Lichtenfelser Erklärung: Jetzt können alle unterschreiben

LICHTENFELS

Lichtenfelser Erklärung: Jetzt können alle unterschreiben

Die Lichtenfelser Erklärung ist online. Initiiert vom Aktionsbündnis „Lichtenfels ist bunt“, haben den Aufruf für Solidarität bereits zahlreiche namhafte Erstunterzeichner unterschrieben, darunter Landrat und CSU-Kreisvorsitzender Christian Meißner, der Lichtenfelser Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) sowie weite Teile seines Stadtrats und Vertreter aus Wirtschaft und Kirche. Die Petition soll ein Signal sein, dass die Unterzeichner mit den Montags-Protesten und „Spaziergängen“ in den Kommunen der Region alles andere als einverstanden sind.

„Seit einigen Wochen finden auf den Marktplätzen im Landkreis ,zufällige‘ Treffen von Personen statt, die sich gegen die Maßnahmen zur Einschränkung der Pandemie äußern“, heißt es einleitend auf der von Carsten Gick erstellten Homepage www.lichtenfelser-erklaerung.de. „Es wird, obwohl möglich, keine Demonstration angemeldet. Gleichzeitig wird dort eine vermeintlich eingeschränkte Freiheit beklagt. Eine Freiheit, sich miteinander ohne Einhaltung der vorgegebenen Beschränkungen zu treffen, die die Gefahr birgt, sich schutzlos einer Corona-Infektionen auszusetzen.“ Und das, obwohl sich Deutschland derzeit durch die Verbreitung der Omikron-Variante in einer kritischen Phase befinde.

Das Demonstrationsrecht sei ein für jede und jeden garantiertes Grundrecht und ist auch in der derzeitigen Pandemie sichergestellt. „Die bei genehmigten, angemeldeten Demonstrationen ausgesprochene Auflagen dienen dazu, alle Teilnehmenden zu schützen, auch vor einer Infektion.“ Nicht angemeldete „Zusammentreffen“, bei denen diese Auflagen bewusst nicht eingehalten werden, verunglimpften das Grundrecht und damit die Mehrheit der Bevölkerung. „Und letztlich stellen sie damit die Regeln unserer Demokratie in Frage.“

Weil die Mehrheit hinter den Corona-Maßnahmen steht

Die Zusammentreffen würden politisch benutzt. „Diese Treffen sind organisiert, umgehen wissentlich das Versammlungsrecht und verschleiern die Identität der Organisierenden und führen dadurch in die Irre“, betonen die Mitglieder von „Lichtenfels ist bunt“. Die Protestierenden finden harte, markige Worte. Im Bezug auf die Corona-Maßnahmen ist sogar von „Diktatur“ die Rede. „Tatsache ist jedoch, dass die Mehrheit hinter den beschlossenen Maßnahmen steht und durch Impfungen ihren solidarischen Beitrag leistet, um die Krise zu überwinden.“ Im Gegensatz dazu würden durch die Missachtung von Regeln und das Pochen auf Individualrechte Infektionen begünstigt. „Damit wird die Pandemie verlängert und auch Tote in Kauf genommen.“

Der Appell der Erstunterzeichner, darunter auch Pater Maximilian Wagner, Guardian von Vierzehnheiligen, die Michelauer Dekanin Stefanie Ott-Frühwald, Sr. Regina Pröls, Kongregationsleiterin der Sankt-Franziskusschwestern Vierzehnheiligen, die Lichtenfelser Pfarrerin Anne Salzbrenner, die Schneyer Pfarrerin Tanja Vincent, Martin Schöb und Sandra Nossek, die Vorstandssprecher von Bündnis 90/Die Grünen im Landkreis Lichtenfels, Kreishandwerksmeister Mathias Söllner, Concept-Laser-Gründer Frank Herzog (auch Präsident des FC Lichtenfels), die Kreisräte Uwe Held (CSU) und Dr. Arnt-Uwe Schille (SPD) oder auch Guido Geelen, Redaktionsleiter des Obermain-Tagblatts, ist unmissverständlich: „Wir fordern alle auf, hinter die Kulissen dieser Treffen zu schauen: Machen Sie sich nicht gemein mit Stimmungsmacherinnen und Stimmungsmachern, die persönliche Zweifel kanalisieren und diese als Kritik an Wissenschaft, Institutionen, Staat und letztendlich unserer freiheitlichen demokratischen Ordnung darstellen.“

Eine Spaltung der Bevölkerung und die Einschränkung der Meinungs- und Versammlungsfreiheit werde von einer Minderheit vorgegaukelt, die gleichzeitig die eingeforderten Rechte mit Füßen trete. „Lassen Sie sich nicht ausnutzen und nehmen Sie nicht an diesen Treffen teil.“ Auch Heinz Gärtner, der Kreisvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds, der katholische Betriebsseelsorger Norbert Jungkunz und Thomas Petrak, Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes, zählen zu den gut vier Dutzend Erstunterzeichern.

Mit der Unterschrift ein Zeichen setzen

Bereits wenige Stunden nach Veröffentlichung der Petition war die Zahl der Unterzeichner dreistellig. „Es tut mir im Herzen weh, wenn ich sehe, dass auch in unserem Landkreis Lichtenfels eine extreme und lautstarke Minderheit von Egoisten auf öffentlichen Plätzen „herumspaziert“, unterstützt und beklatscht von rechten Extremisten“, sagt beispielsweise Joanna Blößl, Mitglied bei „Lichtenfels ist bunt“. „Gegen Extremismus und für eine solidarische und tolerante Gemeinschaft im Landkreis möchte ich mit meiner Unterschrift ein Zeichen setzen. Wir sind mehr!“

Wer unterschreiben möchte, kann dies ab sofort auf www.lichtenfelser-erklaerung.de tun. „Wir hoffen, dass in den nächsten Wochen viele Bürgerinnen und Bürger unserem Aufruf folgen“, sagt Steffen Biskupski. „Eingeladen sind dazu alle Einwohner des Landkreises, aber auch jede oder jeder, der oder die hier arbeitet, Freunde oder Verwandte oder einfach einen Bezug zu unserem Landkreis hat.“

Das sagt Frank Herzog

Frank Carsten Herzog, Gründer von Concept Laser, Geschäftsführer der Hzg-Group, Vorsitzender des Fördervereins Forschungs- und Anwendungszentrum für digitale Zukunftstechnologien (FADZ) und Präsident des FC Lichtenfels, sagt über seine Beweggründe, die Petition zu unterzeichnen: „Es ist überfällig, dass die solidarische Mehrheit unserer Gesellschaft deutlicher Farbe bekennt gegen diejenigen, die versuchen, durch Manipulation, Verunsicherung und Leugnen der Gefährlichkeit dieser Pandemie eine Spaltung unserer Wertegemeinschaft herbeizuführen. Wir müssen aber auch diejenigen ernst nehmen, die verunsichert sind, und denjenigen die Tür offenhalten, die manipuliert und fehlgeleitet wurden. Corona-Leugnern müssen wir entschieden entgegentreten. Dafür leiste ich heute meine Unterschrift.“
 

Standpunkt:

Jetzt sind wir alle gefragt!

Viel zu lange hat die Mehrheit dem montäglichen Treiben auf dem Marktplatz tatenlos und achselzuckend zugeschaut. Mit der Lichtenfelser Erklärung aber kann jetzt jeder ein Zeichen setzen. Und sollte es auch: Corona ist in diesen Tagen präsenter denn je. Über 200 000 Neuinfektionen an nur einem Tag sind ein beklemmendes Faktum.

Nur gemeinsam werden wir die Pandemie meistern. Nur gemeinsam werden wir die Risikopatienten schützen können. Nur gemeinsam verhindern wir, dass die Zahl der Toten weiter steigt. Omikron scheint harmloser als die Delta-Variante zu sein, doch bleibt Covid-19 hochgefährlich. Wenn sich täglich Hunderttausende anstecken, laufen wir Gefahr, dass das Gesundheitssystem zusammenbricht. Dann laufen wir Gefahr, dass die kritische Infrastruktur zusammenbricht – in Krankenhäusern, in Pflegeheimen, bei Rettungsdienst, Polizei, Feuerwehren, THW. Jeden Montag spielen die Protestierenden mit genau diesem Risiko.

Freilich, in den Monaten der Pandemie ist sicher nicht alles zufriedenstellend gewesen. Es ist viel falsch gelaufen, es gibt viel zu kritisieren. Doch deswegen mit Rechtsextremen Seit an Seit marschieren? Deshalb Fake News glauben? Deshalb sich nicht impfen lassen? Sicher nicht! Impfen und sich einschränken, so schwer es einem fällt, ist der einzige Weg aus der Pandemie.

Deshalb: Lassen Sie uns gemeinsam zeigen, dass das nicht okay ist. Unterschreiben Sie die Petition, helfen Sie Angehörigen und Freunden, die vielleicht online keine große Erfahrung haben. Zeigen Sie sich solidarisch, halten Sie sich weiter an Corona-Regeln – und bleiben Sie gesund! Markus Drossel