Leserforum: Emmi Zeulner devot gegenüber Eigentümern

Zum Bericht „Schneyer Robert Hofmann GmbH baut bis zu 70 Stellen ab“ (s. OT vom 11. Mai) sowie der zugehörigen Stellungnahme von der hiesigen CSU-Bundestagsabgeordneten Emmi Zeulner (s. OT vom 12. Mai, S.1) ging folgende Lesermeinung ein:
Ein Abonnent schreibt einen Leserbrief an das Obermain-Tagblatt.
Ein Abonnent schreibt einen Leserbrief an das Obermain-Tagblatt. Foto: Andrea Warnecke (dpa-mag)

Belegschaftsabbau oder Massenentlassung bei Hofmann in Schney? Meines Erachtens trifft der Begriff Massenentlassung hier eher zu. Hart getroffen wird nicht in erster Linie die Familie Hofmann, sondern die Beschäftigten, die jahrelang für die „Sicherung ihrer

Arbeitsplätze“ auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichtet haben. Wenig hilfreich ist in diesem Zusammenhang die Stellungnahme der CSU-Bundestagsabgeordneten Emmi Zeulner. Sie

überschlägt sich ja gerade zu in devoter Dankbarkeit für die Eigentümerfamilie. Kein Wort dazu, dass es in diesem Betrieb keinen Betriebsrat gibt, dass dieser Industriebetrieb seine Tarifverträge im

Handwerks- statt im Industrieverband mit der christlichen Scheingewerkschaft abschließt. Wo bleibt der Dank an die Mitarbeiter, die über Jahre die Grundlage für den Aufstieg des Unternehmens von der Gartenhütte, vom Handwerks- zum Industriebetrieb gelegt haben? Ein den Interessen der Arbeiter und Angestellten verpflichteter Betriebsrat könnte mehr hinter die Kulissen schauen als die so genannten „Betriebssprecher“. Er könnte Einblick nehmen in das Geflecht des Familienunternehmens. Er könnte kritische Fragen stellen, wo sind die Millionen aus dem Verkauf von Concept Laser geblieben? Welche Zahlungen müssen die einzelnen Betriebe an die zur Familie gehörende S-C-H Immobilien GmbH leisten, der die ganzen Grundstücke an der Zeil und nicht nur dort gehören? Emmi Zeulner beschwört die betroffenen Mitarbeiter sich auf Ihre Stärken

zu besinnen, dass sie „loyal und fleißig“ sind. Nicht den Mitarbeitern sagt sie Unterstützung zu, sondern der Geschäftsführung. Als ob diese nicht schon genug Unterstützung bekommen hätte in Form von Infrastruktur- und Erschließungsmassnahmen durch die Stadt, im Rahmen der Förderung

des Clusters für additive Fertigung durch die bayrische Staatsregierung, in Form von Entlastung bei den Abwassergebühren und so weiter. Wer hat, dem wird schon gegeben, das ist die Maxime von Emmi Zeulner. Hier ist keine Hilfe zu erwarten. Gegenwärtig arbeiten die Beschäftigten bei Hofmann 40 Stunden, und es wurden bis vor kurzem noch Überstunden gemacht. Sind Entlassungen tatsächlich alternativlos? Könnte man die vorhandenen Arbeitszeit nicht auf mehr Schultern verteilen und damit auch eine hochqualifizierte Mannschaft erhalten? Der gegenwärtige Tarifvertrag der IG-Metall sieht 35 Stunden vor. Bei Bosch in Bamberg wurde auch angesichts der Krise in Automobilindustrie die Arbeitszeit auf 30 Stunden verkürzt. Es wird Zeit, dass sich die Beschäftigten auf ihre wirklichen Stärken besinnen, sich organisieren in einer Gewerkschaft, die den Namen verdient und einen Betriebsrat wählen, der an ihrer Seite steht.

Johannes Rupprecht,

Lichtenfels

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