LICHTENFELS

Im Kindergarten Seubelsdorf: Was Kinder über den Krieg sagen

In der Fastenzeit wird der Stuhlkreis im Kindergarten Seubelsdorf zum Osterstündchen. Dazu wird die Kerze angezündet. Daneben steht Jesus in Gestalt des guten Hirten. Außerdem dabei: ein Gebetbuch und die Ukraine-Flagge. Zum Abschluss wird gemeinsam gesungen. Foto: Annette Körber

Im Kindergarten Seubelsdorf haben die Jungen und Mädchen ihre Stühlchen in einem großen Kreis aufgestellt. In der Mitte liegen eine blau-gelbe Flagge und ein aufgeschlagenes Buch mit Gebeten für Kinder. Außerdem steht da eine Jesusfigur in Gestalt des guten Hirten und eine Kerze, die Erzieherin Ines Mai anzündet, bevor alle zusammen ein Gebet sprechen: für alle Kinder, denen es nicht gut geht. Sie denken vor allem an die Kinder in der Ukraine dabei.

Denn es ist ja nicht so, dass die Kleinen von Putins Angriffskrieg nichts mitkriegen. Ganz im Gegenteil, hat Ines Mai gemerkt, als sie das Thema das erste Mal früh im Stuhlkreis ansprach. Es beschäftigt die Kinder, dass in der Ukraine Panzer rollen, dass Raketen Häuser zerstören, dass ganze Familien auf der Flucht sind. Also redet die Leiterin des Kindergartens mit ihnen darüber, lässt sich erzählen, was sie wissen. Und zeigt ihnen, dass sie auch etwas tun können.

Eine Friedenstaube, eine Kerze und ein Gebet

Im Fenster hinter ihnen hängt die ukrainische Flagge: Sie soll zeigen, dass auch die Menschen im Kindergarten, die kleinen wie die großen, gegen diesen Krieg sind. Deswegen klebt daneben auch eine papierene Taube. Die Jungen und Mädchen haben solche Friedenssymbole auch mit nach Hause genommen, dazu eine Kerze und das Gebet, das sie auch an diesem Morgen im Stuhlkreis zusammen gesprochen haben. „Wer hat das denn schon zuhause mit den Eltern gebetet?“, fragt Ines Mai. Ganz viele Hände gehen nach oben.

Die Meinung der Kinder ist eindeutig: „Der Herr Putin soll aufhören mit dem Krieg. Der ist böse. Der will die Ukraine zerstören“, sagt Lias. Ines Mai zeigt ihnen auf einer großen Weltkugel, wo das große Russland und das überfallene Nachbarland liegen. „Da rollen Panzer durch das Land, als ob da Autos fahren würden“, macht sie klar. „Und das ist gar nicht so weit weg!“

Sie nimmt die Kinder ernst. Beschönigt nichts. Amelie hat von „giftigen Bomben“ gehört, die die Russen abwerfen sollen. Das Mädchen meint Chemiewaffen. Die Erzieherin erklärt, dass die noch nicht im Einsatz sind. Aber dass es durchaus sein kann, dass das noch kommt. Patrick berichtet von Streubomben – „so klein sind die“, zeigt er und formt mit seinen Fingern einen Kreis. „Und die sind dann ganz weit verstreut.“ Ines Mai staunt. „Was ihr alles wisst! Da krieg' ich ja Gänsehaut.“

„Schaut, der große orangene Fleck ist Russland“: Ines Mai erklärt den Kindern anschaulich, was in Russland und der Ukrai... Foto: Annette Körber

Schwierige und nicht so schwierige Fragen

Die Kindergartenleiterin erklärt den Kleinen auch, dass viele in Russland ihren Präsidenten Wladimir Putin gut finden. Und dass das auch daher kommt, dass sie gar nicht wissen, was in der Ukraine passiert: Sie können sich nicht mehr aussuchen, welche Nachrichten sie sehen wollen. „Stell dir vor, deine Eltern dürften nicht erfahren, was in der Türkei passiert“, wendet sie sich an den Jungen neben sich. „Da würden sie weinen“, ist er sich sicher.

Dann reden sie über die Geflüchteten. Gabriel erzählt, dass sein Papa jetzt welche bei sich zuhause aufgenommen hat. Ines Mai beschreibt, wie es in der Erstunterkunft in der Berufsschulturnhalle, aussieht: viele Feldbetten, Plastiktrennwände, ein Spielraum. „Den Kindern geht's dort nicht gut“, meint Nicole. „Weil sie traurig sind.“ Warum, wissen die Kinder auch: Die Papas müssen in der Ukraine bleiben, sie müssen kämpfen. „Meint ihr, sie wollen das?“, fragt Mai.

„Was ihr alles wisst! Da krieg' ich ja Gänsehaut.“
Ines Mai, Leiterin des Kindergartens Seubelsdorf

Auch die Jungs schütteln den Kopf. Sie haben hier im Kindergarten gelernt, dass Kampf und Krieg nicht schön sind. Die Leiterin duldet nicht, dass die Kleinen Waffen aus Lego bauen und damit spielen.

„Ines, wie lange ist denn noch der Krieg?“, fragt Lias. Gute Frage! Manches lässt sich einfach nicht beantworten. Leider. Der Junge lässt sich nicht entmutigen. Er möchte noch mehr wissen: „Warum will der Putin Krieg mit der Ukraine?“ Dazu kann die Erzieherin etwas sagen: „Er will mehr Macht. Er will die Ukraine haben.“

Spielsachen und Schuhe für die geflüchteten Kinder

Und dann erklärt sie den Kindern, was sie tun können um zu helfen in dieser Situation: Sie können spenden. Das haben die Jungen und Mädchen und ihre Eltern schon bei der Überschwemmungskatastrophe im Ahrtal getan. Und jetzt – was brauchen die geflüchteten Kinder aus der Ukraine jetzt? Charlotte überlegt. „Pullover?“ Ines Mai nickt. Aber Kleidung hat das Rote Kreuz genug, erklärt sie.

Lilly meldet sich: „Spielsachen!“ Genau: Malsachen, Puppen, Spielzeug – wer etwas übrig hat oder nicht mehr braucht, darf es in einen Karton packen und in den Kindergarten bringen. Auch Schuhe werden knapp, erklärt die Erzieherin. Bis Donnerstag, 31. März, will sie sammeln, dann fährt sie alles zum Roten Kreuz. Auch die Nachbarn des Kindergartens dürfen bis dahin gerne hier Spenden abgeben.

 

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