NÜRNBERG/LICHTENFELS

Kulturelle Bildung: Impfstoff gegen Extremismus

Kulturelle Bildung ist eine Voraussetzung für eine offene Gesellschaft. Foto: Pexels

Wie wirken sich Isolation und Lockdown auf die Gesellschaft aus? Kann kulturelle Bildung eine Gesellschaft widerstandsfähiger gegen Extremismus machen? Das Forum Kultur der Metropolregion Nürnberg möchte in einer Studie herausfinden, wie es um die kulturelle Bildung bestellt ist und welche Perspektiven und Potenziale es gibt.

Eine Gesellschaft ohne Kultur verliert den Zusammenhalt und ist leichter empfänglich für extreme Positionen. Totalitäre Regimes überall auf der Welt wissen das: Sie zerstören unliebsame Werke und versuchen Kunst, Literatur und andere Formen von Kultur zu kontrollieren. Aber für eine offene Gesellschaft brauchen Menschen kulturelle Bildung, also Persönlichkeitsentwicklung durch Kunst, Kultur oder Spiel. Sie ist Voraussetzung für kulturelle Teilhabe und Integration und findet idealerweise überall statt: in der Freizeit, in Kultureinrichtungen, Jugendzentren, Vereinen in Kitas und Schulen.

„Kulturelle Bildung fördert Innovationskraft, Kreativität, Verantwortungs- und Reflektionsfähigkeit“, sagt Prof. Dr. Michael Heinrich. Er ist fachlicher Sprecher des Forums Kultur und Studiendekan der Fakultät für Design an der Hochschule Coburg. „Das sind Gegenpole zu Spaltungstendenzen und gleichzeitig Schlüsselkompetenzen auch für wirtschaftlichen Erfolg.“

„Das sind Gegenpole zu Spaltungstendenzen und gleichzeitig

Schlüsselkompetenzen auch für wirtschaftlichen Erfolg.“

Prof: Dr. Michael Heinrich, Hochschule Coburg

Die Corona-Pandemie mit Lockdown und dem Verlust realer Begegnungen führte zu Abkoppelung von Schule, dem Arbeitgeber und der Gesellschaft. Videokonferenzen und Distanzunterricht können echte Begegnungen nicht ersetzen. „Der öffentliche Diskurs zerfällt in Teilkämpfe. Die Rechte von Teilgruppen treten in den Vordergrund, deshalb ist ein Gegenpol nötig: Wo sind die gemeinsamen Interessen?“, sagt Professor Heinrich. Kulturelle Bildung kann eine Gesellschaft widerstandsfähiger machen und dazu beitragen, Errungenschaften und Wertesysteme, die sich in den vergangenen Jahrhunderten entwickelt haben, zu erhalten.

Das Forum Kultur möchte mit einer wissenschaftlichen Studie herausfinden, wie es um die kulturelle Bildung in der Region bestellt ist, welche Perspektiven und Potenziale es gibt. „Aktuell ist es wichtiger denn je, die Angebote kultureller Bildung in Städten sowie im ländlichen Raum zu erfassen und zu ermitteln, ob wir unsere Zielgruppen erreichen, welche Rahmenbedingungen vorliegen und wo Entwicklungspotenziale und Handlungsbedarfe liegen.

Besonders wichtig ist eine verlässliche und kontinuierliche finanzielle Förderung, statt der bisher zu beobachtenden überwiegend projektorientierten Förderung“, so Anke Steinert-Neuwirth, Geschäftsführerin des Forums Kultur und Kultur- und Bildungsreferentin der Stadt Erlangen. So könnten aufgebaute Netzwerke, Erfahrungen und Stellen bei Kultureinrichtungen und Kommunen erhalten bleiben und ausgebaut werden.

Der Fragebogen beinhaltet Fragen zur Bedeutung sowie der Qualitäts- und Angebotslage der Kulturellen Bildung in der Metropolregion. Ziel ist es, Potenziale aufzuzeigen, aber auch Unterschiede und Hemmnisse zu erkennen. Die Erkenntnisse sollen dem Wissensaustausch und der Vernetzung der Akteure und Angebote dienen.

Ziel ist es Potenziale aufzuzeigen

„Die enge Vernetzung der Gebietskörperschaften in der Metropolregion Nürnberg auf Kultur- und Bildungsebene ist unsere große Stärke. Die Studie zur Kulturellen Bildung hat somit die besten Voraussetzungen, wichtige Erkenntnisse für die Zukunft der Kultur- und Bildungsarbeit in unseren Kommunen und Landkreisen zu liefern“, sagt Eva Döhla, politische Sprecherin des Forums Kultur und Oberbürgermeisterin der Stadt Hof.

Bis zum 31. August können sich AkteurInnen aus Kulturverwaltung und -praxis, aus Bildung und Lehre, Politik und Wirtschaft und Interessierte an der circa 30-minütigen Online-Umfrage beteiligen: onlineumfrage.hs-coburg.de Das Forum Kultur plant bis voraussichtlich Anfang 2023 über die Ergebnisse und mögliche Schlussfolgerungen zu informieren.

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