LICHTENFELS

Joanna Blößl von der Lichtenfelser Tafel

Joanna Blößl: Offenheit und Freude sind ihre Türöffner
Joanna Blößl hat in ihrer Kindheit und Jugend viel Unterstützung von Ehrenamtlichen erfahren, einen Teil davon möchte sie heute der Region zurückgeben. Foto: Corinna Tübel

Sie weiß, wie es ist, Hilfe zu empfangen und gibt sie in besonderem Bewusstsein zurück: Joanna Blößl ist Leiterin der Tafel Lichtenfels plus und Mitarbeiterin der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit (KASA) der Diakonie Kronach-Ludwigsstadt/Michelau.

Offenheit und echte Freude im Kontakt mit Menschen sind ihr Türöffner: Joanna Blößl betritt die Lichtenfelser Tafel plus in der Conrad-Wagner-Straße, bietet Ehrenamtlichen, die sie noch nicht kennt, das „Du“ an und packt mit an. Seit einem halben Jahr ist sie Leiterin der Tafel Lichtenfels plus der Diakonie Kronach-Ludwigsstadt/Michelau, die gute aber unverbrauchte Lebensmittel sammelt und an Bedürftige weitergibt.

„Die Integration

von Menschen mit Migrationshintergrund, ihr Zusammenleben und den Kontakt zur Gesellschaft zu unterstützen, liegt mir sehr am Herzen, auch wegen meines persönlichen Hintergrunds.“

Joanna Blößl

Schon früh hat sie mit und für Menschen gearbeitet: So war sie beispielsweise Jugendleiterin beim Kreisjugendring Lichtenfels und als freie Mitarbeiterin für eine Lokalzeitung tätig. 2001 legte sie ihr Abitur am Meranier-Gymnasium ab. Bald darauf begann sie Soziologie an der Universität Bamberg zu studieren, bemerkte aber während eines Praktikums in einem großem Industriebetrieb, dass sie lieber direkt mit Menschen arbeiten möchte. So wechselte sie in den Studiengang Soziale Arbeit, erhielt ihr Diplom und trat in Schweinfurt ihre erste Stelle als Sozialpädagogin in verschiedenen Schulprojekten an verschiedenen Standorten in Unterfranken an.

Ab 2015 war sie für die Migrationsberatung in Haßfurt zuständig. „Die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund, ihr Zusammenleben und den Kontakt zur Gesellschaft zu unterstützen liegt mir sehr am Herzen, auch wegen meines persönlichen Hintergrunds“, verrät sie.

Unterstützer auf dem Weg zum Abitur

Ende der 1980-er Jahre kam sie mit ihren Eltern aus Polen in den Landkreis Lichtenfels. Viele Ehrenamtliche hätten ihr damals den Start in Deutschland erleichtert, blickt sie zurück. Besonders ein Lehrer habe sie auf dem Weg zum Abitur zudem sehr unterstützt. „Ich weiß, wie es ist, anzukommen und Hilfe zu empfangen. Ich hatte großes Glück.“

Und genau das wünscht sie sich für alle Menschen in Not – ob zugewandert, in existenziell oder persönlich schwierigen Lebenslagen. Heute möchte sie der Region etwas von ihrer empfangenen Hilfe zurückgeben. Die Leitung der Tafel Lichtenfels plus der Diakonie Kronach-Ludwigsstadt/Michelau scheint ihr dabei auf den Leib geschneidert. Tatsächlich sei ihr die Stelle im vergangenen Jahr angeboten worden. Glücklich, nach jahrelangem Pendeln auch wieder beruflich in die Heimat zurückzukehren, dachte sie sich „Das probiere ich aus“ und sagte zu.

An vielen Standorten tätig

Die Organisation der Lichtenfelser Tafel plus, die im Herbst diesen Jahres ihr zehnjähriges Bestehen feiert, beinhaltet heute die Planung der Abläufe und den Einsatz der Ehrenamtlichen sowie die Akquise von Spendenmitteln und Fördergeldern.

Ihre weiteren Aufgaben für die KASA liegen in der persönlichen Beratung von Klientinnen und Klienten in schwierigen Lebenslagen am Standort Michelau, aber auch in Ludwigsstadt und Kronach, wo sie stellvertretende Leitung der Suppenküche ist. Vor allem die Unterstützung von Frauen, wie etwa Alleinerziehenden, gehören zu ihren Schwerpunkten.

Die Arbeit mit und für Menschen mit so unterschiedlichen Hintergründen zieht sich durch Joanna Blößls Leben wie ein roter Faden. Mit jeder Begegnung gewinnt sie noch mehr an Erfahrung, wie sie etwa Menschen motivieren oder vernetzen kann. „Auch eine gute Menschenkenntnis habe ich mir angeeignet“, verrät sie. „Menschen zu unterstützen bereitet mir einfach Freude.“

Neue Ehrenamtliche werden dringend gesucht

Joanna Blößl: Offenheit und Freude sind ihre Türöffner
Leiterin Joanna Blößl schätzt die Leistung der Tafel in den vergangenen zehn Jahren sehr, in Zukunft stehen aber Verände... Foto: Corinna Tübel

Auch, wenn es im Alltag viele Herausforderungen gibt, die Joanna Blößl mit Herz und Durchsetzungsvermögen meistert und meistern wird: Die grundlegende Herausforderung für die unterschiedlichen Hilfsangebote bestehe darin, Menschen unterschiedlichen Alters, Herkunft und Motivation zusammenzubringen. Gleichzeitig gelte es, die Tafel und die KASA gut weiterzuführen.

Dazu gehört vor allem auch die Neugewinnung von Ehrenamtlichen, denn „sie bilden den Kern der Tafel“. Durch die Pandemie haben einige von ihnen gesundheits- oder altersbedingt ihren Dienst beendet.

Auch auf die Logistik kommen Veränderungen zu: Bisher holen die Fahrerinnen und Fahrer der Tafel Waren von insgesamt 25 Supermärkten und anderen Händlern in der Region ab. „Der Trend geht dahin, mehr Waren von den Produzenten und Lagern zu retten.“

Von Digitalisierung und Entkriminalisierung

Und dann steht noch die Repräsentation und die Digitalisierung im Raum. „Bei all diesen Prozessen geht es vor allem darum, die bisherigen Mitarbeitenden, Kundinnen und Kunden sowie Lieferanten mitzunehmen.“ Der Grundgedanke der Tafel bleibt dabei gleich: einerseits Lebensmittel zu retten und andererseits diese zu den Bedürftigen als zusätzliche Unterstützung zu bringen. „In diesem Zusammenhang gibt es auch Forderungen das Containern zu entkriminalisieren“, so Joanna Blößl.

Auch für die soziale Beratung der KASA hat sie Visionen: „Es geht um echte Chancen und ein gutes Zusammenleben von Menschen, auch, wenn nicht immer alles harmonisch ist“, erklärt sie. Sie wünscht sich, dass jeder Mensch – ob mit oder ohne Migrationshintergrund, ob Akademiker oder Handwerker – dieselben Chancen erhält.“

Herausforderung, Ausgleich und das Schenken von Zeit

Joanna Blößl: Offenheit und Freude sind ihre Türöffner
Die neue Leiterin der Tafel Lichtenfels plus: Joanna Blößl. Foto: Corinna Tübel

Eine Herausforderung, jeden Tag. Einen Ausgleich bietet ihre Familie, insbesondere ihr dreijähriger Sohn. Zudem malt und liest sie gerne, verbringt Zeit in der Natur und treibt Sport – „wenn ich Zeit dafür finde“, sagt sie lachend. Denn Zeit, die schenkt sie am liebsten Menschen, die sie brauchen.

Der Tafel Lichtenfels plus ist ein ökumenisches Projekt des Caritasverbandes für den Landkreis Lichtenfels e.V. und des Diakonischen Werkes Kronach-Ludwigsstadt/Michelau e.V.

Die beiden Allgemeinen Sozialen Beratungsstellen arbeiten in diesem Projekt zusammen.

Kontakt: Büro:

Kirchliche Allgemeine Sozialarbeit und Tafel Lichtenfels plus

Leiterin: Joanna Blößl

Tel.: 09571/ 971718

Mail: Kasa3@diakonie-klm.de

Träger

Der Tafel Lichtenfels plus ist ein ökumenisches Projekt des Caritasverbandes für den Landkreis Lichtenfels e.V. und des Diakonischen Werkes Kronach-Ludwigsstadt/Michelau e.V. Die beiden Allgemeinen Sozialen Beratungsstellen arbeiten in diesem Projekt zusammen.

Kontakt:

Büro: Kirchliche Allgemeine Sozialarbeit und Tafel Lichtenfels plus

Leiterin: Joanna Blößl

Tel. (09571) 971718

Mail: Kasa3@diakonie-klm.de

 

Schlagworte