LICHTENFELS

Lichtenfels: Gemeinsamer Spirit für Klimaschutz

Erneuerbare Energien stellen für viele Unternehmer aus der Region Lichtenfels einen zentralen Hebel dar, um Klimaneutralität zu erreichen und zugleich Wettbewerbs- und Kostenvorteile auszuschöpfen. Foto: Pixabay

Ob München, Lindau, Lüneburg oder auch Haßberge – immer mehr Landkreise setzen sich zum Ziel, in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren klimaneutral zu werden. Auch am Obermain gibt es zunehmend Befürworter eines solchen Vorhabens. Dies wurde kürzlich im Rahmen eines Runden Tisches zum Thema „Klimaneutraler Landkreis Lichtenfels“ deutlich. Die ursprünglich in Präsenz geplante Veranstaltung fand pandemiebedingt als Videokonferenz statt und brachte knapp zwanzig Vertreter aus Wirtschaft, Handwerk, Industrie und Politik zusammen, die sich äußerst rege und konstruktiv über die Möglichkeiten und Chancen der Klimaneutralität austauschten.

Lokale Lösungen auf globale Herausforderungen

„Wir haben diese Veranstaltung ins Leben gerufen, weil wir gemeinsam mit Ihnen lokale Antworten auf die Klimakrise finden wollen“, begrüßte Steffen Biskupski von der Bürgerinitiative Klimaentscheid Lichtenfels die Teilnehmer und übergab das Wort an seinen Mitstreiter Winfried Tiedge, der die Podiumsdiskussion eröffnete. „Klimaschutz hat aus meiner Sicher strategisch höchste Priorität. Damit dieser auch gelingt, ist eine gesellschaftliche Transformation nötig, an der sich alle beteiligen müssen, also Bürgerinnen und Bürger, Verwaltung und Politik sowie Industrie und Wirtschaft,“ betonte Winfried Tiedge und wies darauf hin, dass Lichtenfels eine Region mit innovativer Wirtschaft sei, deren Kräfte es nun zu bündeln gelte.

Dass hierfür ein „gemeinsamer Spirit“ entstehen müsse, führte Julius Möhr-stedt von der IBC Solar AG aus Bad Staffelstein in seinem Impulsvortrag an. „Seit 2013 gibt es bereits ein integriertes Klimaschutzkonzept des Landkreises, welches unter anderem den Ausbau von erneuerbaren Energien vorsieht. Allerdings ist hier noch viel Luft nach oben. Dazu ist ein Ausbaupfad nötig, der zeitnah mit konkreten Maßnahmen hinterlegt und regional umgesetzt werden sollte.“

Eine wichtige Rolle spiele dabei die Dezentralität: „Unsere Bundesregierung setzt beim Thema erneuerbare Energien immer noch auf zentrale Kraftwerke und Verteilung. Doch der Netzausbau hängt hinterher. Wir setzen damit nicht nur unsere Versorgungssicherheit aufs Spiel, sondern werden dies auch an steigenden Preisen zu spüren bekommen.“

Grüne Energie als Wettbewerbsvorteil für die Region

Vertreter aus Industrie, Wirtschaft, Handwerk und Politik beteiligten sich am Donnerstagabend am Runden Tisch zum Thema ... Foto: Marion Nikol

Julius Möhrstedt bedauerte, dass der Landkreis Lichtenfels noch nicht den Anspruch habe, ein grüne Energieregion werden zu wollen. Dabei sei grüne Energie ein Wettbewerbsvorteil und ließe sich einfach regional erzeugen. „Im Grunde kann jeder die Energiewende mitgestalten und es gibt auch hier bei uns noch viele freie Flächen, beispielsweise auf Dächern, die für Photovoltaik genutzt werden können. Was wir brauchen, ist ein stärkeres gemeinsames Commitment, mehr Aufklärungsarbeit, zum Bespiel in Form von Informationsabenden mit Lokalpolitikern und kluge Lösungen, um den Mangel an Fachkräften zu beheben, die für die Installation nötig sind“, so Möhrstedt abschließend.

„Noch wird die Energieberatung aber zu wenig abgerufen. Hier sollten wir ansetzen und mehr Betriebe dazu ermutigen, diese in Anspruch zu nehmen. “
Mathias Söllner, Kreishandwerksmeister

Aufklärungsarbeit ist auch laut Mathias Söllner ein wichtiger Hebel, um Betriebe bei der Umsetzung klimafreundlicher Maßnahmen zu unterstützen. Als Kreishandwerksmeister und Dritter Bürgermeister der Stadt Lichtenfels sprach er sich dafür aus, Beratungsangebote noch besser „an den Mann und die Frau zu bringen“. Die hiesigen Handwerksbetriebe hätten großes Interesse daran, dem Klimawandel entgegenzuwirken. „Noch wird die Energieberatung aber zu wenig abgerufen. Hier sollten wir ansetzen und mehr Betriebe dazu ermutigen, diese in Anspruch zu nehmen. Denn Klimaneutralität bedeutet ja auch Einsparung von Energie und Kosten“, so Söllner.

Dialog und Erfahrungsaustausch fördern

Als konkreten Ansatzpunkt nannte Gisela Raab, Geschäftsführerin der Raab Baugesellschaft aus Ebensfeld, den Qualitätsverbund umweltbewusster Betriebe (QUB). „Dabei handelt es sich um ein Umweltmanagementsystem, welches speziell für kleine und mittlere Unternehmen aus Handwerk, Industrie, Handel und Dienstleistung geeignet ist. Hier gibt es sehr gute Umweltberater, die den Betrieben dabei helfen, Umweltschutz zu einem Qualitäts- und Wettbewerbsfaktor zu entwickeln. Hier wäre der Aufbau einer interdisziplinären, regionalen QUB-Gruppe im Landkreis Lichtenfels hilfreich, um den Dialog und Erfahrungsaustausch zu fördern.“

Weitere Hebel auf dem Weg zur Klimaneutralität liegen Gisela Raab zufolge bei klugen Konzepten im Bereich erneuerbare Energien, beispielsweise in Form von Mieterstromprojekten wie sie in Coburg in Kooperation mit der SÜC bereits gut funktionieren.

Als Bauunternehmerin weiß Gisela Raab auch um die Herausforderungen, die mit dem Verbrauch von Ressourcen und Flächen einhergehen. Hier werden ihrer Meinung nach die Wiederverwendung von Baustoffen, die Mehrfachnutzung von Gebäuden, aber auch die Mentalität künftiger Bauherren eine wichtige Rolle spielen: „Ich sehe hier ganz klar auch die Bevölkerung in der Pflicht. Der Trend muss wieder hin zum kleineren, kompakten Wohnen gehen.“

Lohnende Förderprogramme für Unternehmen vorhanden

Auf die Bedeutung eines „gemeinsamen Spirits“ kam Dr. Thilo Rießner im Zuge der Podiumsdiskussion zurück. Der Geschäftsführer von Rießner Gase verwies auf das Elektrolyse-Projekt seines Unternehmens in Wunsiedel, wofür der Grundstein bereits vor langer Zeit gelegt wurde: „In Wunsiedel hat die Politik schon vor 20 Jahren beschlossen, sich energieautark aufzustellen. Dabei wurde die Bevölkerung von Anfang an stark eingebunden und deshalb ging dort auch etwas vorwärts.“ Die Industrie wiederum könne einen Beitrag zur Klimaneutralität leisten, indem erneuerbare Energien genutzt werden, um damit den Eigenstrombedarf zu decken. In den Herbst- und Wintermonaten spiele die Batterie- und Speichertechnologie zudem eine tragende Rolle.

Als Ansprechpartner in Finanzierungsfragen für die heimische Wirtschaft kam Jan Eisele, Unternehmensbereichsleiter Firmenkunden bei der Sparkasse Coburg-Lichtenfels, noch auf das Thema Förderprogramme zu sprechen. Hier gebe es sehr gute Ansätze für Industriebetriebe in den Bereichen Ressourcenschonung, Energieeffizienz und Abwärme-Rücknutzung mit Zuschussmöglichkeiten von bis zu 40 Prozent.

„In den vergangenen Jahren ist in den Unternehmen schon sehr viel passiert, aber es kann noch mehr umgesetzt werden. Es ist mitunter zwar aufwändig von der Antragsstellung bis zur Umsetzung, aber es lohnt sich auf jeden Fall“, so Jan Eisele.

Als ebenfalls lohnenswert betrachteten die Teilnehmer den regelmäßigen Dialog wie er an diesem Abend im Zuge der Impulsvorträge und Abschlussdiskussion ermöglicht wurde. Das Format eines interdisziplinär ausgerichteten Runden Tisches, so waren sich alle einig, solle fortgesetzt werden. Denn auf diesem Wege könne Vernetzung und wertvoller Erfahrungsaustausch stattfinden.

Wie der Lichtenfelser Stadtrat Christian Barth es schließlich treffend auf den Punkt brachte: „Den Spirit, der heute von vielen Rednern angesprochen wurde, spüre ich bereits. Auch wenn die Bewegung noch klein ist, so zählt doch jeder Beitrag und mit den richtigen Impulsen können wir das Thema Klimaneutralität auf jeden Fall in die richtige Richtung schieben.“

 

Schlagworte