KLOSTERLANGHEIM

Exklusive Möbel aus Klosterlangheim weltweit gefragt

In Klosterlangheim werden Antiquitäten der Zukunft gebaut
Der 29-jährige Johannes Gehringer ist als Geschäftsführer der Holzwerkstatt Gehringer sowohl im Büro als auch in der Werkstatt zu finden. Foto: Corinna Tübel

Betten, Kommoden oder ganze Tische aus Massivholz der Holzwerkstatt Gehringer werden auch in Dubai oder Kanada nachgefragt. Aus einer ersten Werbeanzeige in einer Zeitung hat sich in Fachkreisen längst der Ruf entwickelt, auch mal ungewöhnliche aber stets qualitativ hochwertige Möbel zu fertigen. Warum es nicht in allen Ländern solches Handwerk gibt und wie das Unternehmen Tradition und Innovation vereint.

Ob ein fünf Meter langer Tisch, der nach Dubai verkauft wird, oder ein Wohnzimmertisch aus der jahrhundertealten Eiche aus dem eigenen Garten eines Kunden in der Region: Die Holzwerkstatt Gehringer widmet sich all ihren Aufträgen mit derselben Aufmerksamkeit und Intensität. Unter der Prämisse „Wir bauen die Antiquitäten der Zukunft“ verlassen im Rahmen der Serienfertigung für verschiedene Vertriebspartner rund 3000 hölzerne Stücke die Werkstatt den Lahmer Weg in Klosterlangheim: Betten, Tische, Kommoden und Viele mehr. Ziel ist „die ganze Welt“: Viele Kunden sind in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kanada oder Nordamerika angesiedelt.

Die Qualität spricht sich herum

In Klosterlangheim werden Antiquitäten der Zukunft gebaut
Die Produkte der Holzwerkstatt Gehringer werden in fast alle Kontinente der Erde verkauft - nur die Arktis fehlt noch, s... Foto: Corinna Tübel

Während die allerersten Aufträge der Holzwerkstatt als Reaktion auf eine Zeitungsanzeige eintrafen, ordern heute viele Vertriebspartner und Kunden auf Basis von Empfehlungen der Kunden. Der hohe Anspruch des Unternehmens aus Klosterlangheim an Material, Design, Funktionalität und Verarbeitungsqualität hat sich in Fachkreisen und bei interessierten Holz-Liebhabern herumgesprochen: „Schlichtes Erscheinungsbild, zeitloses Design, Verarbeitungsqualität auf höchsten Niveau, Made in Germany, traditionelles Handwerk kombiniert mit Innovativen Fertigungstechniken“, werde immer wieder von seinen Kunden hervorgehoben, so Johannes Gehringer.

Dank seiner zahlreichen Reisen durch die ganze Welt versteht er diesen Anspruch heute besser: In vielen Ländern wie Neuseeland gebe es etwa den klassisch deutschen Beruf „Schreiner“ in dieser Form nicht. Die beiden Berufe „Crafter“ für den Leichtbau oder „Builder“ für den Häuser- und Fensterbau und andere werden solchen maßgefertigten Möbeln nicht gerecht. Für viele Kunden bliebe als Kaufalternative nur ein industriell gefertigtes Produkt übrig.

Als die erste Anfrage aus Dubai im Büro in Klosterlangheim eintraf, fühlte sich der 29-jährige Geschäftsführer geehrt: „Stolz, dass die Möbel, welche wir fertigen, so wertgeschätzt werden, dass Menschen auf anderen Kontinenten die lange Wartezeit auf sich nehmen um diese zu besitzen. Aber auch ein Ehrgeiz, noch besser zu werden um niemanden zu enttäuschen.“

Alles außer Fenster Türen und Wandverkleidung

Das Privatkundengeschäft besteht überwiegend aus maßgefertigten Möbeln oder der Gestaltung ganzer Räume, beispielsweise Küchen oder Badmöbeln aus Vollmassivholz. „Alles außer Fenster Türen und Wandverkleidung“, fasst Johannes Gehringer zusammen. Die Wurzeln des Familienbetriebs reichen zurück bis ins Jahr 1650. Damals fertigten die Vorfahren Johannes Gehringers als klösterliche Wagnermeister für das örtliche Zisterzienser-Kloster Arbeitsgeräte für Feld, Stall und Hof.

In Klosterlangheim werden Antiquitäten der Zukunft gebaut
Kunden aus der ganzen Welt wollen die Massivholzmöbel der Holzwerkstatt Gehringer: So auch ein Kunde in Dubai beispielsw... Foto: Corinna Tübel

370 Jahre und sieben Generationen später ist die Holzwerkstatt noch immer an fast der gleichen Stelle – mit demselben Anspruch an ihre Produkte: „Wir haben noch nie Wegwerfprodukte gebaut, wir waren noch nie eine Montageschreinerei und haben uns noch nie dem Preiskampf ergeben“, so der Geschäftsführer heute. 2011 hat er den Betrieb von seinem Vater übernommen und verwendet heute vor allem Holz aus Eichenbeständen, amerikanischen Nuss- oder Kirschbäumen. Auch Buchenholz, etwa aus dem nahen Steigerwald, sei beliebt – vor allem, wenn hinter manchen Hölzern eine Geschichte steckt.

Eine Mooreiche aus einem Baggerloch bei Lichtenfels etwa habe durch ihre Verarbeitung in Lautsprechern, einem Sofatisch und einer Kommode ein „neues Leben“ bekommen. Ebenso eine 600 Jahre alte Eiche aus Zettlitz: „Ich bin zufällig vorbeigefahren und habe sie gesehen, als sie gefällt worden ist. Ich habe sofort angehalten und gefragt, ob wir die haben können.“ Hinter „die“ verbirgt sich ein acht Meter langer und 1,40 Meter breiter Koloss eines kerngesunden Baumes. Gerade werden aus seinem Holz ein Sofatisch und verschiedene Tischplatten gebaut.

Für solche Projekte geht die Holzwerkstatt Gehringer jedoch in Vorleistung. Die lange Trocknungszeit des Holzes und viele verschiedene Arbeitsschritte brauchen Zeit. „Niemand wartet vier Jahre auf sein Produkt, wenn man jetzt erst den Baum fällen würde.“ Die Corona-Krise hat das Unternehmen zudem genutzt, um ein neues elektronisches Branchenprogramm zur besseren Dokumentation der Arbeits- und Lieferschritte zu generieren sowie einen neuen Produktzweig mit exklusiven Wohn- und Küchenaccessoires ins Leben zu rufen – mit dem Anspruch: „Aus einem Meisterstück der Natur wird ein Meisterstück der Handwerkskunst“.

Nachhaltigkeit bis zum letzten Stück

Für alle Produkte spielen die beste Auslastung und Nachhaltigkeit eine große Rolle. „Wenn ein Kunde kommt und einen Tisch aus Eichenholz haben möchte, müssen wir in der Regel nicht extra das Material dafür kaufen.“ Der Privatkunde profitiert von der großen Holzauswahl welche für die Serienfertigung parat liegt. Auf dem circa 6500 Quadratmeter großen Areal mit rund 1800 Quadratmetern Produktions- und Lagerfläche stapeln sich daher Bretter verschiedenster Größen in beeindruckenden Höhen. Für die jährliche Summe einer dreiviertel Million Euro wird hier Massivholz verarbeitet. „Wenn bei uns etwas Abfall ist, dann kann man wirklich nichts mehr daraus machen“, erklärt Johannes Gehringer mit Blick auf nur noch lineal-große Holzstücke.

Sein Team besteht aus 18 Mitarbeitern, zwei davon sind Auszubildende. Zusammen mit seinem Bruder, der „Gestalter im Handwerk“ ist, entstehen so viele, zuerst verrückte Ideen, die Schritt für Schritt ihre Verwirklichung finden. Auch ungewöhnliche technische Kniffe müssen die beiden bisweilen anwenden, um Funktionalität und Kunst in ihren Produkten zusammen zu bringen. „Ich brauche nichts nachbauen, das es schon gibt.“ Die Produkte der Holzwerkstatt Gehringer sind „Antiquitäten der Zukunft“ und Charakterstücke. Sicherlich in gehobener, aber nicht höchster Preiskategorie – dafür mit dem Anspruch, dauerhaft ihren Dienst zu tun.

In diesem Sinne wartet auch ein 7,80 Meter langes Stück Holz auf seine Bearbeitung zum extra-langen Tisch, wie es mal ein Kunde aus Dubai überlegt hat. Man muss ja vorbereitet sein.

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