LICHTENFELS

Keine Osternacht, aber Gottesdienste in Kirchen am Obermain

Keine Osternacht, aber Gottesdienste in Kirchen am Obermain
Wie wird das Osterfest 2021 werden? Foto: Corinna Tübel

Zwar gibt es „Osterbotschaften to go“, einen kontaktlosen Kreuzweg im Alleingang mit Hilfe eines Handy-QR-Codes oder Ostertüten, doch auch die klassischen Gottesdienste wird es zu diesem Osterfest 2021 geben. „Klassisch“ im Sinne von „Präsenz“, denn viele Bestandteile und Regeln der Gottesdienste haben sich seit Beginn der Corona-Pandemie verändert: Die begrenzte Teilnehmerzahl, das durchgängige Tragen der Masken sowie das Abstandsgebot sind einige von ihnen, ebenso wie der Verzicht auf den Gemeindegesang – auch zu Ostern.

Ausgangssperre lässt Feier der Osternacht nicht zu

Die derzeitige Ausgangssperre lässt zudem die Feier einer Osternacht, wie sie oftmals gegen 22 Uhr oder später beginnt, nicht zu. Diese Schutz- und Hygienekonzepte sind es aber auch, die die Gottesdienste in der Kirche auch in den nächsten Tagen ermöglichen. Zwar raten die Landeskirchen und Erzbistümer zu digitalen Angeboten, doch zugleich bleiben Präsenzgottesdienste unter spezifischen Bedingungen weiterhin uneingeschränkt zulässig.

In der evangelischen Kirche entscheiden beispielsweise die jeweiligen Kirchenvorstände, ob und in welcher Form, an welchem Ort und zu welcher Zeit Gottesdienste stattfinden, verrät Stefanie Ott-Frühwald, Dekanin des evangelisch-lutherischen Dekanats Michelau. So bieten Kirchengemeinden wie etwa in Burgkunstadt, Schwürbitz, Lahm im Itzgrund oder Heilgersdorf, wie schon in den vergangenen Monaten, Online-Gottesdienste an, nun auch zu Ostern. Auch der Fernsehsender TV Oberfranken strahlt regelmäßig Gottesdienste in Kooperation mit dem Kirchenkreis Bayreuth, aufgenommen in den Pfarreien im Sendegebiet, aus.

Keine Osternacht, aber Gottesdienste in Kirchen am Obermain
Online-Gottesdienste mit großer Nachfrage, das erfährt auch der Dekan und Leitende Pfarrer des Seelsorgebereichs Lichten... Foto: red

Auch die katholischen Pfarreien im Landkreis gehen mit verschiedenen Formen, wie zum Beispiel einem kontaktlosen Kreuzweg zum Selber-Gehen mit QR-Code aus dem Handy in Redwitz sowie verschiedenen Videoangebote im Internet die neuen Wege der vergangenen Monate weiter.

Gottesdienste können Psyche stabilisieren

Doch nicht für alle Menschen ist diese Glaubenserfahrung geeignet: „Viele Menschen erfahren gerade in dieser schwierigen Zeit das gemeinsame Beten als besonderen Halt. Gemeinsame Gottesdienste sind für viele Besucher auch psychisch stabilisierend“, weiß Dekan Lars Rebhan, Leitender Pfarrer des Seelsorgebereichs Lichtenfels-Obermain.

Keine Osternacht, aber Gottesdienste in Kirchen am Obermain
Die Hygienekonzepte der Kirchen auch im Landkreis Lichtenfels, wie etwa in der Martin-Luther-Kirche, zeigen Wirkung: Im ... Foto: Corinna Tübel

Dem stimmt Stefanie Ott-Frühwald zu und fügt an: „Außerdem ist wohl auch der Gottesdienstort selbst ein Grund: Er ist vielen lang vertraut, mit ihm wird auch emotional viel verbunden. Es tut gerade auch Älteren gut, einen Anlass zu haben, um von zu Hause aufzubrechen und sich auf den Weg zu machen - mit einem Ziel: Gott zu begegnen und von der guten Botschaft zu hören, dass wir in all dem nicht allein sind.“

Möglich sind die Gottesdienste in diesen Zeiten durch das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland: Es schützt in Artikel 4 das Recht auf Religionsfreiheit ebenso wie das Recht auf freie Meinungsäußerung. Aus diesem Grund dürfen derzeit auch Demonstrationen stattfinden. „Unsere Demokratie hält den Raum offen dafür, dass noch mehr zu hören und zu sagen ist als das, was die Mehrheit für richtig und wichtig hält“, so die Dekanin.

Beide Kirchen nehmen dieses Recht in großer Verantwortung wahr: Immer wieder haben die Verantwortlichen in den unterschiedlichen Phasen der Pandemie abgewogen, welche Formen von Gottesdiensten der aktuellen Infektionsgefahr Rechnung tragen und welche eher nicht.

Die Rahmenhygienepläne sind daher stets mit den staatlichen Stellen abgestimmt und zeigen Erfolg: Im vergangenen Jahr seien keine Infektionsfälle in den Kirchen aufgetreten, erklärt Lars Rebhan. Dafür müsse der hohe Wert der geistlichen und psychischen Stabilisierung und des Haltes, den die Menschen im gemeinsamen Gottesdienst erfahren, mit abgewogen werden.

„Unser Glaube gründet sich in der Erfahrung, dass Gott Neues möglich macht, wo wir an Grenzen geraten.“
Stefanie Ott-Frühwald, Dekanin
Keine Osternacht, aber Gottesdienste in Kirchen am Obermain
Pfarrer heinz Geyer beim Online-Gottesdienst zum Sonntag „Misericordias Domini“ (Hirtensonntag) im Jahr 2020. Das Foto z... Foto: red

Dieser ist besonders in Zeiten der Pandemie mit ihren vielen Ängsten und Einschränkungen wichtig, die Botschaft von der Auferstehung Jesu in der Osterzeit dabei zentral: „Unser Glaube gründet sich in der Erfahrung, dass Gott Neues möglich macht, wo wir an Grenzen geraten. Auferstehungserfahrungen machen die, die aus der Trauer wieder zur Freude finden - wie die Jüngerinnen und Jünger am Ostermorgen - oder die, die nach schwerer Krankheit wieder gesund werden“, vergleicht die evangelische Dekanin. „Sie geschehen aber auch im Kleinen: Wo ich nicht nur sehe, was gerade nicht möglich ist oder was mich beschwert, sondern das, was möglich ist - trotz notwendigem Abstand und Einschränkungen.“

Auch Lars Rebhan wählt treffende Worte: „Zu den Auferstehungserfahrungen der Jünger gehört ein langsames sich Bewusst-werden, dass das Leben siegt! Dies feiern wir in besonderer Weise an Ostern.“

Oster-Zeichen und Lieder

Ein wichtiger Faktor für die Kraft aus dem Glauben heraus ist dabei die Hoffnung: Hoffnung machen für den katholischen Dekan die vielen Menschen, die sich solidarisch verhalten und alle, die sich in dieser Krise besonders für andere einsetzen. Da Hoffnung auch immer eine Frage der persönlichen Perspektive sei, brauche es Hoffnungs-Träger, die für einzelne, für gesellschaftliche Gruppen und für die Gesellschaft als Ganze immer wieder realistische Perspektiven in den Blick nehmen, eröffnen und darauf hinarbeiten.

Keine Osternacht, aber Gottesdienste in Kirchen am Obermain
Das Osterlicht kommt zu den Gläubigen nach Hause, dafür sorgt beispielsweise die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde... Foto: Corinna Tübel

Auch das Osterfest könne die Hoffnung stärken, für Stefanie Ott-Frühwald beispielsweise auch durch seine vielen Zeichen: Das Dunkel wird hell. Der Stein, der das Grab oder auch mein Herz verschließt, kommt ins Rollen. Lieder schenken Hoffnung und Mut, ganz besonders die Osterlieder. „Ich ermutige darum auch die Mitfeiernden - weil wir in unseren Gottesdiensten nicht gemeinsam singen können - sie zu Hause zu singen.“

Im Internet finden sich viele YouTube-Videos, mit denen auch Menschen, die allein sind, gemeinsam singen können. „Das übrigens auch der große Vorteil von TV- oder Online-Gottesdiensten: Da können die Lieder aus voller Kehle mitgesungen werden“, sagt sie schmunzelnd.

Auch die „Osterbotschaft to go“ ist im Angebot

Doch auch oder gerade für solche, die weder einen Gottesdienst in der Gemeinde noch einen Online-Gottesdienst besuchen, gibt es eine Botschaft, nämlich eine „Osterbotschaft to go“: Osterkerzen oder Ostertüten.“ Engagierte in vielen evangelischen Kirchengemeinden wie beispielsweise der Evangelischen Kirchengemeinde Michelau bringen diese auch zu den Menschen nach Hause, wenn diese Bedarf haben, aber die Gaben nicht abholen können.

Die genauen und vollständigen Termine der diesjährigen Ostergottesdienste im Landkreis Lichtenfels entnehmen Sie bitte den Kirchlichen Nachrichten des Obermain Tagblatts sowie den Gemeindebriefen oder Internetauftritten Ihrer Pfarreien.

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Einzelne Veranstaltungen wie etwa die Kreuzweg-Andacht am Karfreitag in der Rother Kapelle entfallen zwar, doch längst n... Foto: Corinna Tübel
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In der Martin-Luther-Kirche Lichtenfels sind die Sitzplätze für die Gläubigen auf Abstand gekennzeichnetIn der Martin-Lu... Foto: Corinna Tübel

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