LICHTENFELS

Lichtenfels: 61-Jähriger „Ladendieb“ zu Geldstrafe veurteilt

Vor dem Lichtenfelser Amtsgericht: eine Fleisch-Diebin

Ein „Diebstahl mit Körperverletzung“ stand auf dem Aushang des Saals 14 im Amtsgericht. Es ging um einen 61-jährigen Lichtenfelser, der in einem hiesigen Baumarkt einem Ladendetektiv aufgefallen war und diesen beim Verlassen des Marktes heftig zur Seite gestoßen hatte. Doch hatte der Mann auch wirklich gestohlen? Eine Frage, der am Mittwoch Staatsanwältin Anna Saam, Rechtsanwältin Regina Taubert und Richterin Daniela Jensch nachgingen.

Es ging um zwei Elektro-Wechselschalter für 16,58 Euro. Und an jenem 13. März 2020 um ein für einen Detektiv verdächtiges Benehmen, welches ein Lichtenfelser an den Tag legte. Als er diesen zur Rede stellte, wurde er heftig weggestoßen und verletzte sich dabei an der Hand. Doch war der Stoßende im Begriff gewesen zu flüchten? Und was passierte eigentlich mit der von ihm in Händen gehaltenen Ware?

Im Laden habe sich in ihm „ein Druck aufgebaut“

Der 61-Jährige schilderte den Vorfall, neben seiner Verteidigerin Regina Taubert sitzend, wie den Beginn einer Odyssee, bei der er letztlich durch Lichtenfels irrte. Im Laden selbst habe sich in ihm „ein Druck aufgebaut“. Deshalb sei er von der Elektro-Abteilung in den Bereich für Pflanzen gelaufen, weil es dort lichter und heller war.

Allerdings tat er das in dieser Eile wohl auch mit der Ware. Dann sollte es noch schlimmer kommen. „So stark war der Druck – ich musste raus.“ Ohne es zu merken, so der im Baugewerbe tätige Mann, sei er in seiner Beklemmung durch den Kassenbereich gegangen, in panischer Angst vor ihn beengenden Räumen. Dann sei er durch die Stadt geirrt, hinauf zum Friedhof und hinüber in die Gegend des Klinikums.

Vorläufige Festnahme, als er wieder daheim ist

Seine Frau habe ihn aufgegriffen und ihn gefragt: „Was ist mit deinen Pupillen?“ Daheim sei dann die vorläufige Festnahme erfolgt. Die Ware selbst, so der Angeklagte, habe er noch im Baumarkt gelassen.

An einen Vorfall mit dem Ladendetektiv konnte oder mochte sich der Angeklagte während des Prozesses nicht erinnern. Doch es war interessant zu erfahren, wie es weiterging. Er sei im Bezirksklinikum Kutzenberg gewesen, habe dort sofort Aufnahme gefunden. Dort habe man ihm erklärt, seine Panikattacken seien „therapierbar, aber nicht heilbar“.

Der Detektiv selbst sah dem Mann sein Verhalten nach, auch wenn dieser ihm bei der vermeintlichen Flucht wohl „Prügel angedroht“ habe. Kurzum: „Ich nehme Ihre Entschuldigung an, wir sind alle nur Menschen“, so der Detektiv gegenüber dem Angeklagten.

Nicht nur Panikattacken, sondern auch Vorstrafen

Doch der hatte nicht nur Panikattacken, sondern durchaus auch ein Vorleben, zu dem drei verurteilte Diebstähle gehören. Das hatte einen Beigeschmack. Und deshalb bat Richterin Daniela Jensch Staatsanwältin Saam und Verteidigerin Taubert zu einem „Gespräch unter sechs Augen“. Nach Minuten war dies vorüber und es erging die Weisung an den Angeklagten, 2000 Euro Geldstrafe zu zahlen, sowie sich einer neuerlichen Therapie zu stellen.

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