LICHTENFELS

Lichtenfels: Klimawandel als große Herausforderung

Lichtenfels: Der Klimawandel als große Herausforderung
Anlässlich der CSU-Klausurtagung im September 2019 traten Bürger und Vertreter von Bund Naturschutz auf Banz energisch für den Klima- und Umweltschutz auf regionaler und genauso globaler Ebene ein. Das Thema ist sicherlich auf allen Ebenen angekommen. Für den Landkreis ist die In... Foto: Mario Deller

Mit dem Antrag der Kreistagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen auf Einstellung eines Klimaschutz-Beauftragten stand gleich zu Anfang ein wichtiger Punkt auf der Tagesordnung der Sitzung des Umweltausschusses des Kreistages. Das Gremium sprach sich einhellig für die Schaffung einer solchen Stelle für den Landkreis Lichtenfels aus.

Landrat Christian Meißner stellte klar, dass jetzt der richtige Zeitpunkt sei, die vorhandenen Bemühungen auf Landkreisebene hinsichtlich Klimaschutz zu bündeln und zu verstärken und damit das Klimaschutzkonzept fortzuschreiben. Von der im Antrag angedachten Subventionierung eines Klimaschutzbeauftragten durch ein Ministerium riet er aber ab, weil dadurch das Tätigkeitsfeld stark vorgezeichnet sein könnte.

Nicht als Kümmererposten, der an Förderprogrammen hängt

Die Stelle des Klimaschutz-Beauftragten sollte aber nicht weisungsgebunden sein, sondern passgenau auf die Herausforderungen im Landkreis Lichtenfels zugeschnitten sein, sagte Meißner. Zudem habe sich gezeigt, dass sogenannte Kümmererposten, die an Förderprogrammen hängen, nur schwer mit geeignetem Personal dauerhaft zu besetzen sind. Als zielführender sieht der Landrat vielmehr die Schaffung einer kreiseigenen Stelle für den Klimaschutz.

Büroleiter Andreas Grosch zeigte die Fundamente auf, die schon da sind und die zusammengeführt werden müssten. Mit der Umweltstation, dem Tourismus, der Volkshochschule, dem Umweltzentrum, der Abfallwirtschaft, der Kämmerei und den Liegenschaften sowie dem ÖPNV sehe man den Unterbau, wie er im Landkreis teilweise bereits vorhanden sei. Der Beauftragte sollte das Klimaschutzkonzept überprüfen und die Maßnahmen und Projekte auf den heutigen Stand bringen und gegebenenfalls fortschreiben.

Freiheit künftiger Generationen bedroht

Für die Grünen begründete die Kreisrätin Barbara Schatz den Antrag. Sie stellte den Klimawandel als die große Herausforderung heraus, der man sich auf allen staatlichen Ebenen stellen müsse, da er die Freiheit künftiger Generationen bedroht. Der gewünschte Klimaschutzbeauftragte sollte durch Information und Aufklärung ein Bewusstsein für diese Probleme schaffen und insbesondere ein schlüssiges Klimaschutzkonzept mit einer umfassenden Erfolgskontrolle erarbeiten. Sie stimmte dem Landrat zu, dass eine aus eigenen Mitteln finanzierte Stelle die bessere Lösung sei im Vergleich zu einer zeitlich befristeten Kümmererstelle.

Lichtenfels: Der Klimawandel als große Herausforderung
Informiert wurde der Ausschuss über die Entwicklung der Müllmengen im Landkreis Lichtenfels im Jahr 2020. Foto: Markus Drossel

Klimaschutz sei Umweltschutz und deshalb wichtiger denn je, unterstrich Walter Mackert (CSU). Seiner Meinung nach könne man auf Dauer nur mit einem Angestellten etwas erreichen, der die Chance hat über Jahre hinweg ein Netzwerk aufzubauen, um mit dem Erfolg seiner Arbeit zu wachsen. Georg Deuerling (Freie Wähler) begrüßte den Vorschlag ebenfalls. Man sehe beispielsweise, was der Kreisbauhof mit seinen eigenen Kräften bewirken könne. Hier würde eine ganz andere Verbindung zu den Bürgern und zur Verwaltung bestehen, als wenn man einen Dritten in Form eines Büros oder eines Zeitvertrages hinzunehmen würde. Dr. Arnt-Uwe Schille (SPD) sieht es als wichtig an, mit Hilfe des Klimaschutz-Beauftragten, der ein Netzwerker sein müsse, ein vernünftiges und in die Zukunft weisendes Konzept auszuarbeiten.

Schließlich wurde der Beschlussvorschlag einstimmig angenommen, dass die Verwaltung beauftragt wird, die Schaffung der Stelle eines Klimaschutzbeauftragten im Sinne der Sachverhaltsdarstellung vorzubereiten.

Seit 1991 wird die Eigenkompostierung gefördert

Bereits seit 1991 gibt es im Landkreis die Förderung der Eigenkompostierung in Form eines Zuschusses beim Kauf eines Komposters, erläuterte Rainer Zimmer von der Verwaltung. Zukünftig sollen die Fördermodalitäten angepasst werden. Der Beschlussvorschlag für den Kreisausschuss, der einhellige Zustimmung fand, lautete deshalb: Der Landkreis Lichtenfels fördert weiterhin die Eigenkompostierung in Privathaushalten durch die Bezuschussung für den Kauf von Kompostern. Erstattet werden bei Anträgen 50 Prozent des Kaufpreises, maximal 50 Euro. Für zurückliegende Anträge bestehe kein Anspruch.

Bereits seit 2013 erhalten Eltern von Wickelkindern bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr und Pflegebedürftige bei häuslicher Pflege mit dem Hauptwohnsitz im Landkreis Lichtenfels und entsprechendem Nachweis pro Monat einen Sack für Restmüll. Da dies sehr gut angenommen werde, soll die Maßnahme fortgeführt werden, stellte der Landrat fest. Das Gremium stimmte dem folgenden Beschlussvorschlag einstimmig zu: Die Ausgabe von kostenfreien Restmüllsäcken durch den Landkreis für Familien mit Wickelkindern und für Pflegebedürftige bei häuslicher Pflege wird für die Zeit vom 1. Januar 2022 bis 31. Dezember 2024 verlängert.

Informationen zur Entwicklung der Müllmengen im Landkreis Lichtenfels

Über die Entwicklung der Müllmengen im Landkreis Lichtenfels im Jahr 2020 informierte der Leiter des Sachgebietes 34 (Umweltzentrum), Rainer Zimmer. Leider seien überall im Vergleich zum Vorjahr teilweise beträchtliche Steigerungen zu beobachten. So stieg das Restmüllaufkommen im Zweckverband für Abfallwirtschaft in Nordwest-Oberfranken (ZAW) für Lichtenfels von 2019 auf 2020 von 214 auf 221 Kilogramm pro Einwohner und das Sperrmüllaufkommen von 28 auf 33 Kilogramm.

Die Gesamtabfallmenge (Holsystem) stieg im gleichen Zeitraum beim Hausmüll von 14 328 auf 14 762 Tonnen, beim Sperrmüll von 1887 auf 2213 Tonnen und beim Gelben Sack von 1323 auf 1419 Tonnen. Lediglich beim Papier war ein leichter Rückgang von 3.863 auf 3717 Tonnen zu verzeichnen.

Auch bei den Abfallmengen im Bringsystem waren Steigerungen für das Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. So stieg die Gesamtmenge beim Alteisen von 290 auf 370 Tonnen, beim Altholz von 1491 auf 2164 Tonnen, bei Altreifen von 143 auf 164 Tonnen, beim Bauschutt von 1716 auf 2550 Tonnen, bei Behälterglas von 1482 auf 1583 Tonnen und bei Grüngut von 9760 auf 10685 Tonnen.

Mehr ökologisch erzeugte Produkte aus der Region/für die Region

Die seit Dezember 2019 installierte Öko-Modellregion Oberfranken-Jura, die den gesamten Landkreis Lichtenfels und fünf Gemeinden aus dem Landkreis Bamberg umfasst, stellte deren Leiterin Bianca Faber vor. Projektträger ist der Landkreis Lichtenfels mit seiner Umweltstation. Das Management wird mit 75 Prozent seitens des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gefördert. Das gesetzte Ziel laute: Mehr ökologisch erzeugte Produkte aus der Region/für die Region. Hierzu seien unterschiedliche Teilprojekte entwickelt worden: Regionale Vermarktungsmöglichkeiten für Bioprodukte (Dorfläden, Marktschwärmerei, Gastronomie), Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft, Gemüse (Solidarische Landwirtschaft Obermain), Sonderkulturen (Linsen), Fleisch (Bio-Rindfleisch), Streuobst (Biozertifizierung), Erzeugergemeinschaft ((Zwischenschritt „MainJuraBio“ als Label).

Als Agenda für die nächsten Jahre ist laut Faber eine Erweiterung der verfügbaren, ökologisch erzeugten Produkte der Grundversorgung wie Getreide/Mehl, Fleisch/Wurst, Milch/Milchprodukte, Gemüse, Öl und Getränke vorgesehen.

Übergreifende Anstrengungen für Artenreichtum, gegen Artensterben

Zum Schluss informierte der Kreisfachberater Michael Stromer über die Initiative der Kreisgartenfachberatung zusammen mit dem Landschaftspflegeverband zum Blühpakt Bayern. Dieser sei Teil der Bayerischen Biodiversitätsstrategie, also der übergreifenden Anstrengungen für Artenreichtum und gegen Artensterben. Einen Beitrag hierzu könnten die Kommunen liefern mit dem Ziel, dass auf den kommunalen Flächen wie Grünstreifen, Verkehrsinseln, Dorf- und Spielplätze oder Ausgleichsflächen die ökologischen Aspekte bei der Begrünung und Pflege einen hohen Stellenwert haben.

Der Kreisfachberater und die Umweltstation bieten den Gemeinden und Bauhöfen dabei eine Beratung und Umsetzungsbegleitung an. Michael Stromer stellte mittels Power-Point-Präsentation mehrere Beispiele vor, wie etwa die Gestaltung des Köstener Kreisels oder die Grünflächen entlang der Straße von Altenkunstadt nach Strössendorf.

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