LICHTENFELS

Kinderbuchstabensuppe: Vom Sams bis zur gestohlenen Gans

Vier Adventssonntage - vier Kinderbücher passend zur (Vor-)Weihnachtszeit. Foto: Stefanie Fischer

Iris Birger und Stefanie Fischer sind Kinderbuch-Bloggerinnen. Vom Netz in die Tageszeitung geht es mit ihren Buchtipps mindestens ein Mal im Monat auf OTverbindet. Die heutigen Empfehlungen stimmen uns auf das Weihnachtsfest ein.

„Oh du fröhliche, oh du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit“, schallt es auf Weihnachtsmärkten, aus den heimischen Musikboxen und vielleicht auch aus dem ein oder anderen Kindermund. Eine fröhliche und selige Weihnachtszeit – ja, die wünschen wir unseren Kindern und uns. Und eigentlich allen Menschen rund um den Globus. Ruhig, friedlich, besinnlich sollte sie sein. Ohne Ärger und Alltagsstress. Und mit Menschen um uns, die uns wichtig sind.

Das auch ein Weihnachtsfest mit weniger bekannten und ganz verschiedenen Menschen ein wunderbares Erlebnis sein kann, dass zeigt uns das erste Bilderbuch, dass wir Ihnen und Euch in der (Vor)Weihnachtszeit ans Herz legen möchten.

„Die gestohlene Weihnachtsgans“ (erschienen 2021 bei Anette Betz im Ueberreuter Verlag) von Johanna Lindemann und Andrea Stegmaier (Illustrationen) ist eine einfühlsame Geschichte über ein Weihnachtsfest, das einerseits sehr nah an der Realität ist: Chaotisch, unperfekt, mit einem Wechselbad der Gefühle. Und andererseits so, wie man sich eine Feier an Heiligabend wünscht: voller Wärme, Hilfsbereitschaft und vielen Menschen rund um den Weihnachtsbaum oder Essenstisch. Wie in allen Familien soll das Weihnachtsfest von Emma und ihren Eltern wunderschön werden. Perfekt eben, wie man sich Weihnachten vorstellt.

Doch genauso wie in vielen anderen Familien führt genau dieser Wunsch nach einer perfekten Feier zu jede Menge Ärger und Streit. Und just in diesem ganzen Vorbereitungsstress verschwindet auch noch die Weihnachtsgans, die das Weihnachtsessen kröne sollte. Keiner der Nachbarn hat sie gesehen. Und eine Alternative kann auch nicht mehr besorgt werden, denn natürlich haben die Läden schon geschlossen.

Während die Eltern der Verzweiflung nahe sind, kann Emma die Situation entspannen und auch bei ihrer Mama und ihrem Papa für Weihnachtsstimmung sorgen. Doch die eigentliche Weihnachtsüberraschung folgt, als die drei beim weihnachtlichen Spaghetti-Essen sitzen: Die Nachbarn kommen, nach und nach, und bringen etwas von ihren Weihnachtsspeisen mit. Die eigentlich missratende Feier wird zu einem bunten, fröhlichen Fest mit vielen herzlichen Menschen. Und, das, wie Emma findet, auch ein kleines bisschen an die Weihnachtsgeschichte erinnert.

Bei dieser einfühlsamen Geschichte bleibt die Frage offen: Wer hat eigentlich die Weihnachtsgans gestohlen? Und wer nicht nur die Geschichte liest, sondern auch aufmerksam die liebevoll illustrierten, großflächigen Bilder betrachtet, der könnte eine Ahnung davon bekommen, wer der Gänse-Dieb war. Mit den stimmungsvollen und vielfältig angelegten Illustrationen ist dieses Bilderbuch nicht nur einfühlsam und außerdem lustig, sondern zeigt auch, wie wunderbar es ist, wenn Menschen trotz ihrer Unterschiede zusammen feiern, sich unterstützen und dadurch gemeinsam etwas Schönes erwachsen kann.

Wie schön wäre es außerdem, wenn alle Menschen (nicht nur) an Weihnachten einen warmen Ort hätten, einen Platz, an dem sie sich sicher, geborgen und aufgehoben fühlen? Einen Platz, wie ihn sich auch Maria und Josef in der Weihnachtsgeschichte gewünscht haben, als sie in einer fremden Stadt ankamen, in der sie niemanden kannten. Einen Platz, in der Maria, hochschwanger, zur Ruhe kommen und ihr Kind zur Welt bringen kann.

Genau einen solchen Platz suchen auch die Frau und der Mann in dem Bilderbuch „Es begab sich aber...“ von Hans-Christian Schmidt und Andreas Német (Illustrationen), dass 2022 im Klett Kinderbuch Verlag erschienen ist. In diesem Buch, dass die Weihnachtsgeschichte ganz neu erzählt, sind die Hauptpersonen, eine Frau und ein Mann, Menschen von nebenan. Menschen, die in einem fremden Land einen Schlafplatz suchen, aber immer abgewiesen werden. Menschen, erschöpft und verzweifelt, und dennoch voller Hoffnung, denn sie erwarten ein Kind. Und inmitten dieser Verzweiflung und unwegsamen Umständen kommt ihr Baby auf die Welt und verbreitet nicht nur Licht, sondern bringt auch all die Menschen zusammen, die die Ankunft dieses Kindes gemeinsam feiern.

Die zunächst dunklen, seitenfüllenden Illustrationen, die die Hauptfiguren in trister, verwahrloster Umgebung zeigen, weichen nach der Geburt des Kindes einer helleren, hoffnungsvolleren Stimmung mit viel Fröhlichkeit und Licht. Und vermitteln dadurch zusammen mit der Darstellung der unterschiedlichsten Menschen, die gemeinsam feiern, die zeitlose Botschaft der Weihnachtsgeschichte: Dass Menschen voller Hoffnung sein dürfen. Und sich gemeinsam darüber freuen dürfen. Diese Geschichte, erzählt in gereimten Versen, wunderbar kindgerecht und eingängig, leicht verständlich und dabei stimmungsvoll, ist ein wunderbares Plädoyer dafür, die christliche Weihnachtsgeschichte so zu erzählen, dass sie jeden berührt und für alle Mensch, unabhängig von ihrer Herkunft, Religion oder ihrem Glauben, zugänglich wird.

So eine tolle Geschenkmaschine wäre cool

Weihnachten und lieben Menschen mit einem Geschenk eine Freude zu machen gehört für viele fest zusammen. Einige basteln sie gerne selbst, andere kaufen sie. Und während manchem das Schenken Spaß macht, bereitet es anderen eher Schwierigkeiten. Wie gut wäre es da, wenn man eine Maschine hätte, mit der man ratzfatz alle Geschenke beisammen hätte? Genau das denken sich auch die beiden Brüder Kasimir und Kurt in „Die Erfinderbrüder und die Ratzfatz-Geschenke-Maschine“ von Johanna von Vogel und Susanne Göhlich (Illustrationen). In der 2022 im cbj Verlag erschienenen Geschichte kämpfen die beiden Jungen selbst mit dem Thema

Geschenke. Da sind zum einen die Erwartungen der Eltern, für alle Verwandten ein Geschenk zu Weihnachten zu basteln, zum anderen der vergessene Weihnachtsbasar, für den nun ganz schnell Geschenke und Basteleien organisiert werden müssen. Wie gut, wenn man als Brüder gemeinsam Sachen erfindet, denn dann kann man mit der neu entwickelte Ratzfatz-Geschenke-Maschine nicht nur viele Geschenke gleichzeitig herstellen, sondern hat auch immer die beste brüderliche Unterstützung zur Seite. Natürlich muss das alles ganz heimlich, ohne das Wissen der Eltern passieren und so kommt es, dass (man hat es schon geahnt) das ein oder andere schief geht und man neben den farbigen und wie immer frechen Illustrationen von Susanne Göhlich beim (Vor)Lesen viel zu lachen hat.

Dass die Erfinderbrüder nicht nur pfiffig und kreativ, sondern auch hilfsbereit sind, zeigt sich am Ende der Geschichte, denn so eine Ratzfatz-Geschenke-Maschine lässt sich auch zu anderen Zwecken umfunktionieren und somit anderen selbst eine große Unterstützung sein. Zu Recht dürfen da Kasimir und Kurt nicht nur stolz auf sich sein, sondern auch in rührselige Weihnachtsstimmung kommen. Eine witzig-weihnachtliche Geschichte in 24 Kapiteln, die sich wunderbar als Vorlese-Adventskalender eignet und der ganzen Familie Freude machen kann.

Und was wünschen wir uns noch für das Weihnachtsfest? Natürlich jede Menge Fröhlichkeit und gutes Essen. Riecht es da etwa schon nach Würstchen? Dann kann das lustige und immer zu Späßen bereite Sams nicht weit sein. Paul Maars neuester Sams-Streich verzückt uns wie eh und je und zugleich ist es ein ganz besonderes Buch, da es in dem Jahr erschienen ist, in dem Paul Maar seinen 85. Geburtstag feiert. Selbst wenn man den 9. Band „Das Sams feiert Weihnachten“ noch nicht kennt, so ist man mit diesem 11. Band „Das Sams und die große Weihnachtssuche“ (2022 erschienen im Oetinger Verlag) bestens beraten, um in die lustige, fantastische und spannende Welt der Samse einzutauchen. Nach einer kurzen Einleitung können selbst frische Sams-Fans sehr schnell in die Handlung einsteigen und erfahren, dass Herr Taschenbier und das Sams nach einem schönen Heiligabend und vielen menschlichen Bräuchen wieder alleine sind. Das Pauker-Sams und das kleine Mini-Sams sind nämlich bereits wieder in die Sams-Welt zurückgekehrt. Die witzigen Illustrationen vom Autor selbst zeigen uns, wie sie da leben, die Samse, umgeben von Kürbissen.

Auf eben einem solchen Kürbis thront das Übersams und dort blicken wir auf das Mini-Sams, das sich wünscht, in die Menschenwelt zurückzukehren. Das Sams, Papa Taschenbier und sogar Frau Rotkohl vermissen das Mini-Sams so sehr. Am liebsten soll es wieder zurück in die Menschenwelt kommen, aber der Zauberspruch, den sich das Mini-Sams merken muss, um in Papa Taschenbiers Zimmer zurückzureisen, ist mächtig kompliziert. So ist das eben mit dem Wünschen. Es ist gar nicht so einfach und es will genau gewünscht werden. In diesem Sinne nehmen wir uns diese Empfehlung mit, überprüfen nochmals unsere Wunschzettel und überlegen in diesem Jahr ganz genau, ob auch wir tatsächlich Würstchenketten an den Weihnachtsbaum hängen sollten. Denn unsere Hunde Lucy und Lilli fänden das bestimmt mächtig toll.“

Die Bücher

„Die gestohlene Weihnachtsgans“ von Johanna Lindemann und Andrea Stegmaier (Illustrationen). Erschienen 2021 bei Anette Betz im Ueberreuter Verlag. 32 Seiten, ab vier Jahren.

„Es begab sich aber...“ von Hans-Christian Schmidt und Andreas Német (Illustrationen). Erschienen 2022 im Klett Kinderbuch Verlag. 32 Seiten, ab vier Jahren.

„Die Erfinderbrüder und die Ratzfatz-Geschenke-Maschine“ von Johanna von Vogel und Susanne Göhlich (Illustrationen). Erschienen 2022 im cbj Verlag. 112 Seiten, ab 5 Jahren.

„Das Sams und die große Weihnachtssuche“, geschrieben und illustriert von Paul Maar. Erschienen 2022 bei Oetinger Verlag. 176 Seiten, ab 7 Jahren.

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