LICHTENFELS

Jugendzentrum Lichtenfels: Der Skatepark im Winterschlaf

Schluss mit dem Winterschlaf für den Skatepark am Jugendzentrum: Das Juz-Team mit Eduard Zifle (li.) und Tom Blößl hoffen auf Sponsoren, damit neu gebaut werden kann. Foto: Till Mayer

Das Jugendzentrum und der angrenzende Skateboardpark. Das gehört zusammen. Schon seit den späten Neunzigern, als schlabbrige Holzfällerhemden und T-Shirt angesagt waren. Klamotten, die bei den heutigen Teenagern schon wieder richtig retro sind.

„Skaten kam aber nie aus der Mode“, sagt Juz-Leiter Tom Blößl. Ganz im Gegnenteil: Jetzt ist Skaten wieder so hip wie zu den Zeiten, als in Clubs und aus Ghettoblastern noch Grunge aus den Boxen wummerte.

Der zweite Frühling der Skateboard-Mania ist im Lichtenfelser Jugendzentrum im eisigen Winter versunken. Und das nicht nur wegen der jüngsten Schneefälle. Auch wenn die Bäume wieder knospen, wird der Skatepark nicht mehr befahrbar sein. „Die Holzrampen haben ausgedient“, sagt Sozialpädagoge Eduard Zifle. Jetzt soll es Rampen und Pipes aus Beton geben. Das wünschen sich zumindest das Juz-Team und skateboardbegeisterte Kids, Teenager und Twens. Laut Aussagen von Blößl würden über 150 von ihnen regelmäßig die Skatebahn nutzen. „Und damit ist für viele auch der erste Bezugspunkt zum Jugendzentrum gelegt“, erklärt der Juz-Chef weiter. Nach dem Skaten würden die Jugendlichen oft gerne noch auf ein Getränk in das Juz kommen, dort kickern, die Werkstatt nutzen – kurz, das Angebot der Einrichtung der offenen Jugendarbeit des Landratsamts und der Stadt Lichtenfels in Anspruch nehmen.

Zifle ist selbst so ein Beispiel: Der 31-Jährige nutzte schon als angehender Teenager die Anlage und lernte auf diese Weise das Jugendzentrum kennen und schätzen.

„Wenn es ans Sanieren der Anlagen ging, packten bis dato die Jugendlichen auch selbst ordentlich mit an“, fügt der Pädagoge stolz hinzu. Jetzt hätten die Geräte aber einfach ausgedient.

Tino Opitz (re.) und Ingo Biesenecker sind Bufdis im Jugendzentrum. Die Skatebahn kennen sie seit sie Kids waren. „Sie m... Foto: Till Mayer

Beton soll es nun richten: 100 000 Euro haben die Juz-ler über die Jahre an Rücklagen gebildet. „Das reicht für den Aufbau. Aber natürlich muss der Grund präpariert werden. Das kommt richtig teuer. Wir rechnen mit 60 000 Euro Kosten. Dafür sind wir auf Sponsorensuche“, erklärt Blößl.

Und er findet auch die richtigen Argumente, warum die Sache mit dem Skateboard und dem Scooter auch pädagogisch viel Sinn macht: „Kinder und Jugendliche lernen quasi durch den eigenen Erfolg. Sie geben sich ihr eigenes Tempo vor. Klappt es dann mit einem neuen Trick, dann gibt es Anerkennung von den anderen. Klappt es nicht, werden die Anstrengungen honoriert. Es gibt Tipps, es geht nicht um Konkurrenz. Das ist etwas Schönes.“

Dem pflichten die beiden Bundesfreiwilligendienstler (Bufdis) des Juz gerne bei: Timo Oppitz (17 Jahre) und Ingo Biessenecker (29). Den Jugendlichen sei ein Skatepark wichtig. „Das haben sie auch bewiesen, wenn es um Mithilfe bei Reparaturen ging. Und da sind alle dabei, Jungs und Mädels“, erklären die beiden unisono. „Ohne den Skatepark hätten wir nie das Jugendzentrum kennengelernt. Und jetzt ist es ein wichtiger Teil in unserem Leben“, so Biessenecker.

Skaten ist aber, und das lässt sich schwer leugnen, ein Hobby mit erhöhtem Unfallrisiko. „Aber auch da ist es wichtig, wenn eine Einrichtung wie das Juz da ist. Wir können erste Hilfe leisten oder, falls es notwendig ist, einen Krankenwagen rufen. Die Kids sind da in so einer Situation oft einfach überfordert“, erklärt Zifle. „Anderseits hat man zu Zeiten von Corona einen Sport, bei dem man genügend Abstand zu anderen halten kann“, fügt der 31-Jährige hinzu.

„Ein Juz ohne Skatepark, das ist schwer vorstellbar“, sagt Blößl. Er erzählt von Skate-Contests, die echte Familienfeste waren. Da standen plötzlich Männer mit eigenem Nachwuchs im Juz, die Tom Blößl noch als Teenager im krähenden Stimmbruch erlebt hatte. „So etwas ist schon bewegend, wenn man sieht, wie das Gemeinschaft stiftet“, erklärt der Juz-Leiter.

Am Meranier-Bad gibt es noch eine weitere Anlage. Aber nur eine sei für Lichtenfels nicht ausreichend. „Und so ein ganz klein bisschen ist doch unser Skatepark auch ein kleines Aushängeschild für Lichtenfels“, sagt Tom Blößl. Zumindest sieht jeder, der aus Kösten kommend in die Korbstadt einfährt: Hier scheint die Jugend etwas zu zählen. Die ersten Sponsoren haben sich schon gemeldet.

 

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