LICHTENFELS

Kinderbuchstabensuppe: Noah, Schulzwerge und Uli

Das neue Schuljahr ist angebrochen. Die selbst gesteckte Hausaufgabe unserer Autorinnen lautete: Drei Schätze aus dem Bücherregal ziehen für Schulkinder, Familien und Lehrkräfte. Foto: Iris Birger

Iris Birger und Stefanie Fischer sind Kinderbuch-Bloggerinnen. Vom Netz in die Tageszeitung geht es mit ihren Buchtipps zweimal im Monat auf OTverbindet. Die heutigen Empfehlungen zeigen bunte Buchtipps für den Start ins neue Schuljahr.

Endlich Schule! Es ist offiziell. Die Ferien sind zu Ende und unsere beiden Vorschulkinder wurden eingeschult. Mit Stolz, Freude, Neugierde und auch ein wenig Aufregung durften sie ihre ersten Schultage erleben. Aus dem kleinen Kindergartenrucksack längst rausgewachsen stand nun alles bereit für einen neuen Lebensabschnitt: Die knallige Schultüte voller feiner Überraschungen und die große Schultasche mit allem, was man in der 1. Klasse eben so braucht. Diesem besonderen ersten Tag sehnten nicht nur die Kleinen sondern auch wir Großen entgegen. Großeltern, Patentante oder -onkel, Freunde und Freundinnen.

Nach einem großen Hallo auf dem Schulhof standen wir Eltern nun alleine da. Erfüllt von Liebe, Stolz, Freudentränchen und zugleich der Gedanken ans Loslassen. Nun gehen sie ihren Weg ein Stück alleine. Mittags kommen sie strahlend aus dem Schulgebäude. Mit dabei der ein oder andere Hinweis, was noch besorgt werden muss und die Info: „Mama, du hast auch eine Hausaufgabe!“. Was nach all diesen ersten aufregenden Tagen nun auf gar keinen Fall fehlen darf ist daher ein weiteres Bücherdrei als Spezial für unsere großartigen Erstklässlerinnen und Erstklässler, ihre Familien und Lehrkräfte und einfach für alle, die gerne Kinderbücher lesen und vorlesen.

„Uli Unsichtbar“ von Astrid Frank, illustriert von Regina Kehn, Urachhaus Verlag. Foto: Urachhaus Verlag

„A, B, C, die Katze lief im Schnee.“ Nicht ganz, denn hier sticht die Arche Noah in See. „ABC, ABC, Arche Noah sticht in See“ von Erfolgsautor James Krüss mit Illustrationen von Günther Jakobs reiht sich ein in die Kinderliteratur für (Vor-)Schule. Das Besondere hinsichtlich der Ordnung des ABCs ist in diesem Fall, dass jedem Buchstaben gleich mehrere Tiere mit selbigem Anfangsbuchstaben und weitere ergänzende Worte zugeordnet werden, die so den Reim gelingen lassen. „Barsch befahl der Bauherr Noah: Bringt mir (weil ich es vergaß), Bitte, eine lange Boa!Brauche sie als Metermaß.“ Neben dem eigentlichen Text erkennen die kleinen Zuhörerinnen und Zuhörer somit an der Abfolge des ABCs, wie sich die Geschichte entlang der Buchstabenreihenfolge spannend aufbaut.

Wenn also der Buchstabe „Z“ erreicht wird, so müsste die Katastrophe der Sintflut überstanden und alle Tiere samt Noah wohl auf sein. Die fröhlichen und mit Tierdetails illustrierten Szenen zeigen dabei genau das, was im Text besprochen wird. Mal geht es direkt um das im Text erwähnte Tier, mal zeigt die Illustration den gestressten Noah, da dieser schließlich den Fertigstellungstermin der Arche unbedingt einhalten möchte, nun ja im Grunde genommen einhalten muss. Unser Fazit: Ein ABC-Buch das durch die bekannte Geschichte und seine gelungenen Reime beim Vorlesen und Zuhören viel Spaß bringt.

Vom Kindergarten in die Schule

Vom Kindergarten in die Schule: Viele Menschen in unserem Kindergartenfreundeskreis konnten wir mit „Die wilden Zwerge“ bereits überzeugen - einer witzigen, frechen und unfassbar ehrlichen Buchreihe rund um den Kindergartenalltag einer bunten Gruppe von liebenswerten Kindern. Dass diese Buchreihe mit wächst und uns nun „Die wilden Schulzwerge“ mit großartigen Geschichten füttern, ist in diesem Fall dem Klett Kinderbuch Verlag zu verdanken. Die Zwerge treffen sich wieder und kommen nun mit großen Erwartungen in die Schule. Nachdem die Eltern endlich das Klassenzimmer verlassen haben („Eltern raus! Eltern raus!“) und die Klasse für sich ist, kann es auch schon losgehen. Lehrkraft und Hortbetreuung sind am Start, denn die wilden Zwerge demonstrieren. Warum Morgenkreis? Warum Malen? Warum der ganze Babykram? Wann geht es endlich richtig los? Sie wollen die ganz großen Zahlen lernen, richtige Tests schreiben und echte Noten bekommen. Kindergarten war gestern, wo bleibt denn jetzt der Ernst des Lebens, von dem alle reden? Liebe Kinder, wir versprechen euch erneut: Das ist echter Alltag und sicher wieder nichts für schwache Elternnerven oder vielleicht dann gerade erst recht. Eines sei ergänzt: Auch in dieser Reihe hat das unschlagbare Team Monika Osberghaus (Verlegerin Klett Kinderbuch) und Thomas Engelhard von Kindern für Kinder geschrieben und sich Tine Schulz mit erstklassigen Illustrationen an die Seite geholt. Für diese Geschichten wird recherchiert, was das Zeug hält: Osberghaus und Engelhard sprachen mit Kindern, die von ihren ersten Tagen als Schulkind berichteten. So gelingen empathische und authentische Geschichten. Gute Kinderbücher.

Ach was, sehr gute Kinderbücher, um es endlich in Schulnoten auszudrücken. Große Leseempfehlung!

Eine neue Klasse, eine neue Schule. Viele Kinder stehen am Ende der Sommerferien genau vor dieser Situation. Egal ob in der 1. Klasse oder beim Eintritt in die weiterführende Schule oder weil gerade ein Umzug stattgefunden hat – für viele Kinder bedeutet das viel Aufregung und Unsicherheit. Und genau an dieser Stelle setzt die Geschichte von „Uli Unsichtbar“ ein. Nach dem Umzug in eine neue Stadt beginnt die Schule wieder. Uli hat sowieso etwas zu kämpfen. Seine Freunde und Großeltern, das vertraute Zuhause hat er zurückgelassen und muss jetzt in der neuen Schule wieder neu anfangen. Umso mehr freut er sich, dass er in den zwei Nachbarskindern gleich Freunde findet. Doch am ersten Schultag will nichts klappen: Uli ist schrecklich unsicher, stottert und wird prompt von den anderen aufgezogen. Durch das Gefühl von Ausgegrenztsein wird Uli immer unsicherer und zieht sich mehr und mehr zurück. Selbst seine neuen Freunde wenden sich von ihm ab. Erst als ein neues Mädchen in die Klasse kommt, taut Uli auf. Denn für Ulrike, Uli genannt, ist Uli nicht unsichtbar. Sie sieht, dass Uli unter dem Verhalten der anderen leidet und konfrontiert mit ihrer Ehrlichkeit und Offenheit nicht nur die Klasse, sondern auch die Lehrkraft mit der Situation. So kann ein neues Miteinander entstehen und auch Regeln zum Umgang innerhalb der Klassengemeinschaft geschaffen werden.

Mit diesem Buch greift Astrid Frank in ihrer Geschichte Ausgrenzung, Gruppendynamik und Mobbing in der Schule auf und schafft es, ein wichtiges und ernstes Thema nicht beklemmend, sondern sehr lebendig und feinfühlig zu erzählen. In den authentischen Protagonisten Uli, in seine Gefühle, Gedanken, Eigenschaften und Verhaltensweisen können sich Kinder gut hineinversetzen und seine Situation so ein Stück miterleben. Die wirklichkeitsnahe Darstellung, die Situationen widerspiegelt, wie sie häufig in Schule oder Gruppen anzutreffen sind, wird abgerundet durch ein beigefügtes Plakat mit Regeln, die den Umgang in der Klasse thematisieren. Dadurch wird der Raum eröffnet, um in einem anschließenden Gespräch die Geschehnisse rund um Uli nochmals aufzugreifen.

Aber auch um zu zeigen, dass jeder Mensch so wie er ist, in seiner Individualität geschätzt werden möchte und sollte. Die Illustrationen von Regina Kehn ergänzen die Geschichte auf dem Cover, im Buch und auf dem Plakat passend und machen dadurch die Geschichte noch lebendiger und eindrucksvoller. Prädikat wertvoll.

Unsere selbst gesteckte Hausaufgabe lautete: Drei Schätze aus unserem Bücherregal ziehen. Wir hoffen, dies ist uns gelungen. Es würde uns freuen, wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, der ein oder andere Tipp erreicht. Viel Freude beim Vorlesen und auf ein schönes neues Schuljahr!

Mehr Infos unter im Internet unter www.kinderbuchstabensuppe.de.

Die Bücher

„ABC, ABC, Arche Noah sticht in See“ von James Krüss, illustriert von Günther Jakobs. Erschienen 2012 (Pappbilderbuchausgabe) im Thienemann-Esslinger Verlag (Gabriel), 26 S., ab zwei Jahren.

„Die wilden Schulzwerge. Endlich Schule!“ Von Meyer/Lehmann/Schulze, illustriert von Tine Schulz. Erschienen 2015 im Klett Kinderbuch Verlag, 48 Seiten, ab sechs Jahren.

„Uli Unsichtbar“ von Astrid Frank, illustriert von Regina Kehn. Erschienen 2019 im Urachhaus Verlag, 96 Seiten, ab sieben Jahren.

 

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