DRK-Erste Hilfe Kurse für Senioren

LICHTENFELS

Lichtenfels: Erste Hilfe zu Corona-Zeiten

Das ist richtig: Die Pflicht, als Erster an einem Unfallort Erste Hilfe zu leisten, bleibt für alle auch während der Corona-Pandemie mit ihren Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen selbstverständlich. Wie man sich dabei derzeit zusätzlich schützen kann, erfahren die Teilnehmer der Ersten Hilfe Kurse des Roten Kreuzes und anderer Anbieter.

Zwar gab es wegen eines geringeren Verkehrsaufkommens im Corona-Jahr 2020 weniger Verkehrsunfälle auf Deutschlands Straßen, doch die Zahl der Unfälle mit Radfahrern stieg an. Gleichwohl sind „die wenigen“ als auch „viele“ Menschen auf die rasche Reaktion der Ersthelfer an einem Unfallort angewiesen. Da verursachen die Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen zum Glück im Landkreis Lichtenfels keine Scheu bei den Helferinnen und Helfern: Der Rettungsdienst des BRK-Kreisverbands Lichtenfels hat bisher nicht bemerkt, dass die Bürgerinnen und Bürger die Erste Hilfe in Frage stellen.

„Menschen, die schon immer bereitwillig waren, werden auch jetzt helfen und lassen sich auch von Corona nicht abhalten. Das gilt leider auch andersherum: Menschen, die schon vorher Ausreden gesucht haben, warum sie nicht helfen können, werden das weiterhin so tun. Corona liefert halt dann eine weitere Ausrede“, so Kreisgeschäftsführer Thomas Petrak.

Auch die Polizeiinspektion Lichtenfels konnte weder eine besondere Zurückhaltung in konkreten Unfallsituationen beobachtet, noch wurden entsprechende Bedenken an die Einsatzkräfte herangetragen.

Ersthelfer-Pflicht auch in Pandemie-Zeiten

Die Lichtenfelser scheinen verantwortungsvoll: Denn die Pflicht, in Unglücksfällen Hilfe zu leisten, besteht auch während der Corona-Pandemie weiter. Allerdings hat immer der Eigenschutz Vorrang – kein Ersthelfer müsse sich beispielsweise selbst in Gefahr bringen und etwa in ein Feuer springen. Allgemeine Sicherheits- und Hygieneregeln, wie sie die Menschen in den vergangenen Monaten begleiten, können aber auch als Ersthelfer an einem Unfallort beachtet werden: Das Halten eines entsprechenden Abstandes zu anderen Personen stelle auch hier ein sinnvolles Instrument dar, so Sebastian Herrmann, Polizeikommissar und Sachbearbeiter Einsatz der Polizeiinspektion Lichtenfels. „Vor allem wo ein solches Einhalten von Abständen nicht möglich ist, sollte eine entsprechende Schutzmaske getragen werden.

Sollte es zu einer Situation kommen in der die Beatmung eines Unfallopfers im Rahmen der Ersten Hilfe notwendig wird, gibt es Hilfsmittel, mit denen man sich selbst vor Infektionen schützen kann.“ Das betreffe nicht nur den Corona-Virus, sondern auch andere ansteckende Erkrankungen. Hier empfehlen sich also beispielsweise Beatmungsmasken mit Rückstoßventil oder spezielle Beatmungstücher.

Masken, Desinfektionsmittel und Einmalhandschuhe im Fahrzeug

Für die Autofahrerinnen und Autofahrer hat der BRK Kreisverband daher den Tipp, FFP2-Masken, Händedesinfektionsmittel und zusätzliche Einmalhandschuhe im Kraftfahrzeug vorrätig zu halten. Dann sei man bei unvorhergesehenen Situationen im Straßenverkehr besser vorbereitet.

Nach dem Absichern der Unfallstelle und dem Absetzen eines Notrufs, liegt die medizinische Erste Hilfe in den Kompetenzen der Ersthelfer: In jedem Fall, so wendet sich das Deutsche Rote Kreuz an die Menschen, sei es möglich, Kontakt zu der hilfesuchenden Person herzustellen und zu fragen, was passiert sei. Wenn sich im Folgenden beispielsweise der Ersthelfer nicht zutraut, die Beatmung durchzuführen, dann wäre es zumindest sehr wichtig, die Druckmassage zu versuchen, so Thomas Petrak.

Bei der Versorgung von Wunden habe auch schon vor der Corona-Pandemie die Vorsicht gegolten, die Wunden keimfrei zu bedecken. Der Verbandskasten, der in Kraftfahrzeugen standardmäßig mitzuführen ist, enthält geeignetes Verbandsmaterial und auch Einmalhandschuhe.

„Was man häufig übersieht: Der vorsichtige Umgang mit Verletzungen liegt im beiderseitigen Interesse. Der oder die Verletzte ist meist einer höheren Infektionsgefahr ausgesetzt, als der oder die Ersthelferin. Der oder die Hilfsbedürftige hat ja die Wunden, die für ihn/sie als solche eine Infektionsgefahr darstellen.“

„Menschen, die schon immer bereitwillig waren, werden auch jetzt helfen und lassen sich auch von Corona nicht abhalten.“
Thomas Petrak, BRK-Kreisgeschäftsführer

Entweder könne der Ersthelfer hier zumindest - je nach Situation - mit Abstand Anleitung zur Ersten Hilfe geben und Verbandsmaterial reichen oder den Verletzten - wenn möglich - bitten, eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen, so das Deutsche Rote Kreuz. Die Helferin oder der Helfer sollte in jedem Fall den Einsatzkräften die eigenen Kontaktdaten geben, um erreichbar zu sein, für den Fall, dass bei der betroffenen Person nachträglich eine infektiöse Erkrankung mit dem Coronavirus festgestellt wird.

Die meisten Notfälle finden übrigens im häuslichen Umfeld statt, so dass hier eine gewisse Vertrautheit vorhanden ist und man bei den eigenen Verwandten den Gesundheitszustand und die Situation meist besser einschätzen kann.

Erste-Hilfe-Kurse finden statt

Wer sich unsicher ist, kann auch in diesen Zeiten Erste-Hilfe-Kurse mit hohen Sicherheits- und Hygienekonzepten besuchen: Erste-Hilfe-Kurse und die Ausbildung von ehrenamtlichen Angehörigen der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und des Technischen Hilfswerks sind nämlich zulässig, wenn zwischen allen Beteiligten ein Mindestabstand von 1,5 m gewahrt ist. Es besteht Maskenpflicht, soweit der Mindestabstand nicht zuverlässig eingehalten werden kann – so die 11. Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung. Hier hat der Freistaat Bayern die Notwendigkeit einer solchen Ausbildung auch in Zeiten der Corona-Krise erkannt.

Denn: Unterlassene „Hilfeleistung“ sowie die „Behinderung von hilfeleistenden Personen“ ist laut Paragraph 323 c des Strafgesetzbuches ein Straftatbestand und sieht hierfür grundsätzlich einen Strafrahmen von Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe vor. Die Ausschöpfung dieses Strafrahmens obliegt der Richterschaft und ist immer Einzelfallentscheidung und somit von den jeweiligen, konkreten Umständen des Einzelfalles abhängig.

Das Extrem der „Gaffer“ an Unfallstellen, das die Polizei schon vor der Pandemie stark beschäftigt hat, habe derzeit keine nennenswerte Veränderung erfahren: „Zwar liegen auch hierzu keine Erfahrungswerte bei der Polizeiinspektion Lichtenfels vor, aber wenn es zu entsprechenden Menschenansammlungen beispielsweise bei innerstädtischen Verkehrsunfällen gekommen wäre, so wären diese sicherlich durch die Einsatzkräfte aufgelöst worden“, so Polizeikommissar Sebastian Hermann. Ob die Corona-Pandemie und die Gefahr einer Ansteckung das gierige Wachstum dabei aufhalte, bleibt dahin gestellt, aber möglich.

Informationen zu Erste-Hilfe-Kursen gibt es etwa unter www.kvlichtenfels.btk.de