LICHTENFELS

Lichtenfelser Vogelschützer warten auf den Wendehals

Lichtenfelser Vogelschützer warten auf den Wendehals
Der seltene Wendehals ist so gut getarnt, dass er nur schwer im Baumbestand zu erkennen ist. Foto: Josef Schröder

Werden die seltenen Wendehälse aus dem tropischen Afrika wieder im Landkreis Lichtenfels eintreffen, oder bleiben sie aus? Diese bange Frage stellt sich Reinhold Bräutigam aus Loffeld auch heuer wieder. Jetzt kommt nämlich bald der Zeitpunkt, an dem sich der Wendehals unmittelbar nach der langen Reise mit dem charakteristischen wimmernden und unverwechselbaren Ruf „wiewiewiewiewie“, den er etwa 20 mal wiederholt, zurück meldet. Die Stimme sei aber in der heutigen Zeit sehr selten geworden, so Reinhold Bräutigam vom Landesbund für Vogelschutz, kurz LBV, Kreisgruppe Lichtenfels.

Deshalb habe er es sich seit über 30 Jahren zur Aufgabe gemacht, die interessante und stark bedrohte Vogelart zu beobachten und zu schützen. Dazu hängt er in alten Streuobstanlagen spezielle Wendehalskästen auf und betreut diese. Das Hauptverbreitungsgebiet im Landkreis sei der Südhang des Staffelberges. Damit sei die herausragende Bedeutung dieses Gebietes dokumentiert. Aber auch bei Kümmel, Dittersbrunn und am Dornig könne man den Wendehals manchmal hören, so der engagierte Naturschützer. Leider seien viele ehemalige Verbreitungsgebiete inzwischen ganz geräumt.

„Der Wendehals hält sich am liebsten in extensiv genutzten Streuobstanlagen auf. Auch große Parks und Gärten nimmt er manchmal an. Streuobstanlagen bieten ihm aber im besonderen Maße mit den weiträumigen Baumbeständen nicht nur die nötige Habitatstruktur, sondern mit Höhlen und Totholz in den alten Bäumen auch Nistgelegenheit und Nahrung. Neben den Baumhöhlen nimmt er sehr gerne Nistkästen an, die ich ihm anbiete“ sagt Reinold Bräutigam.

Zwei weitere Nistkästen aufgehängt

Am Gründonnerstag wurden in den Streuobstwiese von Jupp Schröder in der Flur von Stublang etwa 2,5 Kilometer Luftlinie von Staffelberg entfernt, zwei weitere spezielle Kästen von Reinold Bräutigam aufgehängt. Jetzt bleibt zu hoffen, dass diese im Laufe der nächsten Jahre auch angenommen werden. Reinhold Bräutigam, der von der Kreisvorsitzenden Marion Damm begleitet wurde, war von der Lage und Vielfalt des Grundstückes von Jupp Schröder begeistert. Auch das gesamte Umfeld mit vielen Wiesen und mageren Rainen könnte als Lebensraum passen, so die beiden Vogelschützer.

Perfekte Tarnung

Lichtenfelser Vogelschützer warten auf den Wendehals
Reinhold Bräutigam beim Aufhängen von Nistkästen für den Wendehals auf Grundstücken von Jupp Schröder in der Flur von St... Foto: Josef Schröder

„Der Wendehals gehört zur Familie der Spechte. In vieler Hinsicht unterscheidet er sich aber deutlich von seinen mitteleuropäischen Vertretern. So ist er der einzige richtige Zugvogel unter ihnen. Außerdem kann er im Gegensatz zu den anderen Spechten keine eigene Höhle zimmern. Und trommelt nicht“, erklärt Reinhold Bräutigam. Der Wendehals sei nur etwa sperlingsgroß, unauffällig graubraun gefärbt und zusätzlich mit feinen hellbraunen und dunkelbraunen Querbändern geschmückt. Durch diese Musterung ließe er sich nur sehr schwer optisch von der Baumrinde unterscheiden.

Daher kommt der Name

Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Ameisen und deren Entwicklungsstadien. Wendehälse haben ein eigenartiges Abwehrverhalten. Bei Gefahr recken sie Hälse, plustern ihr Scheitelgefieder auf, zischen wie Schlangen und drehen ihre Köpfe um bis zu 180 Grad. Dieses sonderbare Verhalten hat ihm den Namen Wendehals verschafft“, sagt Reinold Bräutigam. Ende Juli bis Anfang September würden die Wendehälse wieder in breiter Front in ihr Winterquartier nach Zentral- und Westafrika südlich der Sahara ziehen.

„Streuobstbestände sind ein Markenzeichen vieler früherer Kulturlandschaften. Leider sind davon in den vergangenen Jahrzehnte immer mehr verschwunden“, so Reinhold Bräutigam. Erfreulich sei, dass es zu einer positiven Rückbesinnung in letzter Zeit gekommen ist und viele neue Obstbäume in den Fluren des Landkreises gepflanzt wurden. „Der Wendehals kann also langfristig nur überleben, wenn großflächige Wiesen erhalten bleiben, die einen hohen Anteil an Altholzbeständen aufweisen und ausschließlich extensiv genutzt werden“, erklärt der Naturschützer.

Mit der Vernichtung der Lebensräume hätten sich leider schon vor vielen Jahrzehnten der Wiedehopf, der Rotkopfwürger und der Steinkauz aus unserer Heimat verabschiedet. Er hoffe, dass den noch verbleibenden Arten nicht das gleiche Schicksal droht.

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