LICHTENFELS

Landkreis Lichtenfels: Gewässerökologie muss besser werden

Landkreis Lichtenfels: Gewässerökologie muss besser werden
Auch die Überbauung des Leuchsenbachs in Klosterlangheim gilt als Brennpunkt. Foto: Dr. Philipp Strohmeier

Bis 2027 sollen die deutschen Flüsse und Bäche in einem „guten“ oder „sehr guten“ ökologischen Zustand sein, das fordert die Europäische Union. Für die Gewässer Leuchsenbach, Scheidsbach, Ziegengraben, Islinger Bach, Kapellenbach, Weismain und Krassach bedeutet das eine Menge Arbeit und vor allem Kosten von knapp zwei Millionen Euro. Vor allem Querbauwerke von Kraftwerken oder Dämme bereiten der Wasserwirtschaftsverwaltung Sorgen.

Solange Flüsse und Bäche nicht über ihre Ufer treten, scheint das Interesse für deren Strukturen recht gering. Dabei ist nicht nur das ökologische Gleichgewicht auf Dauer nicht nur für Anlieger von Bedeutung, sondern für die gesamte Bevölkerung – wenn man beispielsweise an die Existenz verschiedener Tier- und Pflanzenarten denkt. Genau sie stehen im Fokus der Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union. Diese fordert, dass bis 2027 alle Flüsse und Bäche in einen „guten“ oder „sehr guten“ ökologischen Zustand sein sollen.

Das stellt auch für den Landkreis Lichtenfels eine große Herausforderung dar, wie die Vorstellung der entsprechenden Maßnahmen für die Öffentlichkeit in der Lichtenfelser Stadthalle zeigte. Leider nahmen nur eine Handvoll Interessierter teil. Das bedauerte der von den Kommunen mit dem Umsetzungskonzept beauftragte Landschaftspflegeverband Landkreis Lichtenfels. Dieser arbeitet wiederum mit dem Planungsbüro Dr. Bruckner & Dr. Strohmeier Umweltberatung & Management GbR zusammen. Dabei könnten die vorgestellten Maßnahmen viele Anlieger betreffen – in mehrfacher Hinsicht.

Landkreis Lichtenfels: Gewässerökologie muss besser werden
Auch oberhalb der Bahnunterführung in Lichtenfels stürzt das Wasser ab, was Folgen für diie Fische und andere Lebewesen ... Foto: Dr. Philipp Strohmeier

Fehlende Durchgängigkeit als Hauptproblem

Das Hauptproblem der untersuchten Gewässer Leuchsenbach, Scheidsbach, Ziegengraben, Islinger Bach, Kapellenbach, Weismain und Krassach bildet ihre fehlende Durchgängigkeit. Das bedeutet: Fische und andere Kleinlebewesen können nicht mehr ungehindert zwischen ihren Nahrungs-, Laich- und Rückzugslebensräumen stromauf und stromab wandern. Ursache hierfür seien vor allem Querbauwerke, wie Dr. Philipp Strohmeier sagt. Auch die Strukturarmut in Folge von Verbauung und Begradigung sei ein Problem: Monotone Ufer und verschlammte Gewässersohlen verschlechtern die Lebensbedingungen für Tiere und Pflanzen ebenfalls. Sedimenteinträge, mangelnde Quervernetzungen und Anbindungen tun ihr Übriges dafür.

Wer trägt die Kosten?

Oberstes Ziel aller Maßnahmen sei daher die Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Gewässer. Strukturverbesserungen im Gewässerbett können beispielsweise dadurch erreicht werden, dass harter Uferverbau entfernt werde. Auch der Anschluss und die Umgestaltung von Mündungsbereichen, etwa am Islinger Bach, Weismain, Scheidsbach und Leuchsenbach, sind Teil der Pläne. Die geschätzten Kosten hierfür beinhalten den Grunderwerb angrenzender Flächen, den Ausbau und die Unterhaltung der Gewässer und Areale. Sie könnten sich auf knapp zwei Millionen Euro belaufen. Bis zu 90 Prozent davon seien für die Kommunen förderfähig, so Carolin Lang-Groß vom Landschaftspflegeverband. Doch wer kommt für die Restkosten auf? Dies bat der Teilnehmer Bernhard Christoph zu prüfen.

Bahnunterführung in Lichtenfels große Herausforderung

Großen Anteil an den Gesamtkosten könnte der Leuchsenbach haben: Seine Überformung und der harte Verbau vor allem im Stadtgebiet Lichtenfels, Mistelfeld und Klosterlangheim und diverse Querbauwerke belasten das Ökosystem. Beispiele bilden vor allem der Absturz des Wassers und der Kanal unterhalb Bahnunterführung. Diese selbst führt meist viel zu niedriges Wasser für die Lebewesen darin. Auch der Absturz oberhalb der Bahnunterführung bildet ein unüberwindbares Hindernis für diese. Im Zuge dessen kam im Publikum auch die Frage nach der chemisch-biologischen Wasserqualität der Gewässer auf, insbesondere am Kohlstattgraben in der Nähe der Deponie. Carolin Lang-Groß versprach, dies zu prüfen.

Landkreis Lichtenfels: Gewässerökologie muss besser werden
Vorstellung: Wie können ausgewählte heimische Gewässer ökologisch fit gemacht werden? Etaige Maßnahmen stellten Dr. Phil... Foto: Corinna Tübel

Vorgesehene Maßnahmen könnten sich folgendermaßen gestalten: Durch das Einbringen von Sohlsubstrat stehen die Chancen für eine erfolgreiche Gewässerrenaturierung gut. Für den Absturz des Wassers oberhalb der Bahnunterführung wird der Umbau in einen technischen Fischpass, eine sogenannte Fischtreppe vorgeschlagen. An der anderen genannten Stelle wird eine aufgelöste Rampe empfohlen.

Die vorgestellten Maßnahmen stehen zwischen einer allgemeinen Planung und der konkreten Ausführungsplanung von Einzelmaßnahmen. Die Kommunen wurden dazu aufgefordert, Anlieger an den betreffenden Gewässern zu informieren.

Weitere Informationen erhalten Interessierte beim Landschaftspflegeverband Landkreis Lichtenfels e.V.. unter www.lpvobermain.de.

 

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