LICHTENFELS

Kinderbuchstabensuppe: Wer lässt da seinen Müll liegen?

An heißen Tagen durch den kühlen Wald spazieren gehen oder ein Bad im See nehmen – eine echte Wohltat für Körper und Geist. Wären da nicht die nervigen Stechmücken, die sich angesichts des Klimawandels auch in unseren Breitengraden immer wohler fühlen. Ein Spaziergang durch den Park mit Kindern und Hund im Schlepptau und einem schönen Picknick als Höhepunkt des Ausflugs – beste Draußenzeit. Wären da nicht überall Müllreste von Menschen, die vorher die gleiche Idee hatten, aber „zu dumm waren, ihren Sachen in den Mülleimer zu werfen oder wieder mit nach Hause zu nehmen.“ (Kindermund tut Wahrheit kund.)

Das Motto des diesjährigen Umwelttages im Juni lautete „Natürlich Klima schützen: Moore, Wälder und Meere erhalten!“ Um auch in diesem Jahr den Umwelttag zu begleiten, haben wir für Sie, werte Naturliebhaberinnen und Naturliebhaber, drei Buchtipps ausgewählt.

Eine warmherzige Geschichte über ein alltägliches Problem

Zwei engagierte Frauen, denen die Umwelt eine Herzensangelegenheit ist, haben ein wunderbares, zum Nachdenken anregendes Bilderbuch geschaffen und selbst heraus gebracht. Ein Buch, das Kinder für die Problematik des Mülls in der Natur sensibilisieren möchte, ohne dabei mit moralischen Floskeln daherzukommen. Die Geschichte „Egon Eichhorn und der wilde Müll im Wald“ von Alina Gries und Alina Spiekermann überzeugt mit sympathischen Figuren, kindgerechten Worten und warmherzigen Illustrationen, die einen mit in den Wald und ein immer größer werdendes Problem nehmen.

Egon Eichhorn schmiedet für seine Winterruhe Pläne und überlegt dabei, was er alles für die kühlen Monate brauchen könnte, um es in seinem Kobel besonders gemütlich zu haben. Auf seinem Weg durch den Wald trifft er seine Freunde, die alle etwas zu seinem Wintervorrat beitragen möchten. Aber was sind das für merkwürdige Dinge, die Igel Ina, Waschbärenfrau Wilma und Fisch Ferdi ihrem Freund dem Eichhörnchen anbieten? Egon kann sich keinen Reim darauf machen, warum seine Freundinnen und Freunde ihm Sachen schenken, die die Zweibeiner im Wald liegen gelassen haben – denn was nützlich ist, behalten die Menschen doch bestimmt für sich selbst. Oder vielleicht doch nicht?

Neugierig nimmt er all die neuen, unbekannten Menschendinge an sich. Aber als der Winter kommt, merkt Egon, dass all die gesammelten Sachen weder essbar sind, noch warm halten können. Doch Menschen lassen nicht nur Müll achtlos im Wald liegen, sie können auch hilfsbereit sein und hungrige Eichhörnchen mit Futter versorgen.

Neben der warmherzigen Geschichte mit der klaren Botschaft findet man im Anhang Informationen zu Autorin, Illustratorin und wie ein Buch entsteht, Ausmalbildern von allen Charakteren sowie Begriffserklärungen, die beim Vorlesen helfen. Ein rundum liebevoll gestaltetes Bilderbuch, das sich mit dem kleinen bebrillten Eichhörnchen Egon und seinem Aufruf zur Rücksichtnahme und der Wichtigkeit von Umweltschutz ins Leserinnen- und Leserherz schleicht.

Kampf gegen Plastik, für Bäume und zur Rettung von Ressourcen

Mit dem Kinderbuch „Klimahelden. Von Goldsammlerinnen und Meeresputzern“haben Hanna Schott und Volker Konrad ein spannendes und anregendes Kinderbuch geschaffen. Es erzählt uns in kurzen Geschichten von engagierten Kindern und Jugendlichen, die mit ihren Initiativen und Ideen zu wahren Klimahelden werden. Da sind zum einen Melati und Isabel auf Bali, die sich mit Inbrunst gegen den Plastikmüll auf ihrer Insel einsetzen und die Aktion „Bye, bye, Plastic Bags“ ins Leben gerufen haben. Eine Initiative, die es inzwischen in 26 Ländern gibt und die überwiegend von Kindern und Jugendlichen geleitet wird. Da sind zum anderen Oskar und Mathilde aus Norwegen, die sich zum Ziel gesetzt haben, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht als Wegwerfdatum verstanden wird. Und die sich an Firmen wenden, damit die Etikettierung von Lebensmitteln geändert wird, damit weniger wertvolle Nahrungsmittel nicht unnötig entsorgt werden. Weiterhin erfahren wir von Kindern, die sich in vielen Städten Deutschlands für mehr Akzeptanz fürs Fahradfahren engagieren. Felix, der im Alter von neun Jahren begonnen hat, Bäume zu pflanzen und heute mit der Organisation „Plant for the Planet“ weltberühmt ist. Jakob, der mit dem Sammeln alter Mobiltelefone zum Goldgräber wurde und viele mehr.

Dieses wichtige Buch zeigt nicht nur Kindern, sondern auch Erwachsenen überdeutlich, dass es nicht nur wichtig ist, das etwas für den Umwelt- und Klimaschutz getan wird, sondern dass wir alle es sind, die sich dafür stark machen können. Es gibt Kraft und Hoffnung und lädt auf völlig unverkrampfte Art dazu ein, sich selber auf den Weg zu machen, da jede noch so kleine Idee unglaubliche Früchte tragen kann.

Ebenso lesenswert und sehr informativ ist das Jugendbuch „Eine neue Welt. Die Natur, die Menschen und die Zukunft unseres Planeten„ von Sascha Mamczak, Martina Vogl und Katrin Stangl, das 2021 für den deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie Sachbuch nominiert war. Auf Grundlage der Frage, wie die ökologische Situation auf unserem Heimatplaneten so kritisch werden konnte und was dagegen beziehungsweise für die Erde, auf der wir leben, getan werden kann, entwickelte das Trio ein interessantes Lesebuch für alle, die sich mit dem Ökosystem Erde und der Krise näher beschäftigen möchten.

Woe man Kinder zum Nachdenken über die Probleme der Welt bringt

Dabei gelingt es ihnen, uns in einer Reflexion über Natur und Kultur zu den Anfängen mitzunehmen und den Prozess zu erläutern, der uns die aktuelle Umweltkatastrophe gebracht hat: Die Bedeutung der Natur für den Menschen, die Entwicklung der Menschheit, ihr Fortschritt und Wachstum, die Nutzung der ökologischen Ressourcen und der steigende Einfluss der Industrialisierung. Auch die politischen Maßnahmen, die unternommen wurden oder ausgeblieben sind, werden näher betrachtet und bringen unweigerlich die Frage mit sich, wie wir aus der Misere wieder herausfinden können.

Mit dem Blick auf die Zukunft gerichtet identifizieren Autorin und Autor jeden von uns als Quelle der potenziellen Änderung und rufen somit zum persönlichen Mitdenken und -handeln auf. Ohne Pathos oder Vorurteile werden in diesem sehr anregenden Buch besonders die Abhängigkeiten aufgezeigt, die zwischen Natur, Mensch und Fortschritt, Politik und Ökonomie bestehen. Und eröffnet uns nicht nur mit der erklärungsreichen Analyse, sondern auch mit einem aufschlussreichen Anhang, bestehend aus empfohlenen Büchern, Filmen, Webseiten und Organisationen, uns weiter mit dem Thema auseinander- und dafür einzusetzen.

„Wir haben die Natur von unseren Eltern geerbt. Wir haben sie aber auch von unseren Kindern geliehen.“
Vermutlich eine indigene Weisheit

„Wir haben die Natur von unseren Eltern geerbt. Wir haben sie aber auch

von unseren Kindern geliehen.“ (vermutlich eine indigene Weisheit). Mit diesen Worten möchten wir Ihnen unsere heutigen Buchempfehlungen noch einmal ans Herz legen. Im Sinne der Nachhaltigkeit können Sie Bücher auch gebraucht kaufen oder in Ihrer Bibliothek ausleihen und gegebenenfalls um Bestellung bitten, sollten diese noch nicht per Ausleihe zur Verfügung stehen.

Sie hören gerne Podcasts beim Faulenzen in der Natur oder auch beim Erledigen von Aufgaben im Haushalt? Dann empfehlen wir Ihnen passend zum Thema „Naturschutz und Wald“ unser Gespräch mit Förster und Erfolgsautor Peter Wohlleben.

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Email: post@kinderbuchstabensuppe.de

Die Buchtipps

Zum Podcast: kinderbuchstabensuppe.de

Die Bücher:

• „Egon Eichhorn und der wilde Müll im Wald“ von Alina Gries und Alina

Spiekermann (Illustrationen). Erschienen 2021 im Selfpublishing. 48 S., ab vier Jahren.

• „Klimahelden. Von Goldsammlerinnen und Meeresputzern“ von Hanna Schott

und Volker Konrad (Illustrationen). Erschienen 2020 im Neufeld Verlag.

124 S., ab 9 Jahre.

• „Eine neue Welt. Die Natur, die Menschen und die Zukunft unseres Planeten“ von Sascha Mamczak, Martina Vogl und Katrin Stangl (Illustrationen). Erschienen 2020 im Peter Hammer Verlag. 270 S., ab zwölf Jahren.