LICHTENFELS

Kinderbuchstabensuppe: Einfach zum Gruseln schön

Die Herbstferien sind angebrochen. Ob zu Halloween oder ob das ganze Jahr über - Zauberei, Spuk und Magie haben immer Saison. Foto: Stefanie Fischer

Iris Birger und Stefanie Fischer sind Kinderbuch-Bloggerinnen. Vom Netz in die Tageszeitung geht es mit ihren Buchtipps zweimal im Monat auf OTverbindet. Die heutigen Empfehlungen sollen für gemütliche, schauerhafte Stunden sorgen.

Der November steht vor der Tür. Und mit ihm die dunklere Jahreszeit, in der es früh finster wird, Laternen und Kerzen angezündet werden. Die Bäume haben ihre Blätter verloren und stehen als kahle Gestalten im Dämmerlicht. Und manchmal, wenn dann der Wind durch die Äste bläst und Nebelschwaden vom Boden aufsteigen, läuft dem ein oder anderen vielleicht auch mal ein Schauer über den Rücken. Die ideale Zeit für Geschichten und Bücher, die mit Charme, Witz und ein wenig Gruselcharakter kleine und große Leserinnen und Leser begeistern können.

Und darüber hinaus auch zu Halloween passen. Darum haben wir drei Bücher ausgewählt, die als Bilderbuchliebling oder als Kinder- und Jugendbuchklassiker genau richtig sind, um sich bei einer heißen Tasse Kakao oder Tee auf die Couch zu kuscheln und beim (Vor)Lesen zu lachen oder ein wenig zu schaudern. Wir wünschen dabei viel Freude und schauerhaft-gemütliche Stunden.

Zauberinnen und Katzenfans aufgepasst. Mit der Bilderbuchreihe „Zilly und Zingaro“ erwarten Kindergarten- und Grundschulkinder spannende und vor allem witzige Geschichten rund um die Zauberin Zilly und ihren schwarzen Kater Zingaro. In der heutigen Bildebuchgeschichte lernen wir Zillys Zuhause kennen. Wir befinden uns in einem schwarzen Haus und da zeichnen sich die Probleme schnell ab. Der schwarze Kater wird übersehen. Zilly stolpert über ihn oder setzt sich auf ihn.

So kann es nicht weitergehen beschließt Zilly. Sie zaubert Zingaro farbig, um ihn besser zu sehen, doch auch eine bunte Katze scheint von bunten Problemen umgeben zu sein. So ist von Seite zu Seite jede Menge Quatsch vorprogrammiert und beim Betrachten der großen Wimmelbilder bringt es sehr viel Freude, die Zauberin und ihren Kater im Blick zu behalten.

Neben dem zu Beginn noch dominierenden Schwarz bieten uns die großflächigen farbigen Illustrationen viele besondere Einblicke in das Haus einer echten Zauberin. Der malerische Illustrationsstil mit zugleich feinen Zeichnungen bringt viel Schwung in die Geschichte: Ein besonderes Kleid, die vielen Ketten, die struppigen Haare, die lange Nase und die in schicken, langen Schuhen verpackten rot-gelb gestreiften Socken sind Zillys Markenbild.

Auf die Kinderfrage hin, ob Hexen immer Frauen sind und Zauberer immer Männer, haben wir seit Zilly eine ganz einfache Antwort: Hexerei und Zauberei ist für alle da! Auf jeden Fall gibt es Zauberinnen und mit Zilly sogar eine ziemlich coole Ringelsocke. Kinder finden Zilly stark und genau diese Liebe findet sich in vielen kleinen selbstgemalten Fan-Bildern im vorderen und hinteren Teil des Bilderbuchs.

Inzwischen verfilmt, als reich illustriertes Vorlesebuch ab vier Jahren oder als Kamishibai-Erzähltheater erhältlich, ist das 1966 von Otfried Preußler verfasste Kinderbuch „Das kleine Gespenst“ ein echter Klassiker. Und natürlich nicht nur für die dunklere Jahreszeit geeignet, sondern eine wunderbar zeitlose Geschichte für Kinder ab sechs Jahren zum Selbst- oder Vorlesen. Jede Nacht zur Geisterstunde spukt das friedliche kleine Gespenst durch die historischen Räume der Burg Eulenstein.

Mit seinem Schlüsselbund kann es alle Türen wie von Zauberhand öffnen und somit auf der ganzen Burg geistern, bevor es sich zum Schlafen wieder in seiner Truhe und vor dem Sonnenlicht am Tag versteckt. Das kleine Gespenster ist sehr zufrieden, doch es hat einen Wunsch, der ihm nicht mehr aus dem Kopf gehen möchte: Die Welt bei Tag zu sehen und zu erkunden. Diesen sehnsüchtigen Wunsch vertraut das abenteuerlustige Gespenst seinem Freund, einem klugen Uhu, an, der ihn vor diesem Erlebnis eindringlich warnt. Doch das kleine Gespenst ist zu neugierig und beginnt voller Tatendrang, seinen Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen. Als es ihm nach vielen Missgeschicken endlich gelingt bei Tag aufzuwachen, wird aus dem kleinen weißen Nachtgespenst plötzlich ein kleines schwarzes Taggespenst.

„Zilly und Zingaro - Zilly, die Zauberin“; erschienen bei Beltz & Gelberg; 30 Seiten, ab vier Jahren. Foto: Beltz & Gelberg

Die Welt erkundend und viele Abenteuer erlebend wünscht sich das kleine Gespenst bald wieder, nur in der Nacht zu geistern. Doch alleine kann ihm das nicht gelingen. Gut verständlich, in bildhafter Sprache und unterstützt durch fröhliche Schwarz-Weiß-Illustrationen (in den älteren Ausgaben vor 2013) von Franz Josef Tripp bzw. vierfarbig koloriert (in den neueren Ausgaben ab 2013) von Mathias Weber ist dieses bekannte Preußler-Werk eine spannend-fröhliche Geschichte über Wünsche, Freundschaft, Abenteuer und Hilfsbereitschaft. Und nicht zuletzt über das kleine Glück, Neues zu wagen und zu Bekanntem zurückzukehren.

Im Titel ein Wortspiel und Zungenbrecher enthalten, im Inhalt eine von Witz sprühende und wahnsinnig aufregende Geschichte: Das ist „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ von Michael Ende mit unheimlich anmutenden Illustrationen von Regina Kehn. Nicht ohne Grund ist dieses Buch für Kinder ab zehn Jahre ein Kult-Buch und Kinderbuchklassiker gerade, aber nicht nur, in der dunklen und etwas schaurigen Jahreszeit. Passend zum Herbst und Winter spielt die Geschichte am Silvesterabend. Beelzebub Irrwitzer, ein geheimer Zauberrat, steht vor einem Problem, denn er hat das Jahr über zu wenig böse Taten vollbracht. Und kann so seinen Vertrag mit dem Teufel, seiner Höllischen Exzellenz, der ihm magische Macht verliehen hat, nicht einhalten.

Nur die Zubereitung des satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsches kann Beelzebub Irrwitzer ein paar Stunden vor Mitternacht noch dazu verhelfen, seinen vertraglichen Pflichten dem Teufel gegenüber nachzukommen. Doch Irrwitzer ist auf seine Tante, die Geldhexe Tyrannja Vamperl angewiesen, um den Wunschpunsch zu brauen. Als diese ihn schließlich besucht, um ebenfalls den Wunschpunsch zu brauen und ihrerseits den Vertrag mit dem Teufel einzuhalten, geht ein gemeinsamer Wettlauf gegen die Zeit los – nicht wissend, dass beide im Geheimen nicht mit-, sondern gegeneinander arbeiten. Und ohne mit Jakob, dem Raben, und Straßenkater Maurizio zu rechnen, die als Spione des hohen Rates der Tiere alles daransetzen, um den Plan der beiden Bösewichter zu durchkreuzen. Ein mit Spannung und skurrilen Ideen, tollem Humor und brillantem Sprachstil gespickter Jugendroman von einem der bekanntesten deutschen Kinder- und Jugendbuchautoren, mit dem man gruselig-lustige Stunden verbringen kann.

Im Internet: www.kinderbuchstabensuppe.de

Die Bücher

„Zilly und Zingaro - Zilly, die Zauberin“ von Korky Paul (auch Illustrationen) und Valerie Thomas, und übersetzt aus dem Englischen von Barbara Haupt. Erstmalig erschienen 2004 bei Beltz&Gelberg unter dem Titel „Zilly, die Zauberin“; 30 Seiten, ab 4 Jahren.

„Das kleine Gespenst“ von Otfried Preußler und Franz Josef Tripp (Illustrationen). Erstmalig erschienen 1966 im Thienemann Verlag; 135 Seiten, ab sechs Jahren.

„Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ von Michael Ende und

Regina Kehn (Illustrationen). Erstmalig erschienen 1989 im Thienemann Verlag; 237 Seiten, ab zehn Jahren.

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