LICHTENFELS

Lichtenfels: Ausstellung über Deportation

Die Deportationen, wie hier von fränkischen Juden, geschahen oft tagsüber, vor den Augen aller. Foto: Staatsarchiv

Es ist still in der ehemaligen Synagoge in der Judengasse 12 in Lichtenfels. Nur das Klacken der Schuhe auf dem Boden ist zu hören, gelegentlich das schon beinahe obszön laute Geräusch des Fotoapparates. Auf großen freistehenden Plakaten werden die Schicksale der Menschen aufgezeigt, die aus Lichtenfels, Burgkunstadt, Altenkunstadt, Kronach, Kulmbach und jetzt auch Coburg erlitten haben. In Sonderzügen wurden sie abtransportiert, oft des Nachts aus ihren Häusern geholt, und in den sicheren Tod geschickt.

Eine freundliche, kinderliebe Dame

Wie beispielsweise Frieda Reuter, die letzte Jüdin in Hochstadt. Ihre Eltern waren bereits verstorben, ebenso wie drei ihrer Kinder. Weitere drei Geschwister hatten sich durch Auswanderung retten können. Zeitzeugen beschrieben sie als freundliche, kinderliebe Dame. Im Krieg hatte sie einem Nachbarskind Plätzchen geschenkt, als die NS-Führung den menschlichen Kontakt mit der Nachbarschaft bemerkte, drohten sie der Mutter mit der Wegnahme des Kindes, sollte sie weiterhin mit der alten Dame sprechen.

Mit dem Sonderzug DA 512 wurde sie am 11. September 1942 nach Theresienstadt gebracht. Für einen Platz in dem angeblichen „Altersheim“ musste Frieda Reuter ihr gesamtes Eigentum einschließlich des stattlichen Hauses dem Staat überlassen. Am 29. Juni 1944 starb sie dort, laut einer Quelle ist sie verhungert.

Es ging nicht heimlich von statten

Auf großen Ausstellern werden die Geschichten der deportierten Menschen erzählt. Foto: Werner Diefenthal

Aber es stellt sich immer wieder die Frage: Haben die Menschen in der Nachbarschaft oder Freunde nichts davon mitbekommen? Geschah es heimlich? Oder hat man es einfach ignoriert, verdrängt, nicht wahrhaben wollen? Aus einem Augenzeugenbericht von Elmar Bergmann lässt sich entnehmen, dass die Deportationen nicht heimlich vonstattengingen. Hans-Peter Steinbock, der zum Zeitpunkt seiner Deportation am 24. April 1942 gerade fünf Jahre alt war, spielte nach der Schule immer bei einer Tagesmutter mit dem acht Jahre alten Zeugen. Hans-Peter lebte mit seiner Mutter, seinem Opa Ignaz Steinbock, dem jüdischen Lehrer und Religionsdiener, seiner Tante und den restlichen Juden in den Bayer-Häusern. Insgesamt lebten in kleinen Zimmern mit nur wenig Lichteinfall zwölf Personen, die gepackten Koffer stets griffbereit.

Auf Laster verfrachtet

Hinter den Häusern hatte sie einige Hühner gehalten, die sie mit Eiern versorgten. An jenem Tag kam Hans-Peters Mutter zu den spielenden Kindern und nahm ihn die schmale Straße hinauf mit sich, wo ein geparkter Laster stand, auf den sie ihn hinaufhob.

Die Liste der deportierten jüdischen Bürgerinnen und Bürger aus den angegebenen Orten am Obermain. Foto: Werner Diefenthal

Sie selber wurde ebenfalls in ihn verfrachtet, auf einem zweiten Mehrtonner saßen bereits die anderen Juden mit dem wenigen Handgepäck, das sie mitnehmen durften. Die Laster fuhren davon. Elmar Bergmann erinnert sich, dass die Aktion von Burgkunstadter SA-Leuten sowie Hitler-Jungen und Männern in Zivil durchgeführt wurde.

Zwei Schicksale von vielen

Dies sind nur zwei Schicksale von vielen. Auf weiteren Ausstellern wird über die Leidenswege der anderen Deportierten berichtet und davon, wie grauenhaft die Transporte selbst schon waren. In überfüllten Viehwagen tagelang fast nur im Dunkeln unterwegs, wenig bis keine Verpflegung oder Wasser, dazu die Ungewissheit. Es ist kaum vorstellbar, was diese Menschen erlebt haben.

Die Beschreibungen lassen nur die Qualen erahnen. Worte reichen nicht aus, um die Gräuel zu beschreiben.

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