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Lichtenfels: Sind die Schulen fit für den Distanzunterricht?

Lichtenfels: Sind die Schulen fit für den Distanzunterricht?
Der Schulleiter der Meranier-Gymnasiums Lichtenfels hat mit seinem Team einen Distanzstundenplan entwickelt, in dem sich Videokonferenzen und Zeit für Arbeitsaufträge abwechseln. Foto: Corinna Tübel

Ob Online-Pinnwände genutzt, ob Aufgaben und Schwierigkeiten per Telefon oder E-Mail besprochen werden, ob Arbeitsaufträge von der Schule abgeholt oder wieder zurückgebracht werden: Mittlerweile hat wohl jede Schule im Landkreis, insbesondere auch die Grundschulen, ihre eigene Strategie für den Distanzunterricht während der Corona-Pandemie entwickelt. So ist die Herausforderung „Distanzunterricht“ ab kommenden Montag etwa für die Abt-Knauer-Grundschule „auch nichts komplett Neues mehr“, verrät Schulleiterin Heike Witzgall und erinnert sich an den ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr und seine Konsequenzen. Nichtsdestotrotz steckt viel Organisation hinter dem neuen Konzept – vor allem auch hinter dem Angebot der Notbetreuung. Hierfür werden ebenfalls Lehrkräfte benötigt.

Auch die Albert-Blankertz-Grund- und Mittelschule Redwitz organisiert dies gerade. Schulleiter Christian Förtsch bespricht derzeit mit den jeweiligen Klassenleitern auch die folgenden Schritte, während mit Schülern und Eltern über ein internes Kommunikationswerkzeug mit Informationen und Aufgaben versorgt werden. Je nach Klassenstufe sollen mehrere Videokonferenzen in der Woche stattfinden. Dabei zeigen sich sowohl ältere als auch jüngere Mitglieder des Kollegiums aufgeschlossen gegenüber den neuen Lehr-Plattformen und nehmen die neuen Aufgaben mit Energie an. Auch in der Vergangenheit seien kaum personelle Ausfälle durch eine Corona-Risikogruppenzugehörigkeit an der Schule entstanden.

Eine Sensibilität für eine Infizierung mit Covid-19 während des bisherigen Schuljahres sei dagegen in allen Altersschichten – je nach persönlichen Lebensumständen – zu spüren gewesen: „Da waren manche Lehrer, die zum Beispiel einen Säugling oder eine Frau, die kurz vor der Entbindung gestanden haben, sensibler für die Situation. Oder wenn ältere Kollegen zu Hause noch ihre eigenen Eltern gepflegt haben und Sorge hatten, diese möglicherweise im Falle eines Falles anzustecken – verständlich und nicht anders, als in anderen Teilen der Bevölkerung auch“, so der Schulleiter. Dennoch hat das Kollegium hart gearbeitet und darauf geachtet, seit dem Schulstart im September vergangenen Jahres zügig voranzukommen. Mit dem Lernstoff sei man auf einem guten Stand, eventuelle Defizite sollen im Jahresverlauf aufgearbeitet werden können. Dies habe erfahrungsgemäß auch im vergangenen Schuljahr, gerade in Zeiten des Wechselunterrichts mit kleineren Klassengrößen- gut funktioniert.

Erstklässler und die Herausforderung der Schrift

Lichtenfels: Sind die Schulen fit für den Distanzunterricht?
Vor allem die Erstklässler trifft der Distanzunterricht hart: Das Erlernen der Schriftsprache braucht Präsenz. Foto: Corinna Tübel

Christian Förtsch klingt zuversichtlich und vorbereitet. Für ihn sei die Zukunft im Distanzunterricht absehbar gewesen. Er zeigt großes Verständnis für diese Entscheidung, sorgt sich jedoch um die Erst- und Zweitklässler: Für diese hätte er sich möglicherweise einen Wechselunterricht gewünscht, damit die Jüngsten weiter am Ball bleiben können und die Möglichkeit haben, die Schrift noch weiter zu erlernen und zu vertiefen. „Das ist für Kinder und Eltern zu Hause schwer.“

Genau dieses Thema bereitet Schulamtsdirektorin Stefanie Mayr-Leidnecker gerade Kopfzerbrechen: Der Zugang zur Notbetreuung unterliegt keinen Einschränkungen mehr. „Wer es braucht“, verkündete Ministerpräsident Markus Söder vor wenigen Tagen. Doch wie sollen Lehrer gleichzeitig Distanzunterricht abhalten und in Gruppen getrennte Notbetreuung leisten? „In manchen Schulen wird diese erfahrungsgemäß stark in Anspruch genommen. Kinder aus zehn verschiedenen Klassen bräuchten zehn verschiedene Gruppen und folglich auch zehn verschiedene Lehrkräfte“, berichtet sie und verteilt gerade die zu wenigen mobilen Reserven, die sie zur Verfügung hat.

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Schulamtsdirektorin Stefanie Mayer-Leidnecker. Foto: Corinna Tübel

Ausfälle älterer Kollegen auf Grund einer Zugehörigkeit zur Corona-Risikogruppe gebe es nicht, dafür fehlen jedoch schwangere Kolleginnen, die derzeit nicht bis zum Mutterschutz weiterarbeiten können. Diese könnte die Schulamtsdirektorin zwar nun für den Distanzunterricht einsetzen, jedoch stellt sie sich die Frage: „Wo?“ Viele Monaten seien sie nicht am Unterrichtsgeschehen beteiligt und keiner Klasse zugeordnet gewesen, ein wahlloser Einsatz würde niemandem von Nutzen sein. Dabei verweist sie auf den Charakter der Schule und nicht dem einer Betreuungseinrichtung. „Bei vielen Eltern, die das verstehen, gibt es leider auch welche, die das ausnutzen möchten.“

Gesunde Mischung aus digitalen und analogen Angeboten

Während auch sie die fehlenden Informationen zur Leistungserhebung in den Grundschulen anprangert, seien zumindest für den Bereich der Mittelschulen die meisten Noten schon bis zu den Weihnachtsferien erhoben worden. Die Kleineren jedoch können keine Grundlagen-Tests schreiben, da in der Primarstufe erst jedes Thema neu vermittelt werden müsse. Jedoch haben sich viele Lehrkräfte mit dem Angebot für Schüler, die längere Zeit in Quarantäne waren, Proben nachzuschreiben, kreativ gezeigt.

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Komplizierte Mathematik online vermitteln – für Schulleiter Thomas Carl am Meranier Gymnasium derzeit selbstverständlich... Foto: Corinna Tübel

Auch die anderen weiterführenden Schulen im Landkreis Lichtenfels fühlen sich für den Distanzunterricht gewappnet. Dieser besteht etwa am Meranier-Gymnasium Lichtenfels aus Live-Video-Konferenzen und Arbeitsaufträgen in verschiedenen Gruppen. Die Einheiten folgen einem dem regulären Stundenplan der Schüler angepassten Distanzstundenplan, der allen Schülern vorliegt, und der Maxime, eine gesunde Mischung zwischen digitalen und analogen Lernangeboten für die Mädchen und Jungen zu finden. „Und sie nicht etwa sechs Stunden am Stück vor den Bildschirm zu setzen.“ Schulleiter Thomas Carl, der selbst Mathematik und Physik unterrichtet, erklärt diese Stragie etwa am Beispiel des Mathematikunterrichts einer seiner Klassen: Die Schüler haben bei insgesamt vier Fachstunden in der Woche jeweils zwei in Form von Videokonferenzen, zwei Stunden werden für Arbeitsaufträge und Übungen verwendet. Bei diesem Wechsel und bei der Kommunikation mit Kolleginnen und Kollegen helfen bewährte und neu erprobte Videotools.

Planungssicherheit für Schüler

Gut und lange vorher vorbereitet hat man sich auch am Gymnasium Burgkunstadt: Im Herbst haben die Lehrkräfte eine ganze Woche lang mit den Schülern den Umgang mit der Plattform „mebis“ geübt, am Pädagogischen Tag wurde das Kollegium zum Thema Distanz- und Onlineunterricht geschult. Für die kommenden Woche und wohl auch für die zukünftigen wird der Wochenplan für die Schüler bereits am Samstag feststehen und dessen Inhalte bereitstehen. „Die Schüler bekommen Sicherheit, wie die Tage gestaltet sind und was welcher Lehrer wie verlangt“, so Schulleiterin Lydia Münch. Um die Defizite im Lernstoff wieder aufzuholen, „müssten wir wohl die Ganztagsklassen wieder einführen“, lacht sie – aber mit genügend Ernst in der Stimme. Denn dieser Prozess wird Zeit und auch Training brauchen. Schließlich müssen die Prüfungsformen auch erst wieder „geübt“ werden – nach der Zeit der Videokonferenzen und Arbeitsaufträge.

Distanzunterricht kann den Präsenzunterricht nicht ersetzen

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Ein leeres Klassenzimmer an der Herzog-Otto-Schule Lichtenfels. Foto: ArchivBernd Schick

Ähnlich wird auch der Distanzunterricht an der Herzog-Otto-Mittelschule Lichtenfels praktiziert werden. Auch Schulleiter Bernd Schick kann Erfahrung und Zuversicht zeigen. „Aber uns muss klar sein: Distanzunterricht kann den Präsenzunterricht nicht ersetzen!“ Sein Kollegium wird versuchen, möglichst viele Inhalte des Lehrplans zu vermitteln und dabei zu selektieren, was für den Distanzunterricht geeignet und was auf die Präsenzzeit warten muss. „Ein verlorenes Schuljahr ist es aber nicht.“ Mit besonderem Blick wendet er sich auch die Abschlussschüler im Sommer. Viele zeigen Engagement und Fleiß, aber meist sei es eben doch nötig, dass jemand sie begleitet.

Worauf jedoch keine Schule vorbereitet sein kann, wäre der Fall einer zu langen Dauer des Distanzunterrichts. Ein Kritikpunkt vieler Schulen betrifft die ungeklärte Frage nach den Leistungserhebungen, die im Distanzunterricht zur Zeit nur mündlich - nur in geringem Maße - durchgeführt werden können. „Viele Schüler wollen das Gelernte auch zu Papier bringen. Wir bemerken schon seit langem, dass sowohl Schüler als auch Eltern Noten sowohl zur Bestätigung, aber auch zur Motivation wollen. Auch, um sich selbst besser einschätzen zu können, sind diese wichtig“, weiß Schulleiter Thomas Carl.

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Auch Systemadministrator Sebastian Schyma kann bei Bedarf mit Schulleiter Thomas Carl (Bildschirm) von beliebigen Standu... Foto: Corinna Tübel

Er hofft deshalb auf eine baldige Möglichkeit, zumindest größere Leistungsnachweise unter Hygieneauflagen auch an seiner Schule vor Ort schreiben lassen zu können – zumindest für die Oberstufe. Wenn der derzeitige Zustand jedoch länger andauern sollte, auch für die anderen Stufen.

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