LICHTENFELS

Ines Mai berichtet über den Start ins neue Kindergartenjahr

Ines Mai berichtet als Leiterin des Seubelsdorfer Kindergartens immer wieder von den Herausforderungen der Pandemie für Kinder, Pädagogen und Eltern. Heute erzählt sie von versuchter Normalität, Regelbetrieb und gelegentlich zu schwammigen Vorgaben.

„Hallo, hier melde ich mich wieder – die Bitte des Redakteures an mich war zu berichten, wie es uns so nach der Sommer Schließzeit ergeht. Was machen Reiserückkehrer? Gibt es einheitliche Vorgaben und damit verbundene Vorgehen für die Kitas? Wie geht es den Kindern inzwischen?

Bevor ich auf diese Fragen eingehe, muss ich kurz auf die Zeit vor den Ferien eingehen – denn natürlich beschäftigten mich genau diese Fragen – wie sollen wir nach den drei Wochen starten? Die Zahlen gingen stetig hoch – wir planen wieder eine Eingewöhnung mit Eltern – hm- zulässig? Wie viele Eltern gleichzeitig? Darf ich nach den Impfstatus fragen? Nachdem es ja vielen Einrichtungen in Bayern so gehen wird, wartete ich bis zwei Tage vor den Ferien ab – vielleicht kommt ja eine Vorgabe vom Ministerium – für die Schulen sickerte ja doch so einiges durch.

Vergebens auf Informationen gewartet

Wie leider so häufig während der vergangenen eineinhalb Jahre wartete ich vergebens. Na gut, dann ein Anruf bei der Aufsichtsbehörde – konnte die mir helfen, Tipps geben? Nun ja, es gab Tipps. So ging es wie immer – ich überlegte in Abstimmung mit dem Träger ein Hygienekonzept für die Zeit nach dem Urlaub. Die Eltern mussten ja informiert werden.

Für mich war klar, dass ich Eltern die sich bei uns in Räumlichkeiten aufhalten – und dass ist während einer Eingewöhnung unumgänglich – nur mit einem Schnelltest mit Zertifikat in die Einrichtung lasse – auch das Personal bat ich – trotz Impfung – um einen Schnelltest am ersten Tag. Die Eltern bat ich ebenfalls ihre Kinder testen zu lassen. Alles easy – Danke dafür.

Eltern dürfen zum ersten Mal in die Gruppenräume

Weiterhin sieht das neue Hygienekonzept vor, dass weiterhin Maskenpflicht auf dem Gelände und im Gebäude für Eltern besteht. Das Betretungsverbot ist gelockert – zwei Eltern dürfen sich in den jeweiligen Garderoben aufhalten und sich auch mal wieder in den Räumlichkeiten blicken lassen. Mir wurde bewusst, dass es Eltern gab, die seit ihr Kind bei uns ist, noch nie die Räumlichkeiten sehen konnten.

„Insgesamt gesehen, habe ich die erste Woche sieben Stunden mit dem Thema Selbsttests, Hygienekonzept, Bescheinigungen, Anrufe und Absprachen zu diesem Thema verbracht.“
Ines Mai, Kindergartenleiterin

Der erste Kita-Tag kam – wirklich große Freude, alles war ja bestens geplant – wir hatten ja während des vegangenen Jahres genügend Zeit, um für unsere Kinder und Familien ein buntes Jahresthema auf die Beine zu stellen. Wir wollen mit den Kindern um die Welt reisen – beginnend in unserer Stadt – unserem Landkreis – Ausflüge in die Stadt und ins Rathaus sind geplant. Heute – gute drei Wochen nach erfolgreichem Start in das Jahr schmettern die Kinder auch schon das Oberfrankenlied.

Doch zurück zum eigentlichen Thema – dass uns sehr schnell einholte – bereits am zweiten Tag des Kita-Jahres lag auch unser Landkreis über der magischen 35-er Grenze – 3 G galt. Es heißt 3 G in öffentlichen Einrichtungen und geschlossenen Räumen. Also wieder telefonieren, wie gehen wir damit um – ich habe nämlich ungeimpfte Eltern in der Eingewöhnung, zum Beispiel eine stillende Mutter, oder eine Schwangere. Damit habe ich null Problem – aber wie sollte ich nun 3 G umsetzen?

Wie erwähnt hatten sie mir alle bereits für die Woche einen Schnelltest gebracht – der zweite würde kosten – nur einmal testen lassen? Und uns geimpften Pädagogen wird empfohlen sich dreimal die Woche selbst zu testen? Was wäre mit ungeimpften Personal? Fragen über Fragen – und die Antworten.

Wieder einmal haben wir in Absprache mit dem Träger jeder sein eigenes Konzept entwickelt – je nach Räumlichkeiten, Eingewöhnungskonzept usw. Wir für unsere Kita halten uns an 3G – in abgeschwächter Form. Ein zertifiziertes Testergebnis zu Beginn der Woche und ein Selbsttest in der Wochenmitte – so sieht es unser Testkonzept vor, und alle machen mit.

Insgesamt gesehen, habe ich die erste Woche sieben Stunden mit dem Thema Selbsttests, Hygienekonzept, Bescheinigungen, Anrufe und Absprachen zu diesem Thema verbracht – und da habe ich eine kleine Einrichtung. Sieben Stunden, die mir an der Arbeit mit den Kindern fehlten – und trotzdem habe ich es geschafft, das Oberfrankenlied sitzt und wir es bald bei der Spielplatzeinweihung zum Besten geben können.

Schwammige Vorgaben bringen wenig

Ich wünsche mir einfach für die Zukunft, dass die Kitas nicht immer vergessen werden – und dass wir gefragt werden werden, was denn nun wirklich umsetzbar beziehungsweise praxisnah ist. Da sind wir die Experten und sicher bereit zu helfen. Bitte keine schwammigen oder gar keine Vorgaben – es kann doch nicht so schwer sein zumindest in einem Landkreis so gut es geht einheitlich zu arbeiten.

Hätte ich nicht so verständnisvolle Eltern, Trägervertreter, die uns unterstützen und Personal, das immer da ist, wenn es eng wird, da ich am Telefon sitze – dann würde die Reise um die Welt in Lichtenfels enden.

Bleibt gesund, passt weiter auf Euch auf und nehmt Rücksicht aufeinander!“