LICHTENFELS

Kein „Sommerloch“ beim Blutspenden in Lichtenfels

Kein „Sommerloch“ beim Blutspenden in Lichtenfels
Bei den Blutspendeterminen vom Roten Kreuz arbeiten hauptamtliche Fachkräfte und ehrenamtliche Helfer Hand in Hand zusammen. Foto: BRK

Mit kreativen Aktionen und einer hohen Bereitschaft der Bevölkerung zur Blutspende bezwingt der BRK-Kreisverband Lichtenfels den traditionell schwierigen Sommer, nun erneut unter Corona-Bedingungen. Was diese Gemeinschaft ausmacht und was dennoch fehlt, erzählt die ehrenamtliche Rotkreuzhelferin Rosemarie Göhring aus Lichtenfels.

Das Blutspendeteam des BRK-Kreisverbandes Lichtenfels „sieht rot“ – und das ist in diesem Fall auch gut so. Denn während die Lage der Blutversorgung in den bayerischen Kliniken angespannt bleibt und durch die Ferienzeit zusätzlich belastet wird, kann man sich in der Korbstadt über steigende Spenderzahlen freuen. In diesem Jahr konnten im Landkreis bislang 3937 Blutpräparate bei 26 Terminen gewonnen werden. Das sind 224 Blutspenden mehr im Vergleich zum Vorjahr und immer wieder kommen auch Erstspenderinnen und Erstspender verschiedener Altersklassen hinzu, erzählt Rosemarie Göhring.

Anreize durch Bratwurst-Aktion

Sie ist eine von über 100 Ehrenamtlichen des regionalen Roten Kreuzes und bereits seit über 55 Jahren im Dienst. Dieser wurde ihr geradezu „in die Wiege“ gelegt, war doch ihr Vater schon sehr aktiv für das Rote Kreuz in Lichtenfels. Ihre Aufgaben reichen heute von der Vorbereitung der Termine über die Einkäufe und Verpflegung der Frauen und Männer bis hin zur Sicherstellung des ehrenamtlichen Personalbedarfs als Ergänzung des hauptamtlichen Teams des Blutspendedienstes aus Wiesentheid.

Denn „hinter den Kulissen“ ist eine Blutspende komplexer als es scheint: Seit der Corona-Pandemie sollte eine Anmeldung zum jeweiligen Termin möglichst im Internet erfolgen. In einer Gegend mit ländlichen Strukturen hält Rosemarie Göhring das eher für ungeeignet. Spontane Blutspenderinnen und -spender werden nicht abgewiesen, wie Rosemarie Göhring betont. Allerdings müssen sie etwas Zeit einplanen, da zunächst die angemeldeten Personen bevorzugt werden. Auch Erstspender sollten etwas Zeit mitbringen, da bei ihnen persönliche Daten noch aufgenommen werden müssen und eine ausführliche Information und Aufklärung erfolgt.

Die anschließende Feststellung der individuellen Gesundheitsdaten wie Körpertemperatur und Hämoglobinwert und darauf folgende Einschätzung zur Zulassung durch einen Arzt durchlaufen alle Teilnehmenden. Die eigentliche Blutspende erfolgt dann auf der Liege, anschließend gibt eine Ruhepause. Sowohl bei der Verwaltung als auch bei der Verpackung der Blutpräparate etwa sind zahlreiche Ehrenamtliche notwendig, die Hand in Hand mit dem hauptamtlichen Personal zusammenarbeiten.

Während der einzelnen „Etappen“ versorgen sie die Spenderinnen und Spender zudem mit Getränken und kleinen Snacks wie belegten Brötchen oder sogar Bratwürsten, so beispielsweise Mitte August in der Lichtenfelser Stadthalle geschehen. „Damit wollten wir noch einmal einen besonderen Anreiz für die Menschen schaffen“, erklärt Rosemarie Göhring. „Wir wissen ja, dass in der Ferienzeit viele im Urlaub sind. Aber es sind trotzdem sehr viele gekommen!“ Aus diesem Grund habe es etwa auch einen Zusatztermin im August gegeben, bei dem ebenfalls viele Ehrenamtliche unterstützt haben.

Doch nicht allen ist das in Pandemiezeiten möglich, weiß die Lichtenfelserin. Ältere Kolleginnen und Kollegen, die oftmals durch zusätzliche Erkrankungen vorbelastet seien und pausieren müssen, warten sehnsüchtig darauf, wieder ihren Aufgaben beim Blutspenden nachkommen zu können.

Viele Ehrenamtliche müssen pausieren

Stattdessen unterstützen etwa Helferinnen und Helfer des Sanitätsdienstes die Termine. „Viele von ihnen sind jünger, manchmal quirlig, das bringt frischen Wind und ist eine ganz neue Zusammenarbeit.“ Zudem arbeitet das Team an solchen Tagen in zwei Schichten. Größeren Personalmangel wegen Quarantänemaßnahmen oder Ähnlichem habe Rosemarie Göhring nicht erlebt.

Gemeinschaftsgefühl gebremst

Die Stimmung an Blutspende-Tagen ist eine andere geworden: Da die Hygienemaßnahmen in diesem Bereich ohnehin auch schon vor der Pandemie sehr hoch waren, erinnert lediglich das Tragen der Masken, das Aufstellen von Trennwänden und das Verpacken und Portionieren von Snacks an diesen Einschnitt. „Aber die Menschen bleiben nach der Spende nicht mehr da und kommen nicht mehr ins Gespräch wie früher. Das fehlt, und zwar sehr!“ Diese gemeinsamen Treffen mit neuen Kontakten und einer Kaffee- oder Imbissrunde hatte diese ganz besondere Zusammenkunft der Spenderinnen und Spender gestärkt und für viele auch ein Stück weit die solidarische Gemeinschaft ausgemacht. Viele von ihnen können auf bis zu 200 Blutspenden in ihrem Leben zurückblicken. Diesen wird derzeit durch Dankesschreiben und Präsenten zwar großer Dank entgegengebracht. „Aber vorher war es unter Beteiligung der jeweiligen Kommune ein gemeinsames Essen zum Jubiläum in ansprechender Atmosphäre, was viel persönlicher war“, so Rosemarie Göhring.

Persönliche Geschichten

Rosemarie Göhring ist froh, dass die Bevölkerung im Landkreis Lichtenfels sensibilisiert ist für den Bedarf an Blutspenden. Das sei vor rund 30 Jahren noch anders gewesen. Heute spenden die Menschen aus Verantwortungsgefühl oder weil sie durch die eigene Erkrankung oder die von Familienmitgliedern oder Freunden die Notwendigkeit dieser Gabe erkannt haben. Viele von ihnen haben Rosemarie Göhring im Laufe der Jahre an ihrer persönlichen Geschichte teilhaben lassen. So freut sie sich immer besonders, wenn sie erfährt, dass Blutspenden Leben gerettet haben: „In den 1980er Jahren zum Beispiel hat eine Ärztin dringend eine Blutspende mit seltenen Merkmalen für ein kleines Mädchen benötigt, das ohne sie keine Chance gehabt hätte. Doch es hat geklappt und da wurde eine Blutspenderin oder ein Blutspender zu einem Lebensretter!“

Auch der Besuch und der Einsatz von berühmten Sportlerinnen und Sportlern für die Blutspende sei für sie immer wieder berührend. Ein Punktesystem mit Spendergeschenken verschiedenster Art, wie im Landkreis Lichtenfels praktiziert, halte sie ebenfalls für sinnvoll.

Momente des Kümmerns stellen sich jedoch immer dann ein, wenn eine Spenderin oder ein Spender sich anschließend nicht ganz wohl fühlt oder eine kurze Ohnmacht hat. Das komme zum Glück selten vor, erzählt sie und es wird besprochen, wie der Betroffene oder die Betroffene zurechtkommt. Manche der Frauen und Männer zeigen sich auch etwas verunsichert, dann wird weiter aufgeklärt. Da auch die Ärzteschaft vor Ort zur Verfügung steht, ist eine optimale Betreuung sichergestellt.

Rosemarie Göhring und das gesamte Helferteam werden sich auch weiterhin für die gemeinnützige Aufgabe Blutspende einsetzen – auch in den kommenden Monaten, sollten die Inzidenzzahlen dennnoch weiter steigen. Denn Blutspenden werden zu jeder Zeit und manchmal ganz besonders benötigt. Hohe Hygienestandards ermöglichen deshalb sichere Abläufe.

Der nächste Termin zur Blutspende in Lichtenfels ist am 1. Oktober in der Realschule, Bad Staffelstein, zwischen 16 und 20.30 Uhr. Informationen unter www.kvlichtenfels.brk.de.

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Rosemarie Göhring mit dem Blutspender und BRK-Kreisgeschäftsführer Thomas Petrak.
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