LICHTENFELS

Kritik an Einbahnstraßen-Plänen für Lichtenfelser Grabenweg

Der Grabenweg ist so schmal, dass für einen Gehweg und zwei Fahrspuren nicht genug Platz wäre. Daher will die Stadt bei der Neugestaltung eine Einbahnstraßenregelung einführen. Foto: Gerhard Herrmann

Mit Sorge sehen die Anwohner der von der Stadt geplanten Neugestaltung des Grabenwegs entgegen. Nachdem die Gas-, Wasser- und Stromleitungen saniert wurden, soll jetzt die Fahrbahn erneuert, ein Gehweg und Pflanzbeete angelegt werden. Da die schmale Fahrbahn dadurch noch enger wird, ist eine Einbahnstraßenregelung stadtauswärts in Richtung Wallachei vorgesehen. „Das lehnt die überwältigende Mehrheit der Anwohner ab“, sagt Thomas Kandler. Eine Liste mit 21 Unterschriften haben er und seine Frau Elvira bei der Stadtverwaltung eingereicht, um diese zum Umdenken zu bewegen.

Durch den Wegfall von elf Parkplätzen wüssten viele Anwohner nicht, wohin mit ihrem Auto, da durch die historisch gewachsene Bauweise in vielen Fällen maximal ein Stellplatz pro Haus auf dem Grundstück möglich sei, erklärt Kandler. „Diese Regelung bedeutet für die Anlieger erhebliche Umwege, um zu ihren Grundstücken zu kommen und Zufahrten zu Grundstücken werden erschwert“, warnt er. So könne er künftig nur noch einen Stellplatz in seiner Doppelgarage nutzen, weil der Einfahrtswinkel stadtauswärts zu gering sei.

Wirtin fühlt sich durch Wegfall von drei Parkplätzen benachteiligt

Benachteiligt fühlt sich Christine Kotschenreuther-Fischer, die Wirtin des Gasthauses „Wallachei“, da drei Parkplätze vor ihrem Anwesen wegfallen sollen, um einen Gehweg anzulegen. „Die Gaststätten in der Stadt bekommen extra Platz für Freischankflächen und mir nehmen sie die Parkplätze weg“, kritisiert sie. Sie befürchtet dadurch Umsatzeinbußen, da viele ihrer meist älteren Gäste auf einen Parkplatz in der Nähe angewiesen seien.

Um bei der Neugestaltung einen Gehweg anzulegen, müssten drei Parkplätze vor dem Gasthaus "Wallachei" wegfallen. Die Wir... Foto: Gerhard Herrmann

Einig scheinen sich alle Anwohner jedoch nicht zu sein, auch wenn sie den Protest unterschrieben haben. Ingeborg und Emil Zifle etwa haben auf Nachfrage des Obermain-Tagblatts keine Einwände gegen die Planung, vorausgesetzt sie fänden auch künftig einen Parkplatz. „Die neue Straße wird schön und vor allem ruhiger“, meinen sie.

Neugestaltung in kaum befahrender Straße überflüssig?

„Wer den Grabenweg kennt, weiß dass hier das Verkehrsaufkommen äußerst gering ist und es bislang zu keinen Problemen kam“, betont Kandler. An einer Hand könne man die Autos abzählen, die pro Stunden die Straße passierten, Fußgänger seien noch weniger unterwegs. Vor einigen Jahren noch hätten die Kinder regelmäßig auf der Fahrbahn Fußball gespielt. Merkwürdig findet er, dass in dem vor einigen Jahren bereits sanierten östlichen Teil des Grabenwegs ein Gehweg nicht für erforderlich gehalten werde.

Eng wird es im Grabenweg, wenn auf beiden Seiten geparkt wird. Foto: Gerhard Herrmann

„Es gibt allerorts viele historisch gewachsene Straßen, welche bei geringen Verkehrsaufkommen von Fahrzeugen, Radfahrern und Fußgänger problemlos gemeinsam genutzt werden, zudem ist eine entsprechende Beschilderung und Geschwindigkeitsbegrenzung möglich“, meint Kandler. Skeptisch sind die Kandlers auch, ob die geplanten Pflanzbeete nicht zugemüllt werden und enormen Pflegeaufwand verursachen.

Thomas Kandler: Anwohner vor vollendete Tatsachen gestellt

Er kritisiert, dass die Anwohner mit der Entscheidung des Bauausschusses am 27. April vor vollendete Tatsachen gestellt und einige gar nicht informiert worden seien: „Es ist bedauerlich, dass in Lichtenfels Maßnahmen, welche die Bürger unmittelbar betreffen, nach Gutsherrenmanier entschieden werden und eine Bürgerbeteiligung praktisch nicht stattfindet.“ Das sei nicht im Sinne der „Vision 2030.“

Einen Gehweg gab's im Grabenweg bisher nicht. Das soll sich bei der Neugestaltung der Fahrbahn ändern. Foto: Gerhard Herrmann

Den Vorwurf, die Anwohner vor vollendete Tatsachen gestallt zu haben, weist Stadtbaumeister Gerhard Pülz zurück. Zwei Mitarbeiter seien etwa eine Woche lang von Haus zu Haus gegangen und hätten bis auf zwei Anwohner, die trotz mehrmaliger Versuche nicht erreichbar waren, allen die Pläne der Stadt erläutert. „Dabei haben sich bis auf einen Betroffenen alle positiv zu der geplanten Umgestaltung geäußert“, betont er. Eine Anliegerversammlung sei wegen der Corona-Pandemie nicht möglich gewesen. Diese werde am 1. Juli um 17 Uhr im Bergschloss-Park nachgeholt, wo sich maximal 25 Personen – aus jedem Haushalt eine – mit Schnelltest und unter Einhaltung der Hygienebestimmungen treffen könnten.

Gerhard Pülz: Stadt muss Wohl aller Verkehrsteilnehmer im Blick haben

Der Bauausschuss habe eine politische Entscheidung über die Planung getroffen und es seien bewusst zwei Varianten – mit und ohne Gehweg – in Auftrag gegeben worden. Somit hätten die Anwohner durchaus noch die Gelegenheit, ihre Wünsche und Kritik einzubringen. Daher sei auch der ursprünglich für Pfingsten geplante Baubeginn auf August verschoben worden. „Die Variante mit dem Gehweg wird nicht wesentlich teurer, sorgt aber für wesentlich mehr Sicherheit“, betont der Stadtbaumeister. Da der Grabenweg auch als Ausfallstraße diene und von vielen Fußgängern genutzt werde, komme die Stadt bei einem Ausbau nicht um einen Gehweg herum: „Wenn wir schon bauen, müssen wir das Wohl aller Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt im Blick haben.“ Auch an Erleichterungen wie die Nutzung der Einbahnstraße für Radfahrer entgegen der Fahrtrichtung sei gedacht.

Wichtig sei auch die Neuordnung der Parkplätze, da die Autos bisher ungeordnet am Straßenrand abgestellt würden, was die Zufahrt von Müllabfuhr und Rettungsdiensten behindere. Für die elf wegfallenden Parkplätze werde nicht nur die gleiche Anzahl neuer Stellflächen geschaffen, sondern zusätzlich seien zwei Stellplätze mit E-Ladesäulen und ein Parkplatz für Menschen mit Behinderung vorgesehen.

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