LICHTENFELS

Jugendsozialarbeit am Obermain zu Zeiten der Pandemie

Das Team der JaS: (hintere Reihe von li.) Vanessa Hellmich (HOS), Kathrin Völk (Dr. Roßbach Grundschule) und Sabine Wenninger (HOS); (vorne v. li.): Anie Böse (HOS), Sandra Neubert (Adam-Riese-Mittelschule, Bad Staffelstein). Foto: Till Mayer

Die Folgen der Pandemie, sie sind auch eine Herausforderung für das Team der Jugendsozialarbeit an Schulen im Landkreis Lichtenfels. Die Caritas-Sozialarbeiterinnen schreiben über ihre Arbeit in diesen schweren Zeiten: „Schon knapp ein Jahr erschwert die Pandemie das soziale Miteinander von Kindern und Jugendlichen in einem nicht zu unterschätzenden Ausmaß. Zum Teil sind sie deutlichen Belastungen durch die veränderte Lebenssituation ausgesetzt. Überraschend ist das Ergebnis der Copsy-Studie deshalb kaum: Lebensqualität und psychische Gesundheit haben abgenommen, fast jedes dritte Kind leidet unter psychischen Auffälligkeiten, Sorgen und Ängste haben weiter zugenommen und depressive und psychosomatische Beschwerden treten vermehrt auf.

Immer wieder neue Herausforderungen

Diese Ergebnisse sind auch im Berufsalltag der Jugendsozialarbeit an Schulen im Landkreis Lichtenfels, kurz JaS, deutlich zu spüren. Sie stellen die Sozialpädagoginnen neben den veränderten Arbeitsbedingungen immer wieder vor neue Herausforderungen. Gerade dieses Arbeitsfeld der Jugendhilfe zeichnet sich normalerweise insbesondere durch einen ,unkomplizierten', niedrigschwelligen Zugang und einem persönlichen Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen direkt in der Lebenswelt Schule“ aus.

Die daraus entstehenden Einschränkungen erfordern nun ein kreatives Umdenken bezüglich der Arbeitsweise: Neben klassischen Anrufen um unkompliziert abzufragen, wie es den einzelnen Schülerinnen und Schülern oder auch deren Eltern ergeht, steht JaS zum Teil täglich telefonisch mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt.

Raus aus dem Motivationsloch

Manchmal ist es ein gemeinsamer Versuch die Aufgaben für den Tag zu strukturieren oder jemanden aus einem Motivationsloch zu ziehen. Solche „Motivationslöcher“ häufen sich aktuell natürlich – zu lange ist es schon nicht mehr möglich sich mit Freunden zu treffen, zusammen rauszugehen, einfach mit anderen Spaß zu haben.

Online wieder in die Augen sehen

Um den Kontakt dann auch mal unkompliziert persönlicher gestalten zu können, wird auch immer wieder die Möglichkeit von Online-Beratungen in Form einer Konferenz, zum Beispiel über Jitsi, genutzt. So kann man sich zumindest mal wieder in die Augen sehen. Während diese Form der Kommunikation insbesondere für ältere Kinder und Jugendliche durchaus genutzt werden kann, gestaltet sich der Kontaktaufbau der JaS im Grundschulbereich oder allgemein mit nicht deutschsprachigen Familien deutlich schwieriger.

Kinder in diesem Alter beziehungsweise mit fehlenden sprachlichen Möglichkeiten wenden sich selten selbstständig telefonisch oder über Nachrichten an die JaS. Der Kontakt muss in der Regel über die Eltern aufgebaut werden oder eben persönlich stattfinden. Unter anderem aufgrund dieser Besonderheiten hat die Häufigkeit der Hausbesuche zugenommen und die Arbeit so einen noch aufsuchenderen Charakter bekommen. Also heißt es jetzt öfter „Rein in die Vorgärten und Hausflure, bewaffnet mit der Maske und Dienst-Laptop“: In einigen Fällen um konkrete technische Hilfe im Homeschooling zu leisten, Programme zu erklären oder aber auch einfach Eltern, die am Rande der nervlichen Belastungsgrenze sind, zuzuhören und Lösungen für kleine und große Herausforderungen zu erarbeiten.

Ein positiver Nebeneffekt

Hierbei geht es dann zum Beispiel darum, einen guten Umgang mit der steigenden Aggressivität bei Kindern und Eltern oder auch dem zunehmenden Medienkonsum zu finden. (Ein positiver Nebeneffekt ist dabei, dass die Beratung im persönlichen privaten Umfeld der Beziehungsarbeit zu den Kindern und Eltern nochmal eine besondere Intensität gibt, von der man sicher auch langfristig profitieren wird.) JaS „schlüpft“ aus den Schulen heraus und kommt den Familien so ein Stück näher.

Immer wieder werden Beratungsgespräche auch mit Spaziergängen verbunden. So hat die Beratungssituation den wichtigen Nebeneffekt, dass Jugendliche, die sich zum Teil kaum noch bewegen beziehungsweise sich im Wohnraum und auch seelisch ,einigeln', wieder aktiv werden. Sie nehmen wieder an der ,realen' Welt teil und erkennen dabei vielleicht sogar, wie wichtig Bewegung und auch frische Luft für das physische und psychische Wohlbefinden sind.

Ganz praktisch heißt das dann auch, dass das Handlungsfeld von der Beschaffung eines Schneeanzuges zum Spielen im Schnee, über die Hilfe bei der Beantragung eines Druckers, bis zur Vermittlung von Plätzen in der Notbetreuung reicht.

Mut machen gegen die Vereinsamung

Häufig konnte schon erfolgreich gegen die Vereinsamung, Motivations- und Mutlosigkeit und sogar völlige Resignation einzelner Kinder und Jugendlicher angekämpft werden. Manchmal bleibt jedoch auch der fade Beigeschmack, reine Schadensbegrenzung zu betreiben. Bei allen Herausforderungen ist vor allem auch der gute fachliche Austausch unter den JaS-Kollegen im Landkreis Lichtenfels, der in regelmäßigen Online-Teamsitzungen gepflegt wird, sehr hilfreich.

Mit Rat und Tat zur Seite

Man steht sich mit Rat und Tat zur Seite und überlegt gemeinsam, was Kinder und Jugendliche aktuell brauchen. Im Team werden passende Antworten gesucht und es wird versucht gemeinsam Handlungsansätze zu entwickeln, die den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen begegnen.

Klar ist jedoch auch, dass manchen dieser Bedürfnisse aktuell nicht adäquat begegnet werden kann. Dies wird erst wieder möglich sein, wenn ihnen ergänzend zum familiären Setting wieder der Zugang zum Lebensraum Schule, aber auch dem außerschulischen Bildungsbereich eröffnet wird. Neben der Lebenswelt ,Schule' haben sie insbesondere auch im Rahmen der Jugendarbeit in Vereinen, Kirchengemeinden und Jugendzentren ein großes soziales Lernfeld. Gerade in den Höhen und Tiefen des menschlichen Miteinanders können soziale Kompetenzen erworben werden. Zudem wird ihnen hierbei Raum geschaffen, um ihre individuelle Persönlichkeit, ihre Identität zu entwickeln. Entwicklungsaufgaben, die neben der Diskussion um die sich abzeichnenden schulischen Bildungsdefizite deutlich mehr in den Blick genommen werden müssen.

Antworten auf soziale Defizite

Eine Aufgabe der JaS wird es in den kommenden Wochen und Monaten sein, konkrete Antworten auf die entstandenen sozialen Defizite und verpassten sozialen und persönlichen Entwicklungschancen zu finden. Neben individuellen Hilfen um zum Beispiel an Themen wie „Selbstwirksamkeit“ zu arbeiten, wird dann sicher auch die Soziale Gruppenarbeit eine entscheidende Rolle spielen. Hier könnte der Fokus dann darauf gerichtet werden, was uns gesund hält, auf welche Ressourcen wir dabei zurückgreifen können und wie man das konkret umsetzen kann.“

 

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