LICHTENFELS

Lichtenfelser Kita–Leiterin zwischen Freude und Sorgen

Am Eingang des Seubelsdorfer Kindergartens grüßen bunt bemalte Steine, die Kita-Kinder und Nachbarn abgelegt haben. Leiterin Ines Mai hält stolz einen Stein in die Höhe. Foto: Till Mayer

Als der Lockdown gerade begonnen hatte, berichtete Ines Mai als Leiterin des katholischen Kindergartens Seubelsdorf von ihren Erfahrungen. Jetzt kommt das normale Leben Schritt für Schritt wieder zurück. Darüber freut sich die Pädagogin. Aber sie persönlich sieht auch zahlreiche Herausforderungen für Kita-Personal, Trägerverbände und Eltern.

„,Und? Freust du dich schon auf mehr Leben in der Bude?' Jetzt ist es dieser Satz, der mir oft gestellt wird. Gerade eben – beim Spaziergang durch Seubelsdorf mit den Kids – natürlich mit Sicherheitsabstand und nur in der Kleingruppe – wurde mir dieser wieder gestellt.

Freuen… Ja, natürlich freue ich mich auf ,Leben in der Bude'. Aber auch ein goßes Gefühl von Respekt vor dem Virus und der Unklarheit der Umsetzung von dem ,Leben in der Bude' ist da. Ich möchte diese Unsicherheit, Unklarheiten und den Respekt, der sich in den letzten Wochen bei mir verstärkt eingestellt hat, aus meiner Sicht erklären.

Jede Woche haben wir Leitungen gemeinsam mit dem Träger neue Entscheidungen zu treffen, um die Umsetzungen der Notbetreuung gut zu gewährleisten. Die Berufsgruppen (der Eltern, die ihre Kinder betreuen lassen können, Anmerkung der Redaktion) wurden erweitert. Kinder von Alleinerziehenden dürfen kommen, seit über einer Woche dürfen die Vorschulkinder mit ihren Geschwistern unsere Kindertagesstätten wieder besuchen.

Wer gilt als alleinerziehend?

Da fangen schon die ersten Fragen an... Wer gilt als alleinerziehend? Was mache ich mit Eltern, die ein sogenanntes Wechselmodell haben? Ab wann dürfen ältere Geschwister aufpassen? Und, wie sollen wir es schaffen, Geschwisterkinder, die vom Alter her weit auseinander liegen, in einer Gruppe zu betreuen? Gibt es Vorlagen für ein stimmiges Hygienekonzept?

Wenn der Zeitungsfotograf kommt, dann das Foto lieber aus Sicherheitsgründen mit Scheibe dazwischen. Foto: Till Mayer

Fragen über Fragen, die sich viele Kita-Leitungen in der Republik wohl stellen müssen. Nicht immer gibt es dazu klare Aussagen. Da kam ein Anruf, dass sich Eltern in Quarantäne begeben müssen. Was ist jetzt mit uns? Wie soll ich vorgehen? Am Ende haben wir es gut gemanagt. Es war zum Glück ein Fehlalarm. Aber der Schreck sitzt in den Knochen.

Es kommen weitere Herausforderungen auf viele Kitas zu: Am besten keine Schließtage in den Sommerferien. Der nächste Schritt soll dann sein, dass nach Pfingsten die sogenannten „mittleren“ Kinder in den Kindergarten kommen, und Krippenkinder, die ab September in den Kindergarten können. Aber was ist mit den Eltern, die beide arbeiten? Wurden die vergessen?

Ungewohnte Herausforderungen durch die Pandemie

Soll ich im September zu meinen alten „kleinen“ Krippenkindern noch acht neue Kinder eingewöhnen? Aber keiner weiß, wie in diesen Zeiten eine sichere, gute Eingewöhnung mit Eltern stattfinden kann? Die Folgen der Pandemie stellen uns Kita-Pädagogen, aber auch Träger und Entscheidungsträger in der Politik vor ungewohnte Herausforderungen.

Ich hab meinen Sorgen und Ärger an verschiedenen Stellen Luft gemacht. Durch unsere Fachberatung bat ich, die Stimmen aus der Praxis vermehrt zu berücksichtigen. Und ob denn seitens der Trägerverbände eine Stellungnahme an das Staatsministerium geplant sei. Auch an oberster Stelle unseres Landkreises rief ich an. Ich wurde zumindest angehört und eine Stellungnahme ist geplant.

Liebe Eltern, nicht falsch verstehen. Ich freue mich auf ,Leben in der Bude'. Doch ich möchte, dass es pädagogisch sinnvoll ist – und der Gesundheitsschutz berücksichtigt wird. Denn bei uns in den Kindertagesstätten spricht keiner mehr von kleinen Gruppen oder Wechselschichten wie in der Schule.

Die Empfehlung lautet: Keine Mischung der Gruppen

Keine Mischung der Gruppen – auch nicht personaltechnisch, heißt es in einer Empfehlung. Wie soll das während einer Ferienzeit funktionieren – in der ich aufgrund des gewünschten Verzichts auf lange Schließzeiten nun bald fünf Wochen lang nur mit der Hälfte des Personals fahre? Wie soll ich ein Kleinstkind in einer Kindergartengruppe betreuen, damit Geschwister nicht getrennt werden? Dann sollen die Kinder, die eine schulvorbreitende Einrichung am Vormittag besuchen, mittag zu uns in den Kindergarten.

Am Zaun lächeln die Kindergarten-Kids von Fotos. Noch sind nicht alle Kinder in ihre Gruppen zurückgekehrt. Foto: Till Mayer

Sollte alles Gedachte wirklich umgesetzt werden, haben wir im Seubelsdorfer Kindergarten bereits nach Pfingsten eine Auslastung zu 95 Prozent. Und ab 1. Juli soll ja bei uns alles normal laufen.

Und dann? Ich habe große Sorge um die Gesundheit: für die Kinder, aber auch für mein Personal und mich. Tests für Erzieher sind im Gespräch. Sie wären wichtig. Hier ein Beispiel, warum: Eine Kollegin hatte leichtes Fieber und ging zum Arzt. Sie wurde gleich getestet. Nach einer Woche Wartezeit kam zum Glück das negative Testergebnis. Aber eine Woche war die Kollegin natürlich krank geschrieben, bis das Ergebnis da war. Das könnte man vermeiden, wenn auch wir Kita-Erzieherinnen und Erzieher generell regelmäßig und schnellstmöglich getestet werden. Sonst kann es schnell passieren, dass aufgrund des Personalstands keinerlei Betreuung in manchen Kindertagesstätten möglich sein wird.

Aber eines habe ich bei meinem vorherigen Artikel versprochen: Wir werden, natürlich nur, wenn es die Situation wieder erlaubt, ein großes Fest mit unseren Kindern feiern. Denn natürlich freuen wir uns auf Leben in der Bude.“

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