LICHTENFELS/BAYREUTH

IHK der Seismograf für die Lage der Wirtschaft

www.ochsenfoto.de
Malte Tiedemann, Konjunktureferent der IHK für Oberfranken Bayreuth. Foto: red

Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf die Wirtschaft? Antworten auf diese Frage sind aus Sicht der IHK für Oberfranken Bayreuth derzeit noch vage, kann man doch bislang vor allem auf Stimmungen und Einzelaussagen von Unternehmerinnen und Unternehmern zurückgreifen.

„Das bildet erst den

Beginn der Krise ab, aber

im bayernweiten Vergleich schneidet Oberfranken

vergleichsweise gut ab.“

Malte Tiedemann, Konjunktureferent der IHK für Oberfranken Bayreuth

Einen ersten Anhaltspunkt in Form belastbarer Zahlen hat nun das Statistische Landesamt für das Verarbeitende Gewerbe vorgelegt. Auf dem Tisch liegen die Zahlen für das erste Quartal 2020 (Januar - März) der Unternehmen mit 50 und mehr Beschäftigten. „Das bildet erst den Beginn der Krise ab, aber im bayernweiten Vergleich schneidet Oberfranken vergleichsweise gut ab“, so Malte Tiedemann, Konjunktureferent der IHK für Oberfranken Bayreuth.

462 Betriebe aus Oberfranken werden in der Statistik erfasst. Gemessen an der Zahl der existierenden Unternehmen, rund 47 000 sind alleine bei der IHK für Oberfranken Bayreuth eingetragen, möge die Zahl klein erscheinen, heißt es in der Pressemitteilung. Der Schein trüge, denn die mittelständischen Industriebetriebe seien das Rückgrat der oberfränkischen Wirtschaft und ihre Entwicklung ein guter Seismograf für die Lage der regionalen Wirtschaft.

Das Verarbeitende Gewerbe muss im ersten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum in fast allen bayerischen Regionen Rückgänge verzeichnen. Bayernweit wird ein Minus von 5,3 Prozent verbucht. In Oberfranken ist der Rückgang mit -2,9 Prozent im Vergleich zu den meisten anderen Regierungsbezirken deutlich geringer. „Wir scheinen wieder von unserem relativ breiten und heterogenen Branchenmix zu profitieren“, so Tiedemann. Maßvoll sei bislang auch der Beschäftigtenrückgang des Verarbeitenden Gewerbe im ersten Quartal, der in Oberfranken -1,9 Prozent (Bayern: -1,1 Prozent) beträgt, viel konnte hier über Kurzarbeit abgefedert werden.

Im März spürbare Umsatzrückgänge im Vergleich zum Vorjahresmonat

Legt man das Brennglas nur auf den März 2020, so wird deutlich, dass es im Vergleich zum Vorjahresmonat bayernweit zu teilweise erheblichen Umsatzrückgängen kam. Die bayerische Wirtschaft musste ein Minus von 10,8 Prozent verzeichnen. Besonders betroffen sind die Regierungsbezirke Oberbayern (-16,0 Prozent), Niederbayern (-10,9 Prozent) und die Oberpfalz (10,5 Prozent), die alle große Werke von Automobilherstellern beheimaten. Am wenigsten von der Krise betroffen sind im März die Regierungsbezirke Oberfranken (-4,3 Prozent) und Schwaben (-3,2 Prozent) betroffen.

Deutliche Unterschiede in verschiedenen Branchen

Auch innerhalb des Verarbeitenden Gewerbes in Oberfranken gibt es mit Blick auf den März 2020 zum Teil deutliche Unterschiede bei der Umsatzentwicklung. Den größten Zuwachs kann mit einem Plus von 14,8 Prozent die Glas- und Keramikindustrie aufweisen. Dahinter folgen die Textilindustrie mit einem Plus von 12,1 Prozent sowie die Nahrungs- und Futtermittelindustrie mit 11,1 Prozent. Die Hersteller sonstiger Waren (unter anderem Spielzeug) konnten 5,8 Prozent mehr erwirtschaften, die Getränkehersteller verzeichnen ein Umsatzplus von 0,5 Prozent.

Stark von der Krise betroffen sind die Bekleidungsindustrie (-33,8 Prozent), die chemische Industrie (-15,2 Prozent), die kunststoffverarbeitenden Produzenten (-14,3 Prozent) sowie die Hersteller elektrischer Ausrüstung (-10,7 Prozent) und die Automobilzuliefer-Industrie (-8,2 Prozent).

Deutlich schlechtere Werte für den April zu erwarten

„Natürlich müssen wir die Zahlen mit Vorsicht bewerten, denn der März war der erste Monat, in dem die Krise deutlich spürbare Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft hatte. Dennoch stimmt uns gerade der Vergleich innerhalb Bayerns vorsichtig optimistisch, dass der Wirtschaftsstandort Oberfranken strukturell relativ gut auf die Krise vorbereitet ist“, so Tiedemann. Klar sei aber auch, dass schon mit den April-Zahlen deutlich schlechtere Werte erwarten werden müssen.

Schlagworte