LICHTENFELS

Kommunales MVZ als wichtiger Baustein

Arztpraxis
Die SPD-Fraktion des Lichtenfelser Stadtrats möchte die ambulante medizinische Versorgung in der Korbstadt sicherstellen. Deswegen möchte sie prüfen lassen, ob es sinnvoll wäre, ein kommunales Medizinisches Versorgungszentrum einzurichten. Foto: Stephan Jansen (dpa)

Erstmals seit vielen Monaten trafen sich die SPD-Stadträte wieder persönlich zur Fraktionssitzung. Unter Berücksichtigung der gängigen Hygiene- und Abstandsregeln und unter freiem Himmel konnte sicher diskutiert werden.

Die im Hauptausschuss des Stadtrats bereits vorgestellten Erweiterungen des BRK-Kindergartens „Am Klinikum“ werden im nächsten Stadtrat öffentlich präsentiert. „Mit diesen Erweiterungen wird ein ganz wichtiger Schritt für die Sicherstellung von ausreichend Plätzen in Kitas und Kigas getan“, erläuterte Ina Dorsch. Besonderes das große persönliche Engagement des BRK-Kreisgeschäftsführers Thomas Petrak fand lobende Worte. So sagte Fraktionsvorsitzender Dr. Schille, dass „zahlreiche Projekte in den vergangenen Jahre durch das kluge Vorgehen von Thomas Petrak umgesetzt werden konnten“.

Lidl-Umbau mit zahlreichen ökologischen Ansätzen

Der geplante Umbau des Lidl-Einkaufsmarktes in der Mainau fand große Zustimmung in der SPD-Fraktion. Günter Reinlein stellte fest, dass zahlreiche ökologische Ansätze im Neubau berücksichtigt werden. „Photovoltaik zur Strom-Eigennutzung auf dem Dach, Wärmerückgewinnung aus den Kühlregalen, Verzicht auf fossile Brennstoffe für die Wärmegewinnung und die Einrichtung von E-Tankstellen sind da nur ein Paar Aspekte“, so Reinlein. Der Verkehrsbeauftragte des Stadtrats, Dietmar Heinkelmann, erklärte, dass eine direkte Verbindung der Parkplätze von Lidl und LIFE-Center vom Bauausschuss und der Stadtverwaltung gewünscht gewesen wäre. „Leider wurde eine solche Verbindung vom Betreiber des LIFE-Centers abgelehnt. Verkehrstechnisch hätte das eine Entlastung der angespannten Situation in der Mainau bedeuten können“, bedauerte Heinkelmann.

Die ambulante medizinische Versorung sicherstellen

Ein demnächst einzureichender Antrag der SPD-Stadtratsfraktion wurde anschließend besprochen. Nach dem vor kurzem gestellten Antrag für Photovoltaik- und Solarthermieanlagen am Schwimmbad, der Dreifachturnhalle und der Herzog-Otto-Schule widmet sich der neue der Sicherstellung der ambulanten medizinischen Versorgung in Lichtenfels.

Monika Faber stellte fest, dass es in Lichtenfels gegenwärtig noch eine zufriedenstellende, aber angespannte Lage im ambulanten Bereich gibt: „Aufnahmestopps für neue Patienten sind keine Ausnahme mehr. Und für unsere niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte wird es zunehmend schwerer, geeignete Nachfolger zu finden. Jüngere Kolleginnen und Kollegen interessieren sich zurzeit mehr für ein Angestelltenverhältnis.“

Zum einen habe dies mit der Bürokratie im Gesundheitswesen, zum anderen aber auch mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu tun. „Die Medizin wird immer weiblicher. In Medizinstudiengängen liegt der Frauenanteil gegenwärtig bei fast 65 Prozent. Deshalb werden in Zukunft flexible Teilzeitmodelle und Angestelltenverhältnisse häufig nachgefragt werden“, stellte Sven Eisele heraus.

„Aufnahmestopps für neue Patienten sind keine Ausnahme mehr.“
Monika Faber, SPD-Stadträtin

Ein Mittel, um den drohenden Ärztemangel auch in Lichtenfels in den Griff bekommen zu können, kann ein kommunales Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) sein. Dabei übernimmt die Kommune den Betrieb eines MVZ, stellt Ärzte und medizinisches Assistenzpersonal ein und schafft die Rahmenbedingungen für die Behandlung der Lichtenfelser Patienten. „Seit 2015 können solche kommunalen MVZs gegründet werden, und es gibt viele Erfolgsgeschichten in der ganzen Bundesrepublik“, berichtete Ina Dorsch.

Keine Konkurrenz, sondern Ergänzung

Dr. Schille ergänzte: „Wichtig ist, dass ein solches kommunales MVZ in Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten entwickelt wird. Das MVZ soll ja nicht in Konkurrenz zu den bestehenden ärztlichen Strukturen errichtet werden, sondern soll eine Ergänzung darstellen.“

Die Schneyer Stadträtin Elke Werner merkte an, dass das kommunale MVZ für die Niedergelassenen Chancen bietet: „Wer am Ende eines langen und intensiven Berufslebens etwas kürzer treten will, kann das in einer selbstständig geführten Arztpraxis nur schwierig umsetzen. Das von uns vorgeschlagene Modell eines kommunalen MVZs wird dabei helfen, den Übergang zum verdienten Ruhestand und die Nachfolgersuche deutlich zu vereinfachen.“

Aus den Erfahrungen anderer Kommunen lernen

Philip Bogdahn äußerte abschließend, dass der Weg zu einem kommunalen MVZ ein langer sein wird: „Zunächst bitten wir die Stadtverwaltung darum, die rechtlichen Möglichkeiten und Grenzen eines kommunalen MVZs zu prüfen und Kontakt mit Städten und Gemeinden aufzunehmen, die bereits ein kommunales MVZ gegründet haben. Aus deren Erfahrungen wird viel zu lernen sein.

Als nächstes müssen die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in die Projektierung eingebunden werden. Erst dann werden wir sehen, ob ein kommunales MVZ in Lichtenfels Realität werden kann. Für die Zukunft der medizinischen Versorgung in der Korbstadt und den Ortsteilen kann das kommunale MVZ aber ein enorm wichtiger Baustein sein.“ (red)

Schlagworte