LICHTENFELS

Künftig mehr Photovoltaik in Lichtenfels möglich

Ampel-Koalition - Anteil Erneuerbarer Energien
Ein Mitarbeiter montiert Photovoltaikmodule auf dem Dach eines Wohnhauses. Der Lichtenfelser Bauausschuss entschied nun, die bisherigen Flächenverbrauchshöchstgrenzen aus dem städtischen Leitfaden zu streichen. Foto: Marijan Murat/dpa

16 Tagesordnungspunkte zwischen Bauantrag und Beschlussfassungen umfing die jüngste Sitzung des Bau- und Umweltausschusses in der Stadthalle. Ein wenig willkommener Höhepunkt dabei: eine Störung seitens einer Person im Publikum.

Im Grunde sollte der öffentliche Teil der Sitzung zügig abgehandelt werden. Die den Bürgermeister Andreas Hügerich vertretende Zweite Bürgermeisterin Sabine Rießner machte Tempo. Doch bei Punkt 12 der Sitzung angelangt, entdeckte sie im Zuschauerraum einen Mann auf der Empore, der ungefragt und auch unerlaubt Filmaufnahmen von der Sitzung anfertigte.

Gemeinsam mit Stadtbaumeister Gerhard Pülz ging sie dem nach und maßregelte den Mann für sein Tun. Dessen Reaktion war eine unsinnige Gegenfrage bei gleichzeitigem Duzen: „Habt ihr was zu verbergen?“ Dann empfahl sich der Mann nach dem Gespräch mit Pülz und Rießner bald. Ansonsten ging alles seinen zügigen Gang, aber diskutiert wurde sehr wohl.

„Habt ihr was zu verbergen?“
Ein Störenfried, der von der Empore aus Filmaufnahmen tätigte

Beispielsweise beim Tagesordnungspunkt Nummer 4, dessen Hintergrund ein Antrag der SPD-Stadtratsfraktion bildete. Es ging dabei um den städtischen Leitfaden für Photovoltaikanlagen, der ursprünglich zum Inhalt hatte, dass zwei Prozent der hiesigen landwirtschaftlichen sowie ein Prozent der Gesamtflächen der Stadt Lichtenfels als Obergrenze für einen Flächenverbrauch durch Photovoltaikanlagen festgelegt werden sollten. Stadtrat Johannes Oppel (WLJ) wies darauf hin, dass man sich „angesichts der gerade durch den Ukraine-Krieg drohenden Energiekrise womöglich keinen Gefallen“ täte, sich auf Zahlen festzulegen und regte an, diesen Passus aus dem Antrag zu entfernen.

Auch Christian Barth (JB) merkte an, dass man sich „besser keine Fesseln anlegen sollte“. Wer weiß, was die Zukunft brächte. Mit Erfolg, denn was dann mit 10:0 Stimmen verabschiedet wurde, war ein von diesen Begrenzungen freier Leitfaden, der einst im Sinne der Vision 2030 ausgearbeitet wurde und zum Kerninhalt hatte, klare Genehmigungsrichtlinien für Investoren von Photovoltaik-Anlagen zu bieten. Auch sprach Oppel an, an eine Bürgerbeteiligung hinsichtlich solcher Anlagen zu denken.

Hinsichtlich der Ukraine-Krise versicherte Stadtbaumeister Gerhard Pülz, man würde „offen in Gespräche gehen“, denn durch die Krise sei der „Sinn verstärkt“ worden, seitens der Stadt landwirtschaftliche Flächen zu halten. In einem von der Stadt ausgearbeiteten Sitzungscommunique hieß es dazu überdies, dass aktuell von der Verwaltung ein Energienutzungsplan für das gesamte Stadtgebiet ausgearbeitet wird. Aus diesem Energienutzungsplan „lässt sich künftig ableiten, welche regenerativen Energiepotenziale ausgeschöpft werden müssen, um das Stadtgebiet insgesamt (…) autark aufstellen zu können“.

Besitzer von Gartenwasserzähler müssen zwölf Euro im Jahr zahlen

Nur einer der weiteren Punkte bot eine Neuerung. Per Beschluss (9:2) gilt nun, dass die Besitzer von Gartenwasserzählern mit jährlich zwölf Euro in die Pflicht genommen werden. 561 solcher Zähler gibt es derzeit im Stadtgebiet. Laut Stadtbaumeister resultiert das daraus, dass im vergangenen Jahr „viele zusätzliche Gartenwasserzähler“ in Betrieb genommen worden sind, was Verwaltungsaufwand durch Abnahme und Beratungsgespräche verursache.

Ein weiterer Punkt des Abends bestand in dem Hinweis darauf, dass der Leuchsenbach zu vom Wasserwirtschaftsamt Kronach ermittelten Überschwemmungsgebieten zählt. Der Leuchsenbach misst zehn Kilometer Länge und befindet sich auf dem Stadtgebiet. Da die Hochwasserereignisse der vergangenen Jahre gezeigt hätten, dass es wichtig ist, aktiv gegen Hochwasserschäden vorzusorgen, wurden nun Maßnahmen getroffen und die Leuchse in „ein Risikogewässer eingeteilt“, wie Pülz erklärte.

Keine neuen Baugebiete mehr im Bereich der Leuchse

Was die Leuchse bei Hochwasser für die Innenstadt ärgerlich macht, ist die Kessellage der Stadt. Gerade seien Hochwasserschutzmaßnahmen am Laufen. „Eingebunden sind das Technische Hilfswerk, die Feuerwehr und der Bauhof“, so Pülz. Jedenfalls wird das Areal in Leuchsennähe als Überschwemmungsgebiet betrachtet und gesichert. Somit ist es dort auch nicht mehr möglich, neue Baugebiete auszuweisen. Auch gehe es „im Prinzip darum, dass alle Leute, die in diesem Gebiet etwas machen wollen, wie ein Gartenhaus erstellen oder eine Ölheizung einbauen“, das zunächst bis auf Weiteres unterlassen sollten.

Mehr und mitsamt Bemessungskarten beziehungsweise Statistik unter: www.lkr-lif.de

Künftig mehr Photovoltaik in Lichtenfels möglich
Ein ungewohntes Bild für eine Sitzung. Während Bürgermeisterin Sabine Rießner mitsamt Stadtbaumeister Gerhard Pülz einen... Foto: Markus Häggberg

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