LICHTENFELS

Landkreis Lichtenfels: Botschaft der Hoffnung in Christmette

Krippendarstellung im Franziskanerkloster in Vierzehnheiligen. Foto: Alfred Thieret

Weihnachten, das Fest der Liebe und der Nähe, stand angesichts der Corona-Pandemie in diesem Jahr unter besonderen Vorzeichen. Sind die Kirchen im Landkreis zur Christmette sonst dicht gefüllt, herrschte wegen der Hygienebestimmungen eine fast familiäre Stimmung. Statt Gemeindegesang setzten die Geistlichen auf musikalische Akzente wie in Vierzehnheiligen, wo Basilikaorganist Georg Hagel und die Sängerin Christina Röckelein aus Bamberg für den musikalischen Rahmen sorgten. Wie das Geheimnis von Weihnachten trotz der Pandemie erfahrbar ist, erläuterten der Guardian von Vierzehnheiligen, Pater Dietmar Brüggemann, und der evangelische Pfarrer von Michelau, Gundolf Beck, in ihren Predigten, die das Obermain-Tagblatt stellvertretend zusammenfasst.

„Menschwerdung, menschlich werden oder sein.“
Pater Dietmar Brüggemann, über den Sinn von Weihnachten
Pater Dietmar an der Eingangstür der Basilika Vierzehnheiligen. Foto: Gerd Klemenz

„Wenn Gott zu Besuch kommt, meldet er sich nicht beim Einwohnermeldeamt, füllt keine Fragebogen aus, zeigt keinen Ausweis. Er bleibt anonym, damit wir vor ihm nicht erschrecken oder in die Knie gehen“, zitierte Brüggemann den Dichter Wilhelm Bruners. „Wenn Gott zu Besuch kommt, kniet er nieder in hilfloser Gestalt.“ Vielleicht zeige sich Gott in hilfloser Gestalt und werde ein Kind, damit niemand vor ihm Angst haben müsse und damit er die Menschen an ihre Würde und Größe erinnere.

So wie in Zeiten von Corona alles anders sei, ein Zueinanderkommen erschwert werde, so sei auch die Geburt von Jesu wohl anders erfolgt als geplant – in der Fremde in einem Stall. So wie damals nicht alle Menschen zur Krippe gelaufen seien, bleibe heute vielen Menschen Weihnachten verschlossen. Auch deren Haltung gelte es zu respektieren.

Umso schöner sei es, von Weihnachten überrascht zu werden durch eine alltägliche Situation, die zeigt, worum es bei dem Fest geht: „Menschwerdung, menschlich werden oder sein.“ Das müsse weder an den Feiertagen geschehen, noch in der Kirche. Auch die Hirten seien zufällig in die Weihnachtsgeschichte geraten, und sie verstehen den Ruf: Euch ist heute der Retter geboren.“

So sei der Berliner Erzbischof Heiner Koch beim Besuch in der Justizvollzugsanstalt von einem Gefangenen angesprochen worden: „Wissen Sie, Herr Bischof, wenn ich abends nach dem Einschluss an Weihnachten wieder allein in meiner Zelle sitze und mir zum Heulen ist, dann weiß ich: dieser Satz, den wir gerade gesungen haben: 'Christ der Retter ist da', dieser Satz ist wahr.“ Die Erfahrung, dass Christus der Retter die Dunkelheit und Distanz durchdringe, wünschte der Pater allen Gläubigen.

Hoffnung auf einen Neuanfang nach einem schweren Jahr machte Pfarrer Gundolf Beck aus Michelau in seiner Predigt. So wie der Prophet Jesaja trotz des in Trümmern liegenden Tempels von Jerusalem zum Jubeln angesichts der Verheißung Gottes aufrief, so gelte es auch angesichts der Trümmerfelder, die die Corona-Pandemie hinterlassen habe, neue Hoffnung zu schöpfen.

Der festlich geschmückte Altar in der evangelischen Johannes-Kirche in Michelau. Foto: Alfred Thieret

„Sie werden uns bleiben, die Trümmer. Wir müssen mit ihnen umgehen, müssen mit ihnen leben lernen“, betonte der Pfarrer. So sei der zerstört Tempel von Jerusalem trotz aller Mühen wiederaufgebaut worden und nach dem Zweiten Weltkrieg hätten die Trümmerfrauen aus den Ruinen etwas Neues geschaffen. Das sei nicht einfach und danach sei nicht alles wieder gut. Aber es bestehe Hoffnung: „Gott nimmt unseren Schmerz, unsere Verluste und Enttäuschungen wahr. Und er nimmt die Trümmer auf und findet darin Platz für neues Leben.“

Hoffnung, dass die Krise die Menschen auch weiterbringt

Gundolf Beck ist evangelischer Pfarrer in Michelau. Foto: red

Das werde an Weihnachten gefeiert: „Das Heil der Welt ist mit dem Jesuskind geboren, in eine Welt voller Trümmerhaufen. Der Weihnachtsstern leuchtet durch die Trümmer hindurch... Das verändert die Welt.“ Die Hoffnung auf Gottes Heil und das Versprechen von Weihnachten helfe, böse Zeiten zu überstehen. So wie in Japan zerbrochene Teeschalen mit Gold repariert werden, gelte es aus den Trümmern der Corona-Zeit das Beste zu machen. Abgebrochene Beziehungen seien in der Krise neu geknüpft worden, Sportler hätten älteren Menschen durch Einkaufsdienste geholfen, kleine Unternehmen im Internet neue Märkte erschlossen und mancher Pfarrer habe eine Instagram-Gemeinde gegründet. Das mache Hoffnung, dass die Krise die Menschen weitergebracht habe, damit sie auch im Neuen Wege finden, ihr Leben gut zu gestalten. (red)

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