LICHTENFELS

Lichtenfels: Neun Monate auf Bewährung für Schmuckdiebin

Amtsgericht: Ein übler Ausraster mit schweren Folgen

Es waren zwei Anklageschriften, die von Staatsanwältin Jana Müller zu einer 38-jährigen aus dem Landkreis verlesen wurden. Das Verfahren am Mittwoch drehte sich im Saal 14 des Amtsgerichts um Diebstahl, Besitz von Betäubungsmitteln und Hausfriedensbruch.

Irgendwann in dem 40-minütigen Verfahren war der Punkt erreicht, an dem es mit tränenerstickter Stimme aus der Angeklagten herausbrach. Plauderte sie vorher offen und viel, aber doch so, als wollte sie vor Gericht einen guten Eindruck hinterlassen, so ging sie nun auf persönliche Verletzungen ein. Da war die Andeutung einer erlebten Vergewaltigung, da kam zur Sprache, dass jahrelanger Drogenmissbrauch auch dazu geführt habe, dass sie keinen Umgang mehr mit ihren Kindern hat.

Das Diebesgut einfach in den Mund gesteckt

Es ging konkret um den 5. Dezember 2019, den Tag, an welchem sie einen Lichtenfelser Discounter aufsuchte, um dort im Zusammenwirken mit einem Mann Ohrenschmuck zu stehlen. Dem Mann kam dabei die Aufgabe zu, das Tun der Frau vor den Blicken der Verkäufer abzuschirmen, während diese sich Ohrenschmuck zum Passieren der Kasse auch in den Mund steckte.

An selbigem Tag, als die Polizei bei ihr an der Wohnung klopfte und hereingelassen wurde, stellte diese fest, dass die 38-Jährige auch einen Joint daheim aufbewahrte. Neun Tage später wiederum erschien die Frau wieder just in dem Geschäft, in dem sie jetzt wegen des Diebstahls auch schon Hausverbot hatte. Zu alledem war die Angeklagte auskunftswillig, wenngleich sie andeutend bemerkte, sich wegen Drogenkonsums nicht an alles erinnern zu können.

Angeklagte hat „ein schlimmes Jahr“ hinter sich gehabt

„Ja, das muss wohl so gewesen sein“, gestand sie ein bisschen ratlos wirkend ein. Sie habe damals „ein schlimmes Jahr“ hinter sich gehabt und sei nun in einer Opiatsubstitutionstherapie, weil sie ihre Kinder zurück wolle.

Staatsanwältin Jana Müller und Richter Matthias Huber suchten den Lebenslauf der Frau zu ergründen. So kam zur Sprache, dass die Angeklagte zehn Jahre lang bis zu ihrer Mutterschaft nur noch sporadisch und im Niedriglohnsektor arbeitete. Für diese Zeit stehen bei der Frau acht Einträge im Bundeszentralregister zu Buche. Die meisten handeln von Vermögensdelikten wie Diebstahl, einmal aber auch von vorsätzlicher Körperverletzung. Doch dann war auch „relativ lange Ruhe“, wie Huber zugute hielt. „Warum ging es denn 2015 wieder los?“ Dazu bekam das Gericht von der Angeklagten zu hören, dass sie damals wieder begonnen habe, sich Mixturen von Drogen zu verabreichen, also „Mischkonsum“ betrieb, was ihre Lage prekärer machte.

Diese Sache mit dem Rückfall wollte Staatsanwältin Müller tiefer ergründen und hakte nach. „Ich war einsam (…) und mein Ex hat mich gestalked“, so die Antwort, die mit „es tut mir leid, ich bitte um Verzeihung“ eingeleitet wurde. Jetzt aber, darum auch die Therapie, habe sie „Bock auf ein sauberes Leben“.

Im Amtsgericht in der Kronacher Straße in Lichtenfels wird Recht gesprochen. Foto: Markus Drossel

Nach diesen Ausführungen entschied Richter Huber, es mit der Beweisaufnahme sein Bewenden haben zu lassen. Da die Frau geständig war, erübrigten sich aus seiner Sicht die Zeugenaussagen. Auch die Staatsanwältin hielt diese Vorgehensweise für vertretbar.

„Wenn Sie keine Betäubungsmittel mehr nehmen, kommt es zu keinen Freiheitsstrafen mehr – davon bin ich überzeugt.“
Amtsgerichter Matthias Huber zur AngeklagtenT

Die Frage, die jetzt im Raum stand, war: Haftstrafe oder Haftstrafe zur Bewährung? „Eigentlich eher nicht“, so Müller hinsichtlich einer Bewährung. Doch in ihrem Plädoyer hielt die Anklägerin auch fest, dass die 38-Jährige auch noch keine Hafterfahrung habe, dass – wenn schon Bewährungsstrafe – eine Therapie zwingend würde. „Es erscheint auch nicht zweckmäßig, die Angeklagte einfach einzusperren, man muss ihr die Hand reichen.“ Darum forderte Müller zehn Monate Haft zur Bewährung, wobei die Bewährungszeit drei Jahre betragen und von einem Bewährungshelfer begleitet werden sollte. Zudem hätte die Frau 150 gemeinnützige Arbeitsstunden abzuleisten und vierteljährlich auf eigene Kosten nachzuweisen, dass sie „clean“ sei.

Das Urteil sollte auf neun Monate Haft zur Bewährung lauten, ansonsten sah Huber den gleichen Maßnahmenkatalog angebracht. Und er wagte eine Prognose: „Wenn Sie keine Betäubungsmittel mehr nehmen, kommt es zu keinen Freiheitsstrafen mehr – davon bin ich überzeugt.“

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