Freedom“, immer wieder unterbrochen von traditionellen Liedern aus der irischen Folklore im neuen Gewand. Das Publikum ging begeistert mit und bedachte die Band mit frenetischem Beifall, was diese dann zu noch größeren Anstrengungen anspornte.

Von zehn Konzerten im Jahr 2019 zu 28 innerhalb von fünf Wochen 2021

„Während des Lockdowns habe ich auch wieder angefangen, auf der Gitarre zu komponieren, und ich würde gerne wissen, ob es euch gefällt“, verriet Lisa. Sie zeigte, dass sie auch dieses Instrument beherrscht, und trug ein getragenes Lied vor, dem das Publikum gespannt lauschte. Und es gefiel, wie man an den Reaktionen unschwer ablesen konnte.

Lisa Canny begeistert im Lichtenfelser Stadtschloss
Niall Hughes und Lisa Canny begeisterten das Publikum. Foto: Werner Diefenthal

Sie hatte die Lacher auf ihrer Seite, als sie einige Sätze auf Deutsch sagte. „Ich lerne noch, beim nächsten Mal werden es mehr Sätze sein“, fügte sie an. Lisa Canny ist definitiv auf der Überholspur. Waren es 2019 nur etwas mehr als zehn Konzerte, so spielt sie dieses Jahr bereits 28 in knapp fünf Wochen. Ein strammes Programm, doch ein Blick auf ihre Tourcard zeigt bei vielen Auftritten bereits „ausverkauft“ an, ein Zeichen, dass man ihr Talent und die Qualität ihrer Musik erkannt hat.

Wie ein Derwisch über die Bühne gewirbelt und alle mitgerissen

Immer wieder wirbelte sie über die Bühne, ihr Temperament riss alle mit, sowohl die Musiker auf der Bühne als auch das Publikum. Nach einer kurzen Unterbrechung, von Lisa charmant als „Pinkelpause“ angekündigt, in der sie angeregt mit den Besucherinnen und Besuchern plauderte, zog sie an der Harfe noch einmal alle Register ihres Könnens. Sie wirbelte wie ein Derwisch mit dem Banjo über die Bühne und gönnte dem Publikum keine Atempause.

Spätestens bei dem Stück „Donal?s calves and jewish reels“ wurde jedem klar, was Lisa am Banjo zu leisten imstande war. Ein Lied, das jedem in die Beine fuhr und bei dem, wie sie anschließend anmerkte, „man hinterher das Gefühl hat, dass einem die Hand abfällt“. Auch Harald Fischer, Kulturreferent der Stadt Lichtenfels, zeigte sich begeistert. „Sie ist in den letzten beiden Jahren definitiv gewachsen“, freute er sich. „Und es ist interessant, ihre Entwicklung zu beobachten.

„Ich hoffe, sie auch bei der nächsten Tournee wieder nach Lichtenfels holen zu können. Hoffentlich reichen dann die Plätze im Stadtschloss noch aus.“
Harald Fischer, Kulturreferent

Ich hoffe, sie auch bei der nächsten Tournee wieder nach Lichtenfels holen zu können. Hoffentlich reichen dann die Plätze im Stadtschloss noch aus“, fügte er mit einem breiten Lächeln hinzu.

Lisa Canny begeistert im Lichtenfelser Stadtschloss
Wenn die Chemie stimmt: (v. li.) Niall Hughes, Todd Doyle, Lisa Canny und Sean O?Mara. Foto: Werner Diefenthal

Die Mitglieder der Band zeigten, dass sie Lisa Canny in nichts nachstehen, wobei vor allem Niall Hughes am Bass hervorstach. Und mit diesem Instrument hatte es noch eine besondere Bewandtnis, wie er erzählte. Beim ersten Konzert hat er einen Lichtenfelser kennen gelernt, der eben diese Instrumente herstellt. Also hat Niall ihn gefragt, ob er nicht für Lichtenfels einmal eine seiner Bassgitarren testen könnte, und dem kam Xaver Tremel von „Franz-Bassguitar“ natürlich gerne nach.

Mit „Raggle Taggle Gypsy“, einem weiteren Stück, bei dem sie mit ihrem Banjo über die Bühne tobte, beschloss sie die Vorführung. Doch die Rufe nach der Zugabe wurden natürlich erfüllt, mit „Sweet Dreams“ von den „Eurythmics“ endete ein Konzert, das noch lange in einem nachhallt. Das bestätigten die Zuhörerinnen und Zuhörer im anschließenden Gespräch mit dieser Ausnahmekünstlerin. Gerne gab sie Autogramme und ließ sich mit den Gästen fotografieren. Und mit schelmischem Blick verlieh sie der Hoffnung Ausdruck, wieder nach Lichtenfels zurückzukehren.

 

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