LICHTENFELS

Kinderbuchstabensuppe: Familie hat so viele Gesichter

Iris Birger und Stefanie Fischer sind Kinderbuch–Bloggerinnen. Vom Netz in die Tageszeitung geht es mit ihren Buchtipps mindestens ein Mal im Monat auf OTverbindet. Mit den heutigen Empfehlungen möchten sie kleine und große Leseratten eintauchen lassen in das Phänomen Familie. Ei... Foto: Iris Birger

„Familie ist das Erste, das der Mensch im Leben vorfindet, das Letzte, wonach er die Hand ausstreckt und das Kostbarste, was er im Leben besitzt“, sagte einst Adolph Kolping. Er spricht der Familie damit einen besonderen Stellenwert zu, ist allerdings nicht in rein traditionellen Strukturen und Denkmustern gefangen.

Denn der Begründer des Kolpingwerkes wollte mit der Gründung seines Vereins Zufluchtsstätten schaffen, die Menschen einen ähnlichen Halt ermöglichten, wie sie ihn in ihren Familien vorfinden sollten. So hat Kolping vor rund 170 Jahren gedanklich Familie schon weiter gedacht – als eine Gemeinschaft von Menschen, die sich füreinander entscheiden, gegenseitig unterstützen und zusammenhalten möchten, ganz unabhängig vom Verwandtschaftsgrad.

Heute möchten wir Sie mit unseren Buchempfehlungen für kleine und große Leseratten eintauchen lassen in das Phänomen Familie und ein kleines Gewinnspiel wartet am Ende des Artikels ebenfalls auf Sie.

Vielfalt ist wirklich überall und wir sind Teil dieser bunten Vielfalt. Familie ist nie festgelegt auf Anzahl, Geschlechter und Rollen. Familie hat viele Gesichter. Und all das hat Judith Allert, Kinderbuchautorin aus Bad Staffelstein, authentisch eingefangen in ihrem neuesten Kinderbuch ,So sind Familien. Lauter liebevolle Vorlesegeschichten' – einem Vorlesebuch für Kindergarten und Grundschule.

Wir sind ganz frisch fasziniert von den schönen Kurzgeschichten mit vielen unterschiedlichen Familienmodellen, wunderbar ergänzt durch die fröhlichen und vielfältigen Illustrationen von Marie Braner. In den insgesamt 14 Kurzgeschichten lebt zum Beispiel ein verwitweter Vater mit zwei Kindern, die nach ihrem Umzug in ein neues Haus eine Leihoma finden. Es gibt viele weitere Familien mit unterschiedlichen Hautfarben, Herkünften und Sprachen. Familien mit einem Kind oder Großfamilien. Und viele dieser Familien begegnen sich in der ein oder anderen Geschichte wieder, wodurch sich für uns beim Lesen oder Betrachten der Illustrationen schöne Verknüpfungen ergeben. Es zeigt uns, wie alles zusammenwachsen kann. Auch eine Regenbogenfamilie (gleichgeschlechtliche Elternschaft) ist repräsentiert und zeigt Kindern genau das, was sie in ihrem Alltag in Kindergarten oder Schule vielleicht schon ganz natürlich erfahren haben. Holt Mama oder Mami heute ab?

Ein anderes Kind wiederum lebt vielleicht, ohne eine enge Verbindung zu seinen Eltern zu haben, ganz selbstverständlich bei den Großeltern und wird daher immer von der Oma abgeholt.

All das, liebe Leserinnen und Leser, macht unsere Zeit und unseren Alltag so besonders. Es ist das, was uns als bunte Gesellschaft ausmacht, in die unsere Kinder friedlich, tolerant und aufgeschlossen – wie sie zur Welt kamen – heranwachsen sollen, um sich individuell entfalten zu dürfen. Was mehr könnten wir uns für unsere Kinder wünschen?

Berührend – die Geschichte vom ,Findefuchs'

Berührend. Wunderschön. Zeitlos. Das ist die Geschichte vom ,Findefuchs', geschrieben von Irina Korschunow. Ein Kinderbuchklassiker für die ganze Familie, der einen warm ums Herz werden lässt. Denn der Findefuchs und seine Mutter zeigen uns, dass Liebe, Fürsorge und Nähe keine Fragen von ,echter' Verwandtschaft sind, sondern entstehen, wenn man sich füreinander entscheidet. Die einfühlsam erzählte Handlung der Geschichte nimmt große und kleine Leserinnen und Leser schnell für sich ein: Einsam und verängstigt ist das Fuchsjunge, das eine Füchsin auf ihrer Futtersuche findet. Mitleidsvoll kümmert sie sich um den kleinen Findefuchs. Lange kann sie nicht bleiben, denn sie muss nach Hause, zu ihren eigenen Kindern. Ohne Vorbehalte entscheidet sie sich aber dafür, den kleinen Fuchs mit nach Hause zu nehmen. Denn da sie sich um den kleinen Fuchs gekümmert, ihn gewärmt, ihm zu trinken gegeben hat, kann sie ihn nicht alleine lassen. Auf ihrem Weg zurück gerät die Füchsin in Gefahr, doch sie trennt sich nicht von ihrem Findelkind, überlässt es nicht seinem Schicksal, sondern tritt mit ganzer Kraft dafür ein, es zu beschützen und sicher nach Hause zu bringen.

Zuhause angekommen bemerkt sie nach kurzer Zeit, dass sie das ,fremde' Kind und ihre ,eigenen' Kinder nicht mehr voneinander unterscheiden kann. Doch das ist für die Fuchsmutter gar nicht so schrecklich, wie eine Nachbarin der Füchsin meint, sondern bedeutungslos: ,Ich habe alle vier gleich lieb, und darauf kommt es an.' So greift die Geschichte die Themen Familie und Adoption, Verlust und Neuanfang, moralische Verantwortung, Akzeptanz und Vertrauen auf, ohne sie direkt zu benennen. Die sich entwickelnden Gefühle der Fuchsmutter machen deutlich, dass Annahme, Vertrauen und Respekt Voraussetzungen in der Begegnung mit Fremdem sind. Und dass Nähe und Liebe entstehen können, wenn man Hilfsbereitschaft, Offenheit und Fürsorge zulässt. Die liebevollen Illustrationen des Kinderbuches, das 1983 auf der Auswahlliste des deutschen Jugendliteraturpreises stand, sind in schwarz-weiß und Erdtönen gehalten und vermitteln durch ihre melancholische Wirkung den gefahrvollen Weg der Fuchsmutter, aber auch die Sehnsucht des Fuchskindes nach Wärme und Geborgenheit.

Die Geschichte ist durch ihren klaren Sprachstil sowohl für kleine Kinder zum Vorlesen fürs Erstlesen geeignet. Ein Tipp für den Leseanfang: Auch auf der Lernplattform ,Antolin' ist ,Der Findefuchs' vertreten, so dass die Lesekompetenz der Kinder durch die Fragen gefördert werden kann.

Ein mehrfach ausgezeichneter Jugendroman

Im mehrfach ausgezeichneten Jugendroman ,Papierklavier' erfahren wir von Maia (16). In Wort und Bild hält sie ihre Augenblicke, ihre Höhen und Tiefen fest. Auf den ersten Blick scheinen die Tiefen zu überwiegen, da Maia gemeinsam mit ihren beiden jüngeren Schwestern und ihrer alleinerziehenden, Vollzeit berufstätigen Mutter in einer sehr kleinen Wohnung lebt und Geld sowie Essen immer knapp sind. Ihre Freizeit verbringt Maia zwischen Mini-Job und Babysitten. Eine Geschichte, die zeigt, wie enge Freundschaften zu Familie werden. Für die Höhen sorgen die kleinen Glücksmomente, die sie gemeinsam mit ihrer Schulfreundin und einer weiteren, älteren Freundin erlebt. Was die Vielfalt angeht, kann uns dieses Buch voll uns ganz überzeugen: Die sozialen Komponenten werden in den Mittelpunkt gerückt – es geht um knappe Ressourcen, Angst vor der Zukunft, Sorgen in der Gegenwart, Trauer um eine verstorbene Ersatzoma und die Frage nach der eigenen Identität und das alles in der Phase des Lebens, in der man Kopf steht.

Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und dem Aussehen, Unsicherheit mit dem anderen Geschlecht. Genau in diesem Zusammenhang verwundert es nicht, dass die Autorin im Sinne der Vielfalt auf eine Transgender-Person in Maias Leben zurückgreift. Diese drei Freundinnen verdeutlichen uns, dass es das fünfte Rad am Wagen nicht gibt und falls doch, dann ist es ein ganz besonderes und alle Räder sind gut, so wie sie sind.

Durch Anna Gusellas Illustrationen tauchen wir ab in genau diese Emotionen. Die Tagebuchkunst gleicht häufig einem Wolkenbild und als Lesende ist es uns überlassen zu interpretieren, was wir darin erkennen. Aus dieser emphatischen Verbundenheit mit Maia und den völlig unterschiedlichen Charakteren in diesem Jugendroman kann man sich das herausnehmen, was man braucht. Die Illustrationen im Tagebuchstil sind ein wahrer Augenschmaus. Wir hätten dieses Buch sehr gerne mit 15 Jahren gelesen. Wir hätten uns Maias Definitionen von Glück auf Postits geschrieben und ins Zimmer gehängt. Irgendwo neben das Poster unseres Musik Idols.“

Mehr Infos auf www.kinderbuchstabensuppe.de, Instagramm, Facebook und Spotify.

Gewinnspiel

Sie möchten das Familienbuch „So sind Familien. Lauter liebevolle Vorlesegeschichten“ gewinnen? Das geht ganz einfach! Schreiben Sie den Kinderbuch-Bloggerinnen bis einschließlich 15. Juni eine Email mit dem Betreff „Familien“ an post@kinderbuchstabensuppe.de. Unter allen eingesendeten Emails verlosen die beiden ein Exemplar dieses Buchs. Die Gewinnerin oder der Gewinner wird anschließend per Email benachrichtigt. Verantwortlich für die

Auslosung des Gewinnspiels und den Versand des Buches ist Iris Birger von Kinderbuchstabensuppe. Alle Infos zu Teilnahme können unter kinderbuchstabensuppe.de nachlesen. Viel

Glück!

Die Bücher

„So sind Familien. Lauter liebevolle Vorlesegeschichten“ von Judith Allert mit Illustrationen von Marie Braner. Erschienen 2022 bei Carlsen Verlag, 128 Seiten . Empfohlen ab vier Jahren.

„Der Findefuchs. Wie der kleine Fuchs eine Mutter bekam“ von Irina Korschunow mit Illustrationen von Reinhard Michl. Erschienen 1982 als Taschenbuch im dtv Verlag, 48 Seiten. Als Bilderbuch erschienen im Thienemann Verlag, 36 Seiten. Empfohlen ab vier Jahren.

„Papierklavier“ von Elisabeth Steinkellner, illustriert von Anna Gusella. Erschienen 2020 im Verlag Beltz & Gelberg. 140 S., ab 15 Jahren. Unter anderem ausgezeichnet mit „Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2021“ oder mit „KIMI-Siegel für Vielfalt in der Kinder- und Jugendliteratur 2020“.

„Der Findefuchs. Wie der kleine Fuchs eine Mutter bekam“ ist als Taschenbuch im dtv Verlag erschienen. Foto: dtv

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