LICHTENFELS

Kindergärten am Obermain: Infektionsschutz und Kindeswohl

Kindergärten am Obermain: Infektionsschutz und Kindeswohl
Der Kindergartenalltag in Pandemiezeiten ist auch in Lichtefels ein anderer, zum Beispiel beim Bringen und Abholen der Kinder – bei vielen Einrichtungen findet dies momentan vor der Eingangstür statt. Foto: Marion Nikol

Zur Freude und Erleichterung vieler Eltern war es letzte Woche soweit: Im Zuge der Ausweitung der Notbetreuung in Kindertageseinrichtungen durften bayernweit sowohl die Vorschulkinder als auch deren Geschwister wieder den Kindergarten besuchen. Der Alltag, den sie dort vorfanden und der die Kleinen auch weiterhin begleiten wird, ist allerdings anders und ungewohnt. Denn er wird, wie auch an den Schulen, von den geltenden Hygienevorgaben geprägt. Für die Einrichtungen wiederum heißt das, einen Spagat zu meistern, und zwar zwischen dem Infektionsschutz auf der einen und dem Wohlergehen der Kinder auf der anderen Seite.

Auch in Lichtenfels stehen die Kindergärten vor der Herausforderung, die Betreuung der Kinder so zu gestalten, dass weder die Gesundheit noch die Fürsorge vernachlässigt werden. Kein leichtes Unterfangen, wenn man bedenkt, dass gerade für Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren körperliche Nähe oder auch Routinen überaus wichtig sind. Doch genau das wird in Coronazeiten extrem erschwert. Handlungsempfehlungen diesbezüglich gibt es vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Familie und Soziales in Form von Handreichungen. Hier heißt es, dass „soweit möglich Normalität gewahrt werden soll“ und nur wo nötig Anpassungen in der Arbeit mit den Kindern vorzunehmen sind. Wie diese Anpassungen aber genau aussehen, bleibt letztlich den Einrichtungen selbst überlassen.

Veränderter Alltag in kleineren Gruppen

Wo bislang in begrenztem und überschaubarem Umfang eine Notbetreuung in sehr kleinen Gruppen stattgefunden hat, herrscht nun wieder mehr Betrieb. Von den Vorschulkindern und ihren Geschwistern, die seit dem 25. Mai in Bayern wieder betreut werden dürfen, ist in Lichtenfels der größte Teil wieder zurück in den Einrichtungen. Die Gruppengrößen bewegen sich je nach Einrichtung zwischen sieben und 14 Kindern. Wie Erika Felix, Leiterin des Pfarrkindergartens Heilige Familie, erklärt, gebe es aber auch Eltern, die noch vorsichtig sind oder dem Kindergarten wegen der Pfingstfeiertage entgegenkommen. „Bei uns sind gut zwei Drittel der Vorschulkinder wieder da. Der Rest hat sich für die Zeit nach den Pfingstferien angekündigt, was uns sehr hilft, weil auch das Personal teilweise bereits Urlaub geplant hat.“

Empfang bereits an der Eingangstür

Dass vieles irgendwie anders ist, merken die Kinder bereits beim Bringen. Da Kontakte zwischen Beschäftigten und Eltern sowie Eltern untereinander reduziert werden sollen, erfolgt die „Übergabe“ bei den meisten Kindergärten bereits an der Eingangstür, wo die Erzieher die Kleinen in Empfang nehmen und beim Abholen wieder hinbringen. Die Aufteilung der Gruppen wiederum kommt auf die jeweilige Situation an. Viele Einrichtungen sind bereits zur regulären Zusammensetzung zurück gegangen, so wie es die Kinder vor Corona gewohnt waren, andere haben beispielsweise die Vorschulkinder und ihre Geschwister in eine Gruppe eingeteilt. Corinna Hackenberg, Leiterin der BRK-Kindertagesstätte ,Am Klinikum‘, und ihr Team stellen dabei vor allem die Bedürfnisse der Kinder in den Fokus: „Es gilt einfach abzuwägen, was pädagogisch sinnvoll ist, zum Beispiel im Hinblick auf vertraute Bezugspersonen. Wir wollen den Kindern Sicherheit vermitteln und sie sollen so weit wie möglich einen gewohnten Ablauf haben.“

So viel wie möglich rausgehen

Kindergärten am Obermain: Infektionsschutz und Kindeswohl
„So viel wie möglich an die frische Luft, am besten direkt nach dem Frühstück und den ganzen Vormittag“ lautet die Devis... Foto: Marion Nikol

Auch die räumlichen Gegebenheiten spielen eine Rolle, wenn es um die konkrete Umsetzung der Handlungsempfehlungen des Ministeriums geht. Da die einzelnen Gruppen möglichst nicht gemischt oder in Kontakt miteinander kommen sollen, muss zum Beispiel die Benutzung der Toiletten und Waschbecken gut koordiniert werden, wenn sich zwei Gruppen einen Waschraum teilen. Gleiches gilt für die Gartenbenutzung, die bei vielen Einrichtungen über den Tag hinweg im Wechsel erfolgt oder so organisiert ist, dass jede Gruppe ihren eigenen Bereich hat, der täglich rotiert. Christine Babucke, die unter anderem den Kindergarten Vogelnest leitet, hält es ohnehin für unerlässlich, so viel wie möglich rauszugehen, da dort auch die Ansteckungsgefahr viel geringer sei.

Schwierige Planungssituation

Was sich derzeit für alle Einrichtungen am schwierigsten gestaltet, ist die Planung und die organisatorische Ausgestaltung der Betreuung. Dies betrifft vor allem die Dienstpläne der Mitarbeiter, wie Marina Lutz, Leiterin des Kindergartens St. Bernhard in Klosterlangheim erklärt: „Es ist ein großer Spagat, die Mitarbeiter so einzuteilen, dass man den Vorschriften und Regeln gerecht wird, gleichzeitig aber auch die Befindlichkeiten und inviduelle Situation der Kinder zu berücksichtigen. Wir entscheiden alles nach bestem Gewissen und reichlicher Überlegung.“ So darf beispielsweise nicht vergessen werden, dass es Mitarbeiter gibt, die aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten können. Darüber hinaus sind viele Erzieherinnen in Teilzeit tätig. Beides stellt eine große Herausforderung für die Personalplanung in Pandemiezeiten dar, wo möglichst kein Personalwechsel zwischen den Gruppen stattfinden soll, damit Infektionsketten nachvollziehbar bleiben.

Neuerungen von jetzt auf gleich

Hinzu kommt, dass viele Infos vom Ministerium sehr kurzfrisitig eintreffen. Die jüngsten Vorgaben für die Betreuung der Vorschulkinder gingen beispielsweise erst am Freitag spätnachmittags ein. Das heißt, sämtliche Einrichtungen mussten schnell reagieren, um die betroffenen Eltern rechtzeitig per E-Mail oder telefonisch darüber zu informieren, wie es am darauffolgenden Montag weitergehen würde. Demnach sind die Kindergärten in vielerlei Hinisicht sozusagen ,on hold‘ gesetzt.

Wie Isabel Mayer, Leiterin des Maria Theresia Kindergartens betont, könne man „immer erst dann agieren, wenn konkrete Anweisungen vom Staatsministerum da sind. Das heißt, wir müssen sehr kurzfristig planen, flexibel und spontan sein.“ Ähnlich sieht das auch Ines Fuchs, Leiterin des Franziskus-Kindergartens: „Wir müssen stetig am Ball bleiben, welche Berufsgruppen einen Anspruch auf Notbetreuung haben, wie die Mahlzeiten zu organisieren sind oder was zu beachten ist, wenn wieder neue Kinder aufgenommen werden. Planen ist derzeit einfach sehr schwierig.“

Wie geht es weiter?

Kindergärten am Obermain: Infektionsschutz und Kindeswohl
Vor dem Pfarrkindergarten Heilige Familie haben alle Kinder, die noch nicht wieder in Betreuung sind, Holzbretter daheim... Foto: Marion Nikol

Unabhängig von der Organsiation der Vor-Ort Betreuung heißt es für die Kindergarten-Teams auch, weiterhin mit denjenigen all denjenigen in Kontakt zu bleiben, die noch nicht wieder betreut werden können. Dies haben die Lichtenfelser Kindergärten bereits seit den Schließungen auf unterschiedlichsten Wegen beherzigt und sind mit Eltern und Kindern telefonisch in Kontakt getreten, haben E-Mails oder auch Briefe mit Bastelanleitungen, Arbeitsblättern und organisatorischen Infos veschickt. Während sich die Kinder über das Material freuen, treibt die Eltern in diesem Zusammenhang vor allem die Frage um, wie es künftig eigentlich weitergehen soll.

Der einzige aber nicht der einfachste Weg

Eine Antwort darauf lässt sich jedoch stets nur sehr kurzfristig geben. Ein Fahrplan von Seiten der Regierung ist vorhanden, genauso wie Planungen und Konzepte bei den Kindergärten. Steigen die Zahlen allerdings wieder an, kann die Politik auch jederzeit wieder zurückrudern. In der Regel lässt man nach jedem Öffnungsschritt jeweils zwei bis drei Wochen verstreichen, um die Entwicklungen zu beobachten und dann in der nächsten Konferenz zu entscheiden, wie es konkret in den Kindergärten weitergeht. Das gilt auch für den nächsten Schritt der Ausweitung der Notbetreuung, der ab dem 15. Juni „in Frage kommt“, wie es wortwörtlich im Newsletter des Bayerischen Familienministeriums heißt.

Für die Eltern wiederum bedeutet das, weiterhin Geduld zeigen zu müssen, den Kontakt mit der Einrichtung zu halten und Verständnis dafür aufzubringen, dass ein „Fahren auf Sicht“ derzeit der einzige, wenn auch nicht der angenehmste Weg ist, sicher vorwärts zu kommen.

Schlagworte