LICHTENFELS

Lichtenfelser Feuerwehrleute fahren ins Erdbebengebiet

Lichtenfelser Feuerwehrleute fahren ins Erdbebengebiet
Trotz winterlicher Temperaturen mussten viele Kroaten nach dem Erdbeben zunächst in ihren Häusern bleiben bis die Containerlager fertig waren. Foto: Corinna Tübel

Zwei Lichtenfelser Feuerwehrleute sind bei einem Hilfstransport: nach Kroatien dabei. Sie sind mit Gütern aufgebrochen und kehren mit wertvollen Erinnerungen zurück.

„Weil es selbstverständlich ist?“ Dabei ist eine Fahrt in einem kurzfristig organisierten bayerischen Transportkonvoi der Feuerwehr nach Kroatien, um die dortigen Kollegen bei der Bewältigung der Erdbebenkatastrophe zu unterstützen, weder kurz noch einfach. Wie die Menschen vor Ort Bastian Weidner und Daniel Derr aus Lichtenfels sowie die anderen Feuerwehrfrauen und -männer aufgenommen haben und versuchen ihr Land wiederaufzubauen.

Lichtenfelser Feuerwehrleute fahren ins Erdbebengebiet
Ein mitgereister Gruß aus Keksen und anderen Süßigkeiten war für ein kroatisches Krankenhaus bestimmt. Daniel Derr (li.)... Foto: Corinna Tübel

Während wohl viele Menschen in Deutschland am 29. Dezember sich den Kopf darüber zerbrochen haben, wie sie aus dem Silvesterabend trotz Corona-Krise mit dem Partner etwas Besonderes machen, ereigneten sich in Zentral-Kroatien in dieser Zeit schreckliche Szenen: Mehrere Erdbeben der Stärke 6,4 erschütterten die Region insbesondere um den Landkreis Sisak-Moslavina.

Mitten darin liegt die betroffene Gemeinde Petrinja. Die Menschen dort mussten bei winterlichen Temperaturen lange in ihren beschädigten oder zerstörten Häusern bleiben, ehe provisorische Containersiedlungen aufgebaut waren. „Mit Erschrecken haben wir die beschädigten und zerstörten Häuser gesehen. Tiefes Mitgefühl für die Bevölkerung machte sich in unseren Herzen breit. Dieser Eindruck, als ich die Ortschaft zum ersten Mal gesehen habe, hat sich mir eingebrannt“, berichtet Daniel Derr von der Freiwilligen Feuerwehr Stadt Lichtenfels.

Wichtige Ausrüstung auf dem Weg nach Kroatien

Lichtenfelser Feuerwehrleute fahren ins Erdbebengebiet
Im 22 Fahrzeuge umfassenden bayerischen Transportkonvoi ins kroatische Erdbebengebiet unter der Leitung des Landesfeuerw... Foto: Corinna Tübel

Zusammen mit seinem Kollegen Bastian Weidner war er mit einem Mehrtonner am 10. Januar in einem insgesamt 22 Fahrzeuge umfassenden bayerischen Transportkonvoi unter der Leitung des Landesfeuerwehrverbandes Bayern aufgebrochen, um Hilfsgüter in die kroatische Erdbebenregion zu bringen. Die Feuerwehren in Zagreb zählen unter normalen Umständen rund 3500 Einsätze im Jahr. In den Tagen nach dem Erdbeben seien es nun schon 8000 an der Zahl gewesen. Doch es fehlte an Schutzkleidung für Feuerwehrleute, tragbare Leitern sowie Beleuchtungsgerät einschließlich Stromerzeuger, um deren Einsatz wieder vollumfänglich zu ermöglichen.

Mit dieser Ladung, die von rund 300 freiwillige Feuerwehren und Kommunen in Bayern gespendet wurden und circa 15 000 Einzelteile umfasste, fuhren die beiden Feuerwehrmänner aus Lichtenfels zunächst „ins Unbekannte“. „Wir hatten natürlich gehofft, dass alles gut organisiert ist und vor allem, dass es nicht noch neue Erdbeben gibt“, erzählt Daniel Derr.

Ein Nachbeben stimmt nachdenklich

Lichtenfelser Feuerwehrleute fahren ins Erdbebengebiet
Den kroatischen Feuerwehren mangelte es an Schutzkleidung und Ausrüstungsgegenständen nach den starken Erdbeben. Foto: Corinna Tübel

Eine beunruhigen Nachricht folgte: Zur Mittagszeit bekamen alle Fahrzeuge die Information, dass sich ein Nachbeben der Stärke 3,1 in Sisak, ereignet hatte – rund 100 Kilometer von Ziel des Konvois entfernt. Die Ungewissheit ging – nach mehreren Pausen und einer Zwischenübernachtung – am Grenzübergang Slowenien nach Kroatien in Energie über: Dort erwartete den Konvoi ein Kommandowagen der Kroatischen Feuerwehr, der dem Zug mit einheimischer Voraussicht eine Streckenänderung nahelegte und sie später mit Polizeieskorte und Blaulicht durch die Hauptstadt geleitete.

Großes Staunen bei der kroatischen Feuerwehr

An der Feuerwache angekommen gab es eine Pause, ehe sich die deutschen Feuerwehrkräfte die Berufsfeuerwehr-Wache Fünf in Zagreb näher anschauen konnten. Anschließend begann das Entladen der Hilfsgüter, für das auch der am Transport beteiligte Radlader der Feuerwehr zum Einsatz kam.

Lichtenfelser Feuerwehrleute fahren ins Erdbebengebiet
Das Lichtenfelser Fahrzeug beim Auftanken auf dem Weg nach Kroatien. Foto: Corinna Tübel

„Als wir abgeladen haben, haben viele kroatische Kollegen große staunende Augen gekriegt. Sie haben sich wirklich gefreut. Das war ein super Gefühl“, erinnert sich Daniel Derr, der – wie auch sein Kollege – den Kroaten großen Respekt für ihre Arbeit zollt. „Leben in der Lage“, so beschreiben es die beiden Lichtenfelser. Mit einer gewissen Hilflosigkeit. „Wir haben uns ausgemalt, wie es sein muss, jemanden helfen zu wollen und es nicht zu können, weil das Gerätehaus zerstört war.“

Der gute Empfang und die köstliche Bewirtung fand seinen Abschluss in vielen Gesprächen, die sich mit Hilfe eines Dolmetschers um Fachliches aber auch Persönliches drehten. „Vielleicht entsteht hieraus ja eine Freundschaft, auf der man weiter aufbauen kann“, melden sie via Facebook-Tagebuch.

Arbeitgeber sind unkompliziert

Möglicherweise haben sie das geahnt, als sie sich bereits zehn Minuten nach dem Aufruf ihres Kommandanten als Freiwillige für den Hilfskonvoi gemeldet hatten. „Weil es selbstverständlich ist“, gibt Daniel Derr an. Doch das ist es nicht, eher ehrenwert. Glücklicherweise sei die Organisation von Familie und Beruf für den Einsatz unkompliziert gewesen. Während Daniel Derr beim Entsorgungsfachbetrieb Panzer & Kraus arbeitet, ist Bastian Weidner bei der Kiesgewinnung Heinrich Schramm & Co. GmbH KG tätig. Die Arbeitgeber zeigten sich sehr flexibel. Erstaunt zeigten sich die beiden Feuwermänner, dass von der Katastrophe in den deutschen Medien wenig berichtet wurde.

Helfen wollen, aber nicht können

„So eine Zerstörung konnten wir uns gar nicht so vorstellen. Als wir dort waren, war schon vieles aufgeräumt, aber vieles türmte sich auch noch an den Straßenrändern oder in den Hinterhöfen“, blickt Bastian Weidner zurück. Umso schöner sei es gewesen, dass sich viele koroatische Kollegen sich über von den Feuerwehren mitgebrachten Ärmelabzeichen erfreut haben. Sein Kollege fügt hinzu: „Allgemein sind die Kroaten ein sehr offenes und herzliches Volk mit einer großen Gastfreundschaft.“

Diese herzlichen Momente, aber auch ie Erinnerung an die Herausforderungen für die kroatische Feuerwehr- und Hilfskräfte dominierten die Rückfahrt. Die erschreckenden Bilder werden die beiden Feuerwehrmänner aus Lichtenfels noch lange begleiten: Daniel Derr betrachtet den Einsatz in Kroatien als interessante und wichtige Erfahrung, denn: Er und sein Kollege konnten helfen!

Mit Schnelltest und Maske

Die Corona-Krise war in diesen Tagen, bis sie am 13. Januar in den frühen Morgenstunden zurückkehrten, zwar allgegenwärtig gewesen, aber keiner der Feuerwehrmänner habe eine größere Angst vor einer Infizierung verspürt als anderswo. Vor der Abfahrt des Konvois sowie am Grenzübergang haben sie sich jeweils einem Covid-19-Schnelltest unterzogen, außerdem hatten sie während der Arbeit und im Kontakt mit Menschen stets eine Maske getragen.

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