LICHTENFELS

Landkreis Lichtenfels: Corona trifft die Musiker hart

Landkreis Lichtenfels: Corona trifft die Musiker am hart
Der Musikverein Uetzing-Serkendorf hat den Probenbetrieb wieder aufgenommen. Auftritte sind jedoch in den nächsten Monaten nicht geplant. Foto: red

Ob Kirchweihen, Schützenfest oder Korbmarkt: Der Sommer 2020 wird in die Geschichte eingehen, weil wegen der Corona-Pandemie große Veranstaltungen nicht stattfinden – zum Schutz der Gesundheit so vieler Menschen. Das hat jedoch Auswirkungen auf viele Vereine: vor allem finanziell.

Durch die fehlenden Auftritte bei den Schützenfesten in Bad Staffelstein, Lichtenfels und Ebensfeld etwa, oder des Bierbrauerfestes sowie der Grieser Kerwa fehlen der Musikvereinigung Ebensfeld wohl Einnahmen in fünfstelliger Höhe. „Das kann man nicht wieder aufholen“, sagt der 1. Vorsitzende Rudolf Dierauf. Auch eigene Veranstaltungen, wie der Frühschoppen fallen aus. Außer Mitgliedsbeiträgen und Spenden habe der Verein heuer keine Einnahmen erzielt.

Landkreis Lichtenfels: Corona trifft die Musiker am hart
Konzerte wird die Musikvereinigung Ebensfeld vorerst nicht geben können. Foto: red–

Dem gegenüber stehen jedoch die Gehälter für die Ausbilder der über 100 Kinder der Vereinigung. Fast alle von ihnen wurden online weiter unterrichtet. „Wir konnten das alles einigermaßen am Laufen halten. Zum Teil haben wir aber die Ausbildungsbeiträge reduziert“, berichtet Rudolf Dierauf, der sich auf die Solidarität der Mitglieder und deren Eltern stützen konnte. Bisher sei niemand aus der Vereinigung ausgetreten. Mittlerweile hat diese auch die Proben wieder aufgenommen – in elf Einzel-Ensembles für die Kapelle, das Schülerorchester im Garten vor der Schule. Wofür? „Wir hoffen, dass unser Herbstkonzert am 8. November stattfinden darf“, wünscht sich der Vorsitzende. „Mit unserer neuen Dirigentin, die seit Januar leider bisher nur fünf Proben bestreiten konnte, dann kam die Corona-Krise…“

Musikverein Uetzing-Serkendorf muss Jubiläums-Feier verschieben

Auch der Musikverein Uetzing-Serkendorf spürt die Auswirkungen der Corona-Krise: Durch den Ausfall von Festen fehle ein großer Teil der Einnahmen, sagt Vorsitzender Markus Krappmann. Er schätzt den Verlust auf einen knapp fünfstelligen Betrag. Zwar seien die Mitgliedsbeiträge ein konstanter Posten und auch Ausgaben durch eingestellten Probenbetrieb in Form von Dirigenten- und Ausbildergehältern entfallen, jedoch ließen sich die Beträge nicht vergleichen. „Aufholen kann man das keinesfalls. Natürlich hat der Verein ein kleines finanzielles Polster, aber wir wollten aus dem Gewinn durch das Kreismusikfest noch mehr Rücklagen bilden.“ Das jedoch musste, zusammen mit der 50-Jahr-Feier des Musikvereins auf Pfingsten 2021 verschoben werden. „Wir hatten schon alles für dieses Fest organisiert“, berichtet Krappmann. „Zeltverleih, Kapellen, Musikvereine und Vieles mehr. Zum Glück haben die meisten schon für den neuen Termin zusagen können.“

Auch, wenn die Proben nun „Open-Air“ wieder stattfinden, herrscht noch lange kein Normalbetrieb – bei schlechtem Wetter muss das gemeinsame Üben ausfallen. Denn weder in Uetzing noch in Serkendorf gibt es einen Raum, in dem das Sicherheits- und Hygienekonzept für den Musikverein mit den Mindestabständen zwischen den Musikern eingehalten werden kann. Er hoffe auf eine Initiative des Kreisvorstands.

„Die laufenden Kosten und Ausgaben, ein mittlerer vierstelliger Betrag, können durch die Mitgliedsbeiträge allein nicht aufgefangen werden.“
2. Vorsitzender Martin Dirauf, Leuchsentaler Blasmusik Mistelfeld
Landkreis Lichtenfels: Corona trifft die Musiker am hart
Mit ihrer Tracht und Spielfreude sind die Musiker der Leuchsentaler Blasmusik ein Erlebnis. Während die Einnahmen durch ... Foto: Archiv-Martin Dirauf

Ähnliches berichtet die Leuchsentaler Blasmusik Mistelfeld: „Wir werden über die Runden kommen“, erklärt 2. Vorsitzender Martin Dirauf. „Aber die laufenden Kosten und Ausgaben, ein mittlerer vierstelliger Betrag, können durch die Mitgliedsbeiträge allein nicht aufgefangen werden.“ Auch für diese Musiker fallen Einnahmen durch Auftritte weg, vor allem beim Leuchsentaler Heimatfest, für das schon Vorbereitungen getroffen waren. Die Rede ist von einem mittleren vierstelligen Betrag, ebenso die weiteren Einnahmen aus Auftritten bei den Schützenfesten.

In diesem Jahr hatten die Musiker noch keinen Spieleinsatz. Auf der anderen Seite nutzt die Leuchsentaler Blasmusik ein städtisches Gebäude. Die Miete hat die Stadt Lichtenfels zwar in den letzten Monaten erlassen, jedoch müssen die Nebenkosten weiter bezahlt werden. Mit den Dirigenten konnte man sich auf eine Aussetzung der Gagen einigen, doch stehen noch Abgaben an den Nordbayerischen Musikbund oder den Trachtenverbund aus. „Zum Glück haben wir im letzten Jahr noch eine neue Musikanlage und einen Teil der Trachten neu gekauft“, so Martin Dirauf. „Aber 2022 brauchen wir eine neue Lichtenfelser Tracht für einen großen Auftritt bei unserem Partnerverein. Das wird nicht billig.“ Mit der Probe möchten die Verantwortlichen spätestens Ende Juli wieder starten: in Open-Air-Form. Kleinere Satzproben können eventuell im Probenraum stattfinden, für das ganze Blasmusikorchester sei dort laut Hygienevorschriften jedoch zu wenig Platz.

FC Fortuna freut sich über Solidarität bei Ausbildern und Trainern

Bei den Sportvereinen zeigt sich ein ähnliches Bild: Die Einnahmen aus dem Spielbetrieb fehlen dem FC Fortuna Roth ebenso wie die aus der Bewirtung. „Aufholen kann man das nicht mehr. Der Umsatz ist weg“, sagt 1. Vorsitzender Michael Fischer. Auch die Vermietung des Sportheims für Familienfeiern und Ähnliches war wegen der Corona-Krise nicht möglich. Ein höherer vierstelliger Betrag fehle, so Martin Fischer. Die Mitgliedsbeiträge der rund 280 Aktiven und Passiven fließen weiter, ausgetreten sei niemand.

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Auch der FC Fortuna Roth hat finanzielle Einbußen durch die Corona-Krise, wie Vorsitzender Michael Fischer berichtet. Foto: Corinna Tübel

Und die Fixkosten für Strom-, Wasser- und Wärmeversorgung laufen weiter. Der Sportplatz muss bewässert werden – ob der Spielbetrieb nun laufe oder nicht, die Prämien für die Versicherungen seien fällig. Seit zwei Wochen findet das Fußballtraining wieder statt – unter Sicherheits- und Hygieneauflagen. Die Übungsleiter haben ihren Lohn zum Wohle des Vereins gespendet. „Zum Glück sind wir in der glücklichen Lage, keine Schulden oder finanziellen Verpflichtungen zu haben, die wir gerade zurückzahlen müssen“, blickt der Vorsitzende positiv in die Zukunft. Den hofft er, dass bald wieder etwas mehr Normalität in den Spielbetrieb und das Leben der Menschen einkehren kann. Denn die Gemeinschaft im Vereinsleben fehle.

Mieterlass durch Stadt und Kreis hilft der Turnerschaft Lichtenfels

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So dicht können die TS-Nachwuchsturner zurzeit beim Traning nicht zusammenkommen. Das verursacht großen Aufwand. Foto: Archiv-Peter Jakoubek

Die Turnerschaft Lichtenfels geht davon aus, „dass die Corona-Krise den Verein nicht übermäßig belastet“, sagt 1. Vorsitzender Rudi Breuning. Der Amateurverein verzeichnet Einnahmen durch Spenden, Eintritte bei Wettkämpfen, das große Sommerfest, abteilungseigene Feste und Mitgliedsbeiträge. Ob Mitglieder in den letzten Monaten den Verein verlassen haben, werde erst bei der Jahreshauptversammlung festzustellen sein. Durch die Vereinbarung, nur Miete für Trainingsräume zu zahlen, wenn diese tatsächlich genutzt werden, entfielen in den übungsfreien Monaten Kosten. Dafür ist die TS der Stadt und dem Landkreis dankbar: „Das hilft uns sehr!“ Mittlerweile läuft das Vereinsleben langsam wieder an, „aber anders als vorher“, so Rudi Breuning. Waren vorher beim Kinderturnen 40 bis 50 Kinder, muss man sich nun vorher im Internet anmelden, da nur 20 Kinder gleichzeitig in die Turnhalle dürfen.

Keine Feuerwehrübungen, aber Einsätze?

Dagegen sind die finanziellen Einbußen für die Freiwillige Feuerwehr Altenkunstadt noch gering. Als gemeinnütziger Verein hat sie wenig Ausgaben, bekommt etwa Gerätschaften von der Gemeinde gestellt und hat durch den Ausfall des Straßenfestes wohl Verluste im dreistelligen Betrag zu verzeichnen. Sorgen bereitet dem 1. Vorsitzender Andreas Will allerdings die 150-Jahr-Feier verbunden mit dem Kreisfeuerwehrtag im kommenden Jahr. Wird sie stattfinden? Wenn ja, wie? „Wir reden hier von einem vier- oder fünfstelligen Betrag. Zeltmiete, Kapellenverträge und so weiter.“

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Ein Bild aus Tagen, in denen das Üben noch möglich war. Sorgen macht sich die Führung der Freiwilligen Feuerwehr Altenku... Foto: Dieter Radziej

Eine weitere Schwierigkeit bestehe darin, dass nahezu das komplette Vereinsleben noch „auf Eis“ liege: Bis auf einzelne Übungen an den Pumpen mit drei oder vier Mitgliedern finden keine Übungen statt. Die Freiwillige Feuerwehr hat jedoch trotz der Pandemie den Brandschutz aufrechterhalten. Die Feuerwehrleute tragen bei Einsätzen nicht nur die ganze Zeit einen Mundschutz, sondern auch die schwere Schutzkleidung am Leib. In der nächsten Sitzung soll daher nochmals beraten werden, wie der Übungsbetrieb aufrechterhalten werden kann. Ein anderer Aspekt ist die Gemeinschaft: Die rund 70 Feuerwehrleute sowie die zahlreichen Mitglieder halten weiter zusammen – wenn auch die persönlichen Kontakte fehlen.

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