LICHTENFELS/KLOSTER BANZ

Kreisräte kämpfen um Lichtenfelser Labor

Wie geht es weiter mit dem Labor des Lichtenfelser Klinikums? Wird es im Zuge der Sparmaßnahmen im von Schulden geplagten Regiomed-Klinikverbund nach Coburg verlegt? Besonders diese Fragen beschäftigte die Kreisrätinnen und Kreisräte in der Sitzung am Montag in Kloster Banz. So machte sich Mathias Söllner (Grüne) Sorgen um die Logistik, Max Zeulner (CSU) befürchtete, dass die Notversorgung leiden könnte. Und Parteifreundin Emmi Zeulner, gleichzeitig Mitglied des Aufsichtsrates, bat die Gesellschafter, also die Landkreise Lichtenfels, Hildburghausen und Sonneberg sowie den Krankenhaus-Verband Coburg, hervorragend funktionierende Strukturen wie das Labor zu erhalten.

Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke verwies auf das Einsparungsgutachten und erklärte, dass er es als seine Aufgabe ansehe, Optionen zu zeigen, wie der Verbund, den 40 Millionen Euro Schulden drücken, wieder zukunftsfähig werden könne. Am wichtigsten sei die Patientensicherheit, dennoch dürfe es bei der Sanierung der Finanzen keine Denkverbote geben. „Die Frage lautet, ist das Labor überhaupt wirtschaftlich?“ Der Klinikverbund, der trotz Umstrukturierungen und Sparmaßnahmen in diesem und im vergangenen Jahr über zehn Millionen Euro Defizit gemacht haben wird, werde nicht ohne einen straffen und konsequenten Sanierungsprozess funktionieren. „Wenn ich das alles nicht zur Diskussion stelle, werde ich gefragt, wieso ich Spar-Potenziale nicht erkannt habe“, so Schmidtke und betonte, dass das letzte Wort immer beim Aufsichtsrat liege.

Wieso immer wieder hoch qualifiziertes Pflegepersonal die Klinik verlasse, wollten unter anderem Georg Deuerling und Winfried Ernst (beide FW) wissen. Darauf Robert Wieland, der für die bayerischen Einrichtungen zuständige Geschäftsführer: „Ich glaube nicht, dass es in Lichtenfels an der Stimmung hängt, denn wir haben hier sehr viel verbessert. Nur ist die mentale Arbeitsbelastung Covid-bedingt enorm. Beispielsweise haben Intensivpflegekräfte erzählt, wie schwer es für sie ist, mit Leuten umzugehen, die Covid leugnen, aber beatmet werden müssen.“ Im Übrigen suche man immer intensiv nach neuen Pflegekräften, dies sei aber bei allen Kliniken der Fall.

Emotional wurde es, als Theo Taubmann (AfD) trotz der hohen Inzidenz auf eine im Vergleich zur Welle im vergangenen Jahr aktuell niedrige Hospitalisierung von fünf verwies (laut bayerischem Landesamt für Gesundheit aktuell knapp neun im Freistaat; Anm. d. Red.) und den Vorwurf äußerte, dass Panik verbreitet werde. Außerdem wollte er wissen, wie viele Betten im Intensivbereich abgebaut worden seien, und wie viel Geld Regiomed dafür aus dem Strukturfonds erhalten habe.

Landrat weist Vorwurf der Panikmache zurück

Landrat Christian Meißner wies den Vorwurf der Panikmache ziemlich aufgebracht zurück und sagte Taubmann, dass es simple Statistik sei, dass bei 500 Neuinfektionen pro Woche im Landkreis wohl mehr Leute im Krankenhaus landen als bei 150 Gesamtinfizierten wie bei früheren Wellen. Robert Wieland ergänzte, dass in Lichtenfels keine Betten abgebaut worden seien, um dafür Geld zu erhalten. Im Übrigen sei der Anteil der ungeimpften Corona-Patienten bei Regiomed deutlich höher als der der Geimpften. Ebenfalls wenig Verständnis für Taubmann zeigte Sebastian Müller (SPD), der diesem riet, sich bei seriösen Quellen zu informieren.

Weitere Fragen und teilweise Lob gab es zur Reorganisation des Pflegemanagements (Bernhard Storath, CSU), einer möglich Aufstockung des Personals (Dr. Susann Freiburg, Grüne) und zur Stimmung in den Abteilungen. Natürlich wurde der Personalmangel angesprochen (Julia Spörlein, JB; Stephanie Dittrich, Grüne). Ein Problem, das aktuell die gesamte Gesundheitsbranche betrifft, wie Spörlein betonte: „Vergangenes Jahr sind 9000 Leute aus der Pflege ausgestiegen.“

Auf Nachfrage von Barbara Schatz (Grüne) zum Thema Besuchsregelung für die Palliativstation betonte Geschäftsführer Wieland, dass es kein Verbot, sondern nur eine Einschränkung gebe. Des Weiteren wurden unter anderem die Themen Pflegebudgets (Emmi Zeulner), Sparmaßnahmen (Georg Deuerling) und Großküche (Winfried Ernst) angesprochen. (hubi)