LICHTENFELS

Klimapicknick am Marktplatz

Klimapicknick am Marktplatz
Grußworte aus dem Rathaus von Dr. Susann Freiburg. Im Hintergrund am Infostand sitzend (v. li.) Steffen Biskupski vom Bürgerbegehren „Klimaentscheid Lichtenfels” und BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt. Foto: Winfried Tiedge

Gesellschaftliche Herausforderungen brauchen öffentliche Gespräche, heißt es in einer Pressemitteilung. Deshalb habe man sich am zentralsten Ort für solch ein Vorhaben getroffen: zum Picknick direkt vor dem Rathaus. Eingeladen hatte das Organisationsteam hinter dem Bürgerbegehren „Klimaentscheid Lichtenfels“.

Gedanken zum „Erdüberlastungstag“

Gekommen waren unter anderen Vertreterinnen und Vertreter des Bundes Naturschutz (BN), die Sprecherin für Umweltschutz der Stadt Lichtenfels, Stadträtin Dr. Susann Freiburg und die neue Klimaschutzbeauftragte des Landkreis Lichtenfels Anika Leimeister. Neben einem Grußwort aus dem Rathaus und nachdenklichen Impulsen von BN-Kreisvorsitzendem Anton Reinhardt zum „Erdüberlastungstag“ und den zur Neige gehenden natürlichen Ressourcen der Erde hätten sich die gemeinsamen Gespräche vor allem um den Stand der Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen in der Korbstadt und im Landkreis Lichtenfels gedreht.

Gute Neuigkeiten und ein großes Aber

Die guten Neuigkeiten: Im Landkreis gebe es mit der Klimaschutzmanagerin nun endliche eine koordinierende Stelle im Klimaschutz, lobten die Mitglieder Organisationsteman. Erste Aufgabe sei es nun, den Sachstand zum bestehenden integrierten Klimaschutzkonzept zusammenzutragen. Die Korbstadt werde durch Neupflanzungen grüner, der Ausbau von erneuerbaren Energiequellen schreite voran, eine gesplittete Abwassersatzung werde diskutiert. Auf Kreisebene plane man aktuell eine effektivere und benutzerfreundlichere Ausrichtung des ÖPNV.

Dem stehe ein Aber gegenüber: „Seit der Übergabe von über 1000 Unterschriften im Januar 2022 an den Bürgermeister habe man von Seiten der Stadt wenig gehört“, so Winfried Tiedge. Die Vision 2030 mit vielen guten Ansätzen und die für Mai 2022 versprochene Novelle werde erst im Herbst angegangen. Das unter Bürgerbeteiligung erstellte Mobilitätskonzept sei noch immer nicht im Stadtrat öffentlich diskutiert oder verabschiedet worden. „Daran änderten auch die beiden Fahrraddemos nichts“, unterstrich Steffen Biskupski.

So stellten sich zwei grundsätzliche Fragen: Wollen und Können?

Unklar bleibe, welche gemeinsamen Ziele die Menschen im Landkreis und der Stadt Lichtenfels über die Parteigrenzen hinweg verfolgen. „Wollen wir alle der drohenden Klimakatastrophe ins Auge sehen und konsequent begegnen? Können unsere politischen Verantwortungsträgerinnen - und träger diesen weitreichenden Umbau unserer Lebensroutinen überhaupt alleine stemmen? Sind hier nicht die Verantwortungsbereiche, finanzielle Mittel und mit den vielen Herausforderungen angespannte Verwaltungen überfordert? Braucht es hier nicht eine viel breitere Basis? Bürgerinnen und Bürger und Initiativen, die verantwortungsvoll mit anpacken und dafür Unterstützung erfahren?“

In Formate der Bürgerbeteiligung münden

Die Lösung könnte hier in einer klaren Klimakommunikation der Politiker und Politikerinnen liegen: Jede erfolgreich umgesetzte Klimaschutzmaßnahme brauche immer die Einordnung in einen Gesamtkontext und eine klare Aufforderung an die Bürgerinnen und Bürger, wurde gefordert. So entstünde eine breite und öffentliche Diskussion, die in Bürgerbeteiligungsformate münden könnte.

Klimapicknick am Marktplatz
Gespräche am Klimapicknick. Foto: Winfried Tiedge

Denn eins stehe fest. „Bei jeder weiteren Verzögerung bei Maßnahmen für den Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel werde sich das Fenster der Gelegenheit schließen, eine lebenswerte und nachhaltige Zukunft für alle zu sichern.“ (IPPC Sachstandsbericht 2022) Das Organisationsteam freut sich, dass mit Anika Leimeister eine Ansprechpartnerin gefunden wurde, die koordinierend wirksam sein könne. (red)

 

Schlagworte