LICHTENFELS

Landkreis Lichtenfels: Bürgerforscher zählen Eichhörnchen

Lichtenfels: Bürgerforscher zählen Eichhörnchen
23 Eichhörnchen wurden seit April dem Bund Naturschutz in Lichtenfels gemeldet. Foto: Heinz Ehrsam;H1

Wo leben mehr Eichhörnchen – im Wald oder in der Stadt? So genau weiß das niemand. Der Bund Naturschutz (BN) will das mit Hilfe von engagierten Bürgerforschern herausfinden. Seit einem Jahr sammelt er nun Daten über Eichhörnchen. Auch im Landkreis Lichtenfels.

„Wir wollen wissen, wie es den Eichhörnchen in Bayern geht und wie sie in unserer modernen Landschaft zurechtkommen. Dafür brauchen wir die Unterstützung von Freiwilligen, die sich gerne in der Natur aufhalten und uns zufällig beobachtete Eichhörnchen melden“, sagt Claudia Drenda vom Bund Naturschutz. „Je mehr wir wissen, umso besser können wir die flinken Kletterer und ihren Lebensraum schützen.“.

Weil immer weniger alte Bäume stehen bleiben

Obwohl Eichhörnchen in Bayern noch flächendeckend verbreitet sind, leiden sie sehr unter dem zunehmenden Verlust alter Stadtbäume und dem Verlust älterer Bäume in Laub- und Mischwäldern. Nun gibt es eine erste Bilanz des Bürgerforscher-Projektes und Tipps für eine aktive Eichhörnchen-Hilfe.

Vor kurzem startete der Bund Naturschutz das großangelegte Bürgerforscher-Projekt „Eichhörnchen in Bayern“. Ehrenamtliche sollen helfen, Daten zu erfassen, um herauszufinden, wie es den Eichhörnchen in Bayern geht und wie sie in unseren Städten, Dörfern und Wäldern zurechtkommen. Ziel ist es, mehr über ihre Verbreitung zu erfahren und das Wissen über Entwicklung und Zustand der Eichhörnchen-Populationen zu verbessern.

Es sind schon erste Meldungen eingegangen

„18 Meldungen mit insgesamt 23 Einzeltieren wurden seit Projektstart im Landkreis Lichtenfels abgegeben“, freut freut sich der Lichtenfelser Ortsvorsitzende Günter Lutz. „Bayernweit sind es sogar 10 400 Meldungen und rund 12 500 Tiere. Das sind hoffnungsvolle Zahlen für ein Pilotprojekt. Die Menschen haben großes Interesse an Eichhörnchen und möchten sich aktiv an ihrem Schutz beteiligen.“

Die Teilnahme am Projekt ist ganz einfach: Jeder kann mitmachen und Eichhörnchen-Forscher werden. Interessierte melden dem BN, wann und wo sie Eichhörnchen gesehen haben – schnell und einfach über die BN-Webseite oder noch einfacher mit der Smartphone-App „Eichhörnchen in Bayern“, die es für Android und iOS Betriebssysteme kostenfrei zum Download gibt. Eine erste Bilanz zum Projekt finden Interessenten auf der Webseite des BN unter „Aktionen/Eichhörnchen beobachten und melden“.

Alleen, Gärten, Friedhöfe oder Parks: Eichhörnchen auf dem Vormarsch

Die Nager gehören vielleicht zu den beliebtesten Wildtieren. Trotzdem haben sie es zunehmend schwer, gute Lebensräume zu finden. Der ursprüngliche Lebensraum des Eichhörnchens sind Wälder. Als so genannte Kulturfolger sind sie auch in Städten und Gärten anzutreffen. Dort ernähren sie sind von energiereichen Baumsamen und -früchten, die jedoch erst ab einem gewissen Baumalter produziert werden. Im Siedlungsbereich profitieren die Baumkletterer von den traditionellen Streuobstwiesen und Pflanzungen von Walnussbäumen und Haselnusssträuchern.

Wirft der Naturfreund einen Blick auf die interaktive Bayernkarte der Projektmeldeseite, gewinnt er den Eindruck, dass Eichhörnchen nur in der Stadt leben. „Dieser Anschein trügt. Momentan sind mehr interessierte Tierfreunde in den Städten und Siedlungen unterwegs und melden dort ihre gesichteten Tiere“, sagt Ute Hauptfleisch. „Aus diesem Grund freuen wir uns besonders über Daten zum Vorkommen von Eichhörnchen aus größeren Waldgebieten, beispielsweise dem Bucher Forst und dem Langheimer Forst.“

Trotzdem gilt: Jede Meldung ist wichtig! „Die bisher eingegangenen Daten sind sehr gut und verraten uns eine Menge über das Verhalten und die unterschiedlichen Fellfarben der Eichhörnchen“, so die Naturschützerin. „Richtig gute Aussagen über die geografische Verteilung der Nager können wir aber erst treffen, wenn wir Daten aus allen Ecken Bayerns erhalten und die Meldungen mehrerer Jahre miteinander vergleichen können.“ (red)

Bund Naturschutz gibt Tipps für aktive Eichhörnchen-Hilfe

Die einfachste Hilfe ist laut Bund Naturschutz: alte Bäume stehen lassen! Diese bieten, besonders wenn Totholz vorhanden ist, auch für viele andere Tiere gute Lebensbedingungen. Ansonsten reichen oft schon ein paar Handgriffe, um den Baumkletterern zu helfen und den eigenen Garten „hörnchenfreundlich“ zu gestalten. „Pflanzen Sie nuss- und fruchttragende Gehölze, wie Haselnuss, Walnuss oder Buchen, Kastanien und Obstbäume. So können sich die sympathischen Nager mit genügend Vorräten eindecken“, rät Anton Reinhardt, BN-Kreisvorsitzender. Regentonnen können zur Todesfalle werden: Aus diesem Grund sollte unbedingt ein Deckel oder ein stabiles Drahtnetz darüber angebracht werden. Als Tränke ist eine flache Schale mit Wasser besser geeignet – die nehmen auch Vögel gerne an. Wilde Ecken in Gärten sind außerdem pflegeleicht und schaffen zusätzlich Lebensräume für Igel und Wildbienen. Dazu kann in einem Teil des Gartens die Wiese stehen bleiben und Laub und Geäst auf einem Haufen gesammelt werden. Dies ermöglicht es den Tieren, Material für ihren Unterschlupf zusammenzutragen. Mehr hilfreiche Tipps auf der Webseite des BN. (red)

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